Lars Klingbeil beim SPD-Parteitag: „Ich will mehr“

Lars Klingbeil bei seiner Bewerbungsrede für den SPD-Parteivorsitz.

Lars Klingbeil bei seiner Bewerbungsrede für den SPD-Parteivorsitz.

Berlin. Was Lars Klingbeil ausmacht, schildert er selbst in seiner Rede auf dem Parteitag und liefert dabei eine Zusammenfassung aus zahlreichen Porträts über ihn. „Ich habe gemerkt, dass meine Art nicht in die Schablonen passt“, sagt er. „Ich bin verbindend. Meiner Überzeugung nach geht es in der Gesellschaft und in der Politik darum, Brücken zu bauen.“

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Die Schilderung ist richtig. Klingbeil ist tatsächlich nahbar, freundlich, springt nicht über jedes Stöckchen, lässt sich selten aus der Reserve locken.

Er kann aber auch anders. Der bisherige SPD-Generalsekretär und nun Parteichef hat im Wahlkampf harte Bandagen übergezogen. In den sozialen Netzwerken kam die Union nicht dagegen an, wenn sich die vom Generalsekretär orchestrierte Graswurzelkämpfer der SPD auf den nächsten echten oder vermeintlichen Fehler von Unionsspitzenkandidat Armin Laschet stürzten.

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Provokation gegen Laschet

Kurz vor dem Wahltermin am 26. September ließ Klingbeil ausgerechnet vor der Staatskanzlei in Düsseldorf ein riesiges Plakat aufstellen mit dem Konterfei von Olaf Scholz. „Kanzler für Deutschland“ stand darauf. Die Aktion musste ja vorher geplant, finanziert und ihre Umsetzung in Gang gesetzt werden. Klingbeil ist eben nicht nur freundlich. Er ist auch ein Stratege mit Härte.

Man merkt das aber nicht so schnell, da er auf jede Art von triumphalen Gesten verzichtet. In seiner gut 20-minütigen Bewerbungsrede beim hybriden Parteitag auf dem Berliner Messegelände formuliert er seinen Stil so: „Gute Führung macht aus, dass man die richtigen Fragen stellt, die richtigen Personen und Ressourcen zusammenholt.“

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Klingbeil und seine Zeit unter Schröder

Das ist ziemlich weit weg von Gerhard Schröders Basta-Mentalität, bei dem Klingbeil einst das politische Handwerk lernte. Von 2001 bis 2003 leitete er dessen Wahlkreisbüro in Niedersachsen.

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Nun will sich der neue Parteichef im Team mit Saskia Esken daran machen, die Erfolgsgeschichte des Wiederaufstiegs der SPD fortzuschreiben. „Der Erfolg kam über das Teamplay“, sagt Klingbeil, der auch die selbstzerstörerische Vergangenheit der Sozialdemokraten hautnah miterlebte. Teamplay geht in der SPD inzwischen so weit, dass Parteichefin Esken ihren neuen Co-Chef als „echten Feministen“ bezeichnet. Das stand bisher noch nicht in den Porträts über Klingbeil.

Lars Klingbeil klatscht auf dem SPD-Parteitag mit Saskia Esken ab. Gemeinsam wollen sie die SPD als Vorsitzende führen.

Lars Klingbeil klatscht auf dem SPD-Parteitag mit Saskia Esken ab. Gemeinsam wollen sie die SPD als Vorsitzende führen.

Wie an einen Albtraum aus längst vergangenen Zeiten erinnert der 43-Jährige daran, dass er sich als Generalsekretär die Frage gefallen lassen musste, warum die SPD überhaupt einen Kanzlerkandidaten aufstellt und dass die TV-Sender schon erwogen haben, nur die Spitzenkandidaten von Union und Grünen im Duell antreten zu lassen. Das alles ist aber erst gut ein Jahr her.

Ansage an Habeck und die Grünen

Jetzt ruft Klingbeil in die wegen der hohen Corona-Inzidenzen nur spärlich besetzte Halle: „Ein Sieg bei der Bundestagswahl reicht mir nicht. Ich will mehr.“ Er sagt den Beginn eines sozialdemokratischen Jahrzehnts vorher und mahnt seine Genossinnen und Genossen die Tugenden dieses Wahlkampfs beizubehalten: „Wir sind stark, wenn wir als Partei sichtbar, klar und unterscheidbar sind.“

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Dann erhebt Klingbeil auch noch den Anspruch, dass die SPD die Wirtschaftspolitik der kommenden Jahre bestimmen soll. Im Klima- und Wirtschaftsministerium von Robert Habeck wird man diese Ansage mit Interesse hören.

Die FDP bleibt verschont

Klingbeil, der über viele Jahre die Digitalpolitik in der SPD organisiert hat, setzt einen Sound, der sich zwischen Transformation und sozialer Sicherheit bewegt. „Es geht darum, dass wir die Menschen nicht vor dem Wandel schützen, sondern dass wir im Wandel an ihrer Seite stehen.“ Man dürfe nicht verächtlich auf die schauen, die heute Dieselmotoren zusammenschrauben, sagt er. Ein sachter Hieb gegen die Grünen.

Die Liberalen bleiben verschont. Bei der Wirtschaftspolitik knöpft sich Klingbeil nur die Union vor. Schildert deren Wirtschaftspolitik als nur auf Profit ausgerichtet und meint, so eine Partei wähle sich Friedrich Merz zum Vorsitzenden.

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