Ex-Minister nach Wechsel zu FDP: „SPD in Gefahr, Sekte zu werden“

Der Unternehmensberater Florian Gerster, aufgenommen während der ARD-Talksendung „Anne Will“. Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete und ehemalige Chef der Bundesarbeitsagentur ist der FDP beigetreten.

Der Unternehmensberater Florian Gerster, aufgenommen während der ARD-Talksendung „Anne Will“. Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete und ehemalige Chef der Bundesarbeitsagentur ist der FDP beigetreten.

Berlin. Er war Jahrzehnte lang Mitglied der SPD, saß für die Partei im Bundestag und war Chef der Bundesarbeitsagentur. Jetzt ist Florian Gerster der FDP beigetreten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

FDP-Parteichef Christian Lindner begrüßte Gerster am Montag beim traditionellen Dreikönigstreffen der Liberalen in der Stuttgarter Oper öffentlich als „ganz frisches Neumitglied“. Zuvor hatte Lindner von Sozialdemokraten gesprochen, die sich der politischen Mitte verpflichtet sähen, aber in der SPD wegen deren inhaltlicher Ausrichtung heimatlos geworden seien.

In einem Interview mit Spiegel Online äußerte sich Gerster nun zu den Gründen seines Parteiwechsels. Es sei ein „schleichender Entfremdungsprozess“ gewesen, erklärte Gerster. Schon im Bundestagswahlkampf Gerhard Schröders sei ihm klar geworden: „Die SPD schafft es nicht, eine moderne Partei der Arbeit zu werden.“

Ein Grund für seinen Austritt sei auch die Distanzierung der SPD von der Agenda 2010, die Gerster einst mit umgesetzt hatte. „Ich bin mit FDP-Chef Lindner der Meinung, dass ein moderner Sozialstaat nicht unbedingt mehr Geld aufwenden muss, sondern die richtigen Anreize für die Betroffenen bieten sollte, aus ihrer Lage wieder herauszukommen“, so Gerster.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Heftige Kritik an neuer Parteispitze

Der neuen SPD-Spitze traut Gerster keinen Stimmenzugewinn für die Partei zu. Spätestens mit dem Doppelspitzen-Wahlkampf sei ihm klar gewesen, dass die SPD nicht mehr reformierbar sei. „Ich fürchte, die SPD wird sich nicht einmal mehr in einer komfortablen Zehn-Prozent-Region einrichten können.“ Die SPD sei in Gefahr, zu einer Sekte zu werden.

„Noch stärker dürfte sie eine strukturkonservative Partei werden, die nur noch für bestimmte, aus ihrer Sicht gefährdete Milieus da ist, aber nicht mehr für die Mitte der Gesellschaft, für die Facharbeiter, die Aufstiegswilligen und -fähigen.“

Von 2002 bis 2004 war Gerster Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit. Zuvor war er Landesminister in Rheinland-Pfalz, unter anderem für Soziales.

RND/dpa/fh

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken