Verschwörungstheoretiker war untergetaucht

Hobbydetektive und Reporter spüren international gesuchten Attila Hildmann auf

Attila Hildmann nimmt im Mai 2020 an einer Demonstration vor dem Reichstag teil (Archivbild).

Attila Hildmann nimmt im Mai 2020 an einer Demonstration vor dem Reichstag teil (Archivbild).

Die deutschen und internationalen Behörden suchen seit mehr als eineinhalb Jahren den Berliner Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann per Haftbefehl – unter anderem wegen Volksverhetzung, Bedrohung und dem Aufruf zu Straftaten. Hildmann hatte sich im Dezember 2020 in die Türkei abgesetzt, um der Strafverfolgung zu entgehen, sein genauer Aufenthaltsort war unbekannt. Bis jetzt.

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Der „Stern“ berichtet, dass ein Team von Hobbydetektiven sowie Reporter des Magazins Hildmanns Aufenthaltsort ausfindig gemacht und ihn dort zur Rede gestellt haben. Er verstecke sich derzeit in Kartepe, einer Stadt in der Marmararegion, etwa 100 Kilometer südöstlich von Istanbul. Zuvor habe er sich längere Zeit in einem Haus am Rande „eines verschlafenen Küstenorts namens Gömeç“ aufgehalten.

Die Gruppe der 13 Hobbydetektive nennt sich laut dem Bericht „Hildbusters“, angelehnt an die Geisterjäger der „Ghostbusters“-Filme aus den 1980er-Jahren. Entstanden sei sie im Februar 2021 – zunächst als „Zeitvertreib“ in der Corona-Pandemie, um sich gegen Maskengegner zu wehren. Die Mitglieder der Gruppe mischten sich in Telegram-Gruppen ein, kamen so auch auf Attila Hildmann und machten sich schließlich zur Aufgabe: schaffen, was den Behörden nicht gelingt – sie wollten Hildmann finden und ins Gefängnis bringen.

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Gruppe wertet Videos, Fotos und Sprachnachrichten aus

Dafür hätten sie „nahezu jedes Foto, jedes Video und jede Sprachnachricht untersucht, die Hildmann auf seinen offen zugänglichen Kanälen bei Telegram veröffentlicht hat“, heißt es in dem „Stern“-Bericht. Begleitet wurden sie dabei von Reportern des Magazins. Durch die akribische Recherche sei es schließlich gelungen, Hildmann in Kartepe ausfindig zu machen – unter anderem mithilfe von Fotos aus einer Tierarztpraxis, die Hildmann gepostet hatte und die Hinweise auf seinen Aufenthaltsort gegeben hatten.

Ein Vertreter der Gruppe der Hobbydetektive sowie „Stern“-Mitarbeiter hätten den ehemaligen Berliner Vegan-Koch dann abgepasst, als dieser mit seinem Hund spazieren gegangen sei. Festgehalten ist diese Begegnung auf Fotos, auf denen Hildmann einen Pullover trägt, den er bereits bei Demonstrationen und Fernsehauftritten in Deutschland anhatte.

Rund zehn Minuten habe dieses Treffen gedauert, heißt es in dem Bericht. Hildmann habe dabei keine Fragen beantwortet. Stattdessen habe er antisemitische Sätze wiederholt, „die er sonst tagtäglich bei Telegram verbreitet“. Das Video der Begegnung soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur von „Stern TV“ im Sender RTL am Mittwochabend gezeigt werden.

Informationen an Behörden weitergereicht

Ihre Informationen gaben die „Hildbusters“ dem Artikel zufolge stets an die Behörden weiter. So habe die Gruppe etwa sofort das deutsche Generalkonsulat in Istanbul informiert und der Bundespolizei Hildmanns Adresse und das Nummernschild seines Autos mitgeteilt.

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Die deutschen Behörden hatten immer wieder betont, sie könnten keine Auslieferung Hildmanns an Deutschland erwirken, da dieser auch die türkische Staatsbürgerschaft besitze. Dies stellte sich jedoch als falsch heraus, wie inzwischen die Berliner Staatsanwaltschaft dem RBB bestätigte. Ob die Bundesregierung inzwischen ein Auslieferungsgesuch an die Türkei gestellt hat, ist nicht bekannt. Beteiligt sein sollen nach Medienberichten das Bundeskriminalamt, das Bundesamt für Justiz, das Auswärtige Amt sowie die türkischen Behörden.

Attila Hildmann wurde in West-Berlin als Kind türkischer Eltern geboren, er wuchs aber bei deutschen Adoptiveltern auf. Bekannt wurde er zunächst als Autor von Kochbüchern veganer Gerichte – er vertrieb online vegane Produkte, hatte mehrere Imbisse in der Hauptstadt, war häufig in Fernsehshows zu Gast. Während der Corona-Pandemie fiel er dann allerdings als Anhänger von Verschwörungstheorien auf und äußerte sich immer wieder rechtsextremistisch und antisemitisch.

RND/dpa/toe

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