Carola Rackete klagt EU an: „Wo wart ihr?“

Carola Rackete, Kapitänin aus Deutschland von der „Sea-Watch 3“, nimmt an einer Pressekonferenz nach einer Sitzung vor dem Innenausschuss des Europaparlaments teil.

Carola Rackete, Kapitänin aus Deutschland von der „Sea-Watch 3“, nimmt an einer Pressekonferenz nach einer Sitzung vor dem Innenausschuss des Europaparlaments teil.

Brüssel. Die deutsche Kapitänin Carola Rackete hat bei einem Vortrag im Europaparlament eine EU-weite Regelung für die Seenotrettung von Migranten im Mittelmeer gefordert. Es sei eine Schande für Europa, dass noch immer keine langfristige Lösung gefunden sei, wie Gerettete auf die EU-Länder verteilt werden, sagte Rackete am Donnerstag in Brüssel. Anlass war der sechste Jahrestag des Untergangs eines Flüchtlingsboots vor der italienischen Insel Lampedusa, bei dem mehr als 300 Menschen ertrunken waren.

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Die EU solle ihren humanitären Auftrag ernst nehmen und Verantwortung nicht an Länder wie Libyen abgeben, wo Geflüchtete ein unsicheres Schicksal erwarte, sagte die 31-Jährige. „Libyen ist kein sicherer Hafen.“ Zurzeit gebe es nur wenige Rettungsschiffe. Jeden Tag kämen Menschen ums Leben.

Rackete klagt Europa an

Als Rackete von ihren Erlebnissen im Mittelmeer erzählt, stockt ihr laut der „Tagesschau“ wiederholt die Stimme. In Italien seien sie und die geretteten Flüchtlinge an Bord der „Sea-Watch 3“ empfangen worden, „als ob wir die Pest an Bord hätten“, so die Kapitänin. Nachdem das Rettungsschiff im Hafen von Lampedusa anlegte, schwappte der Deutschen eine Welle der Solidarität entgegen. „Jede Menge ungewollter Aufmerksamkeit“, wie Rackete in ihrem Vortrag meint. Denn Unterstützung hätte sie davor gebraucht.

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„Aber wo waren Sie alle, als wir auf allen möglichen Kanälen um Hilfe baten? Wo waren Sie, als auf die Bitte nach einem sicheren Hafen immer nur die Antwort ‚Tripolis‘ kam?“, klagte Rackete die Abgeordneten im Europaparlament an. Am Ende ihrer Rede erhielt die Deutsche überwiegend Standing Ovations, einige blieben sitzen.

Andere würden die 31-Jährige lieber in einer Gefängniszelle sehen. Für den belgischen Abgeordneten Tom Vandendriessche ist Rackete eine Kriminelle. Sie respektiere keinerlei Gesetze. „Sie wählen stattdessen den Weg der Gewalt. Sie sind Teil eines kriminellen Netzwerkes. Sie sind Handlanger der Menschenschmuggler“, warf ihr der Politiker von der rechtsextremen „Vlaams Belang“ vor.

Italien ermittelt gegen Rackete

Racketes Forderungen kommen wenige Tage vor einem Treffen der EU-Innenminister in Luxemburg. Dort will der deutsche Ressortchef Horst Seehofer (CSU) gemeinsam mit den Innenministern von Frankreich, Italien und Malta andere EU-Länder davon überzeugen, sich einer freiwilligen Übergangsregelung anzuschließen. Gerettete sollen künftig innerhalb von vier Wochen auf die teilnehmenden EU-Länder verteilt werden.

Gegen Rackete laufen in Italien Ermittlungen, unter anderem wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung. Ende Juni steuerte sie ihr Schiff mit etwa 50 Migranten in den Hafen von Lampedusa und widersetzte sich damit der Anordnung des damaligen rechten Innenministers Matteo Salvini. Ihr Schiff „Sea-Watch 3“ darf nicht wieder in See stechen. Rackete rechnet mit einem Ende des Verfahrens in ein bis zwei Jahren.

Weiterlesen: Deutsche sind gegen Aufnahme geretteter Mittelmeer-Flüchtlinge

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RND/ka/dpa

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