Kopftuch in der Schule: Lasst die nutzlosen Verbotsdebatten!

Brauchen wir ein Kopftuchverbot in den Schulen?

Brauchen wir ein Kopftuchverbot in den Schulen?

Berlin. Es ist ein bedrückendes Bild, wenn bereits sehr junge Mädchen mit dem Kopftuch zur Schule gehen müssen. Werden die jungen Frauen so in ein bestimmtes Rollenbild gepresst? Besteht nicht die Gefahr, dass der Druck auch für andere junge Musliminnen größer wird, früh ein Kopftuch zu tragen?

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Das alles sind hoch berechtigte Fragen. Und wer sich mit der Realität an den Schulen auskennt, weiß, dass die Antworten oft sehr unbefriedigend ausfallen.

Da scheint es auf den ersten Blick wie ein rettendes Signal, wenn ein Rechtsgutachten jetzt besagt: Ein Kopftuchverbot für unter 14-Jährige in den Schulen wäre machbar. Wie gern möchte man Kinder gelegentlich vor der Religionsfreiheit ihrer Eltern schützen: ein Gedanke, der übrigens nicht nur für Muslime gilt.

Doch eine nähere Betrachtung zeigt, dass die immer neuen Verbotsforderungen ins Leere führen. Wenn man das einmal verstanden hat, möchte man laut ausrufen: Lasst die nutzlosen Debatten endlich sein! Kümmert euch lieber darum, die Wirklichkeit an den Schulen zu verbessern.

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Juristisch höchst wackliges Terrain

Dabei geht es nicht nur darum, dass ein Kopftuchverbot für die Schülerinnen in Wirklichkeit doch höchst wackeliges Terrain ist. Die Juristen sind uneins. Der verfassungsrechtliche Rang der Religionsfreiheit und auch das Erziehungsrecht der Eltern sind nicht bloß Fußnoten in unserem Grundgesetz. Ein Streit, der am Ende vor dem Verfassungsgericht ausgefochten werden müsste, ist sicher kein Garant für einen echten Schulfrieden.

Wer mit Lehrern spricht, hört auch immer wieder die höchst praxisrelevante Frage, wie ein Verbot an den Schulen am Ende eigentlich tatsächlich durchgesetzt werden soll. Würden Schülerinnen, die auf Druck ihrer Eltern das Kopftuch nicht ablegen wollen, am Ende vom Unterricht ausgeschlossen? Stellen wir uns das etwa vor, wenn wir sagen, wir wollen die Integration verbessern? Wenn wir sagen: Junge Frauen, egal welcher Herkunft und Religion, müssen sich genauso frei entfalten können wie junge Männer.

Die bessere Leitidee

Wer wirklich etwas bewegen will, kommt mit Verboten nicht weiter. Die stürzen schon junge Mädchen schlimmstenfalls in einen nicht auflösbaren Loyalitätskonflikt mit ihren Familien. Viel wichtiger wäre, dass die Lehrer mehr Unterstützung bekommen, wenn es darum geht, das offene Gespräch mit den Familien zu suchen. Dafür braucht es Sozialarbeiter, die mindestens zum Teil auch dieselben ethnischen und religiösen Wurzeln haben wie die Zielgruppe.

Sie könnten mit den Familien zum Beispiel darüber reden, dass nach den Regeln des Islam ein Kopftuch in so jungem Alter überhaupt nicht nötig ist. Und auch darüber, wie wichtig es ist, dass ihre Tochter am Schwimmunterricht teilnimmt, notfalls im Burkini.

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Die Leitidee muss sein, den jungen Mädchen tatsächlich die bestmöglichen Bildungschancen zu geben. Es geht um wirkliche Teilhabe – und damit auch um Integration. Wenn wir uns daran halten, kann die Schule im besten Fall selbstbewusste Frauen erziehen.

Sie werden später im Leben ihre eigenen Entscheidungen treffen – auch in Sachen Kopftuch.

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