Klimafreundliche Smartphones und Co.

EU-Kommission will den wachsenden Müllberg abtragen

Laut den Vorschlägen der EU-Kommission sollen Smartphones künftig besser wiederverwertet werden können.

Laut den Vorschlägen der EU-Kommission sollen Smartphones künftig besser wiederverwertet werden können.

Brüssel. Smartphones, die komplett ersetzt werden müssen, weil Akkus nicht separat ausgetauscht werden können. Kleidung, die schon nach einigen Wäschen fadenscheinig ist. Wenn es nach der EU-Kommission geht, dann soll damit binnen weniger Jahre Schluss sein. Die Brüsseler Behörde legte am Mittwoch Leitlinien zur sogenannten Kreislaufwirtschaft vor. Ziel sei es, zum Klimaschutz beizutragen, den Müllberg abzutragen und die Energieabhängigkeit der EU von Russland zu verringern, sagte der Vizepräsident der EU-Kommission, Frans Timmermans.

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Zentrales Element der neuen Vorschläge ist ein sogenannter digitaler Produktpass. Verbraucherinnen und Verbraucher sollen darin ablesen können, wie die Produkte hergestellt wurden, ob sie repariert werden können und wiederverwertbar sind. Timmermans sagte: „Warum lassen sich die Akkus von Smartphones nicht ähnlich ersetzen wie bei den alten Handys?“

Vage Produktangaben wie „grün“ und „umweltfreundlich“ sollen in der EU verboten werden, wenn sie nicht nachgewiesen sind. Wegen der potenziell längeren Haltbarkeit von Produkten könnten Verbraucherinnen und Verbraucher Geld sparen, so die Kommission.

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Die Produkte der Zukunft sind so designt, dass sie länger halten, reparierbar sind und recycelt werden können.

Anna Cavazzini (Grüne),

Vorsitzende des Binnenmarkt­ausschusses im Europaparlament

Die Produkte müssen dem Vorschlag zufolge nicht nur klimafreundlich hergestellt werden, sondern sollen auch wiederverwertbar sein und leichter zu reparieren als bisher. „Die Produkte der Zukunft sind so designt, dass sie länger halten, reparierbar sind und recycelt werden können. So wird aus Müll ein Rohstofflager“, sagte die Vorsitzende des Binnenmarkt­ausschusses im Europaparlament, Anna Cavazzini (Grüne).

Zunächst will sich die Kommission die Textilbranche und Produkte wie Möbel, Matratzen sowie Zement und Aluminium vornehmen. Später sollen praktisch alle Produkte klimafreundlich hergestellt werden und wiederverwertbar sein.

Ausstrahlung außerhalb der EU

Die EU-Kommission hofft, dass ihre Vorschläge auch in Drittstaaten stilbildend sein werden. Timmermans sagte, die Richtlinien zur Kreislaufwirtschaft hätten Vorbildcharakter. Unternehmen aus Nicht-EU-Staaten hätten ein großes Interesse daran, ihre Waren im größten Binnenmarkt der Welt mit mehr als 440 Millionen Verbraucherinnen und Verbrauchern abzusetzen. Deswegen würden sie sich an die EU-Regeln halten.

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Das Beispiel der Textilbranche zeige, wie hoch der Handlungsbedarf sei, sagte EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius. 50 Milliarden Tonnen Textilien werden pro Jahr weltweit produziert. Doch weniger als ein Prozent davon werde wiederverwertet. Der Rest lande im Müll. Jede Sekunde lande eine Lastwagenladung mit Stoffen auf Müllkippen oder in Verbrennungsanlagen. „Jeder von uns verschwendet im Jahr elf Kilo Textilien“, sagte Sinkevicius.

Müllaufkommen wird um 70 Prozent steigen

Die neuen Vorschläge sollen auch dabei helfen, die gewaltigen Müllberge abzutragen. Die Weltbank schätzt, dass das globale Müllaufkommen bis 2050 um 70 Prozent steigen wird. Schon heute produziert jede EU-Bürgerin und jeder EU-Bürger im Schnitt fast eine halbe Tonne Abfall. Zusammen mit dem Industriemüll kommen so im Jahr etwa 2,5 Milliarden Tonnen allein in der Europäischen Union zusammen.

Virginijus Sinkevicius, EU-Kommissar für Umwelt und Ozeane.

Virginijus Sinkevicius, EU-Kommissar für Umwelt und Ozeane.

Mit den neuen Vorschlägen, die noch vom Europaparlament und den EU-Mitgliedsstaaten gebilligt werden müssen, soll zudem der Kampf gegen den Klimawandel intensiviert werden. Die EU will bis zum Jahr 2050 klimaneutral werden.

Dabei soll das Energiesparen eine Hauptrolle spielen. Es sei schon mit den heute geltenden Regeln für das sogenannte Ökodesign gelungen, im Jahr 2021 Energie im Wert von 120 Milliarden Euro einzusparen, teilte die Kommission mit. Bis zum Jahr 2030 könne es gelingen, pro Jahr so viel fossile Energie zu sparen, wie derzeit an russischem Erdgas gekauft wird. EU-weit sind das derzeit etwa 150 Milliarden Kubikmeter im Jahr.

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