Altkanzler verliert Mitarbeiter

Es wird einsam um Gerhard Schröder – was folgt nach dem Rückzug der Mitarbeiter?

Gerhard Schröder und Russlands Präsident Wladimir Putin. Berühmt wurde Schröders Ausspruch, Putin sei ein "lupenreiner Demokrat".

Gerhard Schröder und Russlands Präsident Wladimir Putin. Berühmt wurde Schröders Ausspruch, Putin sei ein "lupenreiner Demokrat".

Berlin. Von Gerhard Schröder rücken immer mehr langjährige Weggefährten ab. Jetzt ziehen offenbar auch engste Mitarbeiter Konsequenzen daraus, dass der frühere Bundeskanzler aus ihrer Sicht aus Russlands Angriff auf die Ukraine nicht die notwendigen Konsequenzen zieht.

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Schröder verliert seinen langjährigen Büroleiter und Redenschreiber Albrecht Funk, wie das Nachrichtenportal „The Pioneer“ zuerst berichtete. Auch drei weitere Mitarbeiter wollen nicht mehr für den früheren sozialdemokratischen Bundeskanzler arbeiten und haben um Versetzung gebeten.

Hintergrund dürften unterschiedliche Auffassungen über den Umgang Schröders mit seinen Aufsichtsratsmandaten in russischen Unternehmen sein. „Der Krieg und das damit verbundene Leid für die Menschen in der Ukraine muss schnellstmöglich beendet werden“, hatte Schröder nach dem Einmarsch Russlands zwar in einer Botschaft mitgeteilt. Das sei die Verantwortung der russischen Regierung. Doch einen Rückzug von den lukrativen Jobs kündigte er dort nicht an.

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Schröders Verbindungen sind heikles Thema für SPD

Die Verbindungen des Altkanzlers nach Russland sind für die Sozialdemokraten schon lange ein heikles Thema. Schröder gilt als langjähriger Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Und er ist Aufsichtsratschef beim staatlichen russischen Energiekonzern Rosneft.

Daneben hat der Sozialdemokrat Führungspositionen bei den Pipelineprojekten Nord Stream und Nord Stream 2 – beide Gasleitungen unter der Ostsee verbinden Russland und Deutschland. Der russische Energieriese Gazprom hatte zudem jüngst mitgeteilt, Schröder sei für den Aufsichtsrat des Staatskonzerns nominiert worden.

SPD-Chef Lars Klingbeil hatte Schröder am Wochenende aufgefordert, die Aufgaben niederzulegen. „Mit einem Aggressor, mit einem Kriegstreiber wie Putin macht man keine Geschäfte“, betonte Klingbeil. Es sei „überfällig, die geschäftlichen Beziehungen zu Putin zu beenden“. Das erwarte er unmissverständlich. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und andere äußerten sich ähnlich. Es ist ein deutlicher Bruch der Partei mit Schröder und seinem derzeitigen Verhalten.

Der frühere SPD-Chef Norbert Walter-Borjans sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Ich teile die Auffassung der gegenwärtigen Parteiführung, dass ein ehemaliger Bundeskanzler nie wieder zu einem Bürger wie jeder andere wird.“ Sein Handeln werde immer mit besonderem Augenmerk verfolgt. „Damit bleibt eine besondere Verantwortung verbunden, auch wenn Gerhard Schröder das für sich offenbar anders sieht“, betonte Walter-Borjans. „Damit setzt er ein fatales Signal.“

+++ Alle Entwicklungen zum Krieg gegen die Ukraine im Liveblog +++

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CDU-Generalsekretär Mario Czaja verlangte in einem Schreiben an Klingbeil und Co-SPD-Chefin Saskia Esken, bei den Haushaltsberatungen solle dafür Sorge getragen werden, dass der Altkanzler künftig keine Mittel aus dem Bundeshalt mehr für sein Büro erhalte. Alles andere sei zynisch gegenüber dem Freiheitskampf der Ukrainer. In den sozialen Netzwerken fordern einige SPD-Mitglieder bereits ein Parteiausschlussverfahren gegen den früheren Kanzler – das wäre allerdings ein langwieriges, juristisch höchst kompliziertes Unterfangen.

An der SPD-Basis ist das Entsetzen über Schröder jedenfalls groß. „Ich kenne niemanden in der SPD, der das Verhalten von Gerhard Schröder in Ordnung findet, in dieser Situation noch immer Aufgaben für russische Unternehmen wahrzunehmen“, sagte Jan Bühlbecker, Vorsitzender des Ortsvereins Wattenscheid-Mitte/Westenfeld dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Das ist nicht mit unseren sozialdemokratischen Werten zu vereinbaren.“ Bühlbecker betont: „Für mich ist darum klar, dass er sich entscheiden muss: Entweder er gehört zu uns – oder zu Putin.“

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