„Widerwärtige“ Tat

Feuer in geplanter Flüchtlingsunterkunft in Bautzen: Politiker verurteilen Brandanschlag scharf

Unbekannte verübten am frühen Freitagmorgen einen Brandanschlag auf geplante Asylunterkunft in Bautzen. An der Fassade sind Brandspuren und eingeworfene Fenster zu sehen

Unbekannte verübten am frühen Freitagmorgen einen Brandanschlag auf geplante Asylunterkunft in Bautzen. An der Fassade sind Brandspuren und eingeworfene Fenster zu sehen

Bautzen/Dresden. Unbekannte haben nach offiziellen Angaben einen Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Sachsen verübt. Die Landesregierung verurteilte den Angriff auf ein früheres Hotel in Bautzen auf das Schärfste.

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In dem Hotel war nach ersten Erkenntnissen der Ermittler am frühen Freitagmorgen ein Feuer ausgebrochen, nachdem Täter Fensterscheiben eingeworfen hatten. In das Haus sollten kommende Woche erste Flüchtlinge einziehen. Vier Menschen, die in dem Gebäude übernachteten, blieben unverletzt. Laut Mitteilung der Stadt handelte es sich bei ihnen um Mitarbeiter des Hoteleigentümers.

Geplante Flüchtlingsunterkunft in Bautzen in Brand gesetzt

Unbekannte haben am Freitagmorgen in der geplanten Flüchtlingsunterkunft „Spreehotel“ in Bautzen in der Oberlausitz einen Brandanschlag verübt.

Dem Landeskriminalamt (LKA) zufolge wird wegen schwerer Brandstiftung ermittelt. Das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) habe die Ermittlungen übernommen. Ein LKA-Sprecher sagte: „Ein politischer Hintergrund kann nicht ausgeschlossen werden.“ Vergangene Woche war in Groß Strömkendorf in Mecklenburg-Vorpommern eine Unterkunft für Flüchtlinge aus der Ukraine abgebrannt. Die Ermittler vermuten einen politischen Hintergrund.

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Sachsens Innenminister Armin Schuster verurteilte die Tat in Bautzen. „Aus Hass Häuser anzuzünden, weil man Geflüchtete nicht in seiner Nähe haben möchte, ist zutiefst primitiv und menschenverachtend“, sagte der CDU-Politiker laut Mitteilung. Zwar sei noch nicht bekannt, wer die Brandsätze in das noch unbewohnte Hotel geworfen habe. „Aber wir müssen von einem fremdenfeindlichen Brandanschlag ausgehen.“ Er wollte am Samstagnachmittag zu der Unterkunft fahren.

Michael Kretschmer: Aufklärung hat „höchste Priorität“

Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat den Angriff verurteilt. Das sei „widerwärtig“, schrieb der CDU-Politiker am Freitag bei Twitter. „Das ist eine klare Aggression gegen alle Menschen in Not & das erschütternde Ergebnis von Hetze.“ Die Aufklärung dieser Straftat habe „höchste Priorität“.

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„Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte sind vollkommen inakzeptabel“, schrieb die auch für gesellschaftlichen Zusammenhalt in Sachsen zuständige Sozialministerin Petra Köpping (SPD) bei Twitter. Udo Witschas (CDU), Landrat des Landkreises Bautzen, zeigte sich „absolut entsetzt und wütend“. Es seien leichtsinnig Menschenleben gefährdet worden.

Nach LKA-Angaben wurde das Gebäude weiträumig abgesperrt, Brandursachenermittler und ein Fährtenhund waren im Einsatz. Die Polizei rief mögliche Zeugen auf, sich zu melden.

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Erste Flüchtlinge sollten am 3. November einziehen

Am kommenden Donnerstag sollten die ersten 30 Flüchtlinge in die Unterkunft ziehen. Die Familien kommen laut Landratsamt aus Syrien, Nordmazedonien, der Türkei, Afghanistan, Georgien und der Russischen Föderation. Ob an den ursprünglichen Plänen nun festgehalten werde, sei momentan noch nicht klar.

Am vergangenen Dienstag hatte es dem Landratsamt zufolge eine Bürgerversammlung mit Anwohnern und dem Landkreis in dem „Spreehotel“ gegeben. „Natürlich gab es auch Bedenken und Kritik der Anwohner. Dies ist aber in der Regel bei solchen Terminen üblich.“

AfD hat gegen Flüchtlingsunterkunft demonstriert

Im Zuge der Versammlung sei es auch zu einer von der AfD organisierten Demo in unmittelbarer Nähe gekommen, teilte das Amt mit. Der Kreisvorsitzende der Linken in Bautzen sieht die AfD in der Verantwortung. „Wer Hass verbreitet, macht sich mitschuldig!“, schrieb Silvio Lang auf Twitter. Der AfD-Kreisverband teilte am Freitag mit: „Wir haben unser demokratisches Recht zur freien Meinungsäußerung und der Kritik an der bisherigen Asylpolitik wahrgenommen und lehnen jede Form von Gewalt ab.“

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Das frühere Hotel, außerhalb der Stadt an einem Stausee gelegen, wird einer Sprecherin des Landratsamts zufolge von einem privaten Eigentümer zur Verfügung gestellt und von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) betrieben. Auch 2015 bis 2017 waren dort Asylbewerber untergebracht, maximal waren es etwa 200. Auf das Gebäude hatte es bereits 2016 einen versuchten Brandanschlag gegeben. Drei junge Männer warfen damals Molotow-Cocktails über einen Zaun in Richtung des Hauses.

RND/dpa

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