Eindämmung des Affenpockenvirus

Lauterbach: „Das ist keine neue Pandemie“ – Infizierte sollen sich 21 Tage isolieren

20. Mai 2022, Berlin: Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, äußert sich bei einer Pressekonferenz zum Treffen der Gesundheitsminister der G7-Staaten im Roten Rathaus.

20. Mai 2022, Berlin: Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, äußert sich bei einer Pressekonferenz zum Treffen der Gesundheitsminister der G7-Staaten im Roten Rathaus.

Die jüngsten Fälle des Affenpockenvirus sind „nicht der Beginn einer neuen Pandemie“. Das erklärte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bei einer Pressekonferenz am Rande des 126. Deutschen Ärztetages in Bremen. Die Bundesregierung und das Robert Koch-Institut (RKI) gehen von einer Zunahme von Affenpocken-Erkrankungen in Deutschland aus. Um eine Ausbreitung frühzeitig eindämmen zu können, müsse nun „hart und früh“ reagiert werden, so der Gesundheitsminister. Lauterbach mahnte erneut, das Virus ernst zu nehmen.

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Konkret plant die Bundesregierung eine Quarantänepflicht und Isolationsempfehlung für Kontaktpersonen. Infizierte sollen sich künftig für mindestens 21 Tage in Quarantäne begeben. Im Falle länger andauernder Symptome solle die Freiheit von ebendiesen über die Dauer der Quarantäne bestimmen. Für unmittelbare Kontaktpersonen soll eine „strenge“ Isolationsempfehlung für 21 Tage gelten. Lauterbach habe mit den Ländern am Dienstag eine entsprechende RKI-Empfehlung entwickelt.

Lauterbach bereitet Maßnahmen zur Eindämmung von Affenpocken vor

Nach den ersten Fällen von Affenpocken in Deutschland werden nach Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach weitere Eindämmungsmaßnahmen vorbereitet.

Unterdessen meldeten mit Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg zuletzt zwei weitere Bundesländer Nachweise der Infektion. Zuvor waren bereits Fälle in Berlin und Bayern bekannt.

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In Großbritannien und Belgien gelten bereits seit Montag Quarantäneregeln für Infizierte mit dem Affenpockenvirus und Kontaktpersonen. Die britische Gesundheitsbehörde UKHSA setzte als empfohlene Quarantänezeit für enge Kontaktpersonen von Infizierten drei Wochen fest. Belgische Behörden ordnen eine 21‑tägige Isolation für Infizierte an, wie eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Montag bestätigte. Für Kontaktpersonen gilt dies dort nicht, ihnen wird nur zu besonderer Vorsicht geraten.

Behörden prüfen Pockenimpfung für Risikogruppen - Pockenimpfstoff Imvanex bereits bestellt

Fachärztinnen und ‑ärzte gehen bislang nicht von einer weiteren Pandemie aus. Politiker und Experten warnen indes vor „unnötiger Panikmache“ im Umgang mit dem Virus. „Die Gefahrensituation ist gering, weil das Virus nur durch engen Körperkontakt, also über Körperflüssigkeiten oder Krusten, weitergegeben wird und nicht durch Tröpfcheninfektion wie Niesen, Husten oder Sprechen“, sagte Tobias Tenenbaum, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ am Dienstag.

Angesicht der gehäuft auftretenden Fälle von Affenpocken prüfen die deutschen Gesundheitsbehörden, Risikogruppen und Kontaktpersonen mit herkömmlichem Pockenvakzin zu impfen. „Eine Pockenimpfung schützt vermutlich auch vor Affenpocken“, lautet die Einschätzung des Bundesgesundheitsministeriums. Laut einem aktuellen Bericht sind in Deutschland rund 100 Millionen Dosen Pockenimpfstoff eingelagert. Zwei Millionen Dosen davon seien eine Spende an die Weltgesundheitsorganisation WHO und würden für diese Organisation aufbewahrt.

Lauterbach stellte am Dienstag auch das Konzept einer sogenannten Ringimpfung vor. Diese sei jedoch noch nicht beschlossen. Bei einer Ringimpfung würden besonders gefährdete Menschen im Umfeld einer infizierten Person prophylaktisch gegen das Affenpockenvirus geimpft werden. Dem Gesundheitsminister zufolge seien bereits bis zu 40.000 Dosen des Pockenimpfstoffes Imvanex bestellt worden.

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Dieser ist bereits in den USA zugelassen, so Lauterbach. Laut ihm wirke der Imvanex-Impfstoff auch in Deutschland, eine Ansteckung zu verhindern und Ausbruch bei bereits Infizierten zu verzögern. Eine Reserve würde in Kürze geliefert. Noch sei jedoch unklar, wie der Impfstoff eingesetzt wird, so der Bundesgesundheitsminister. Das werde mit dem Robert Koch- und Paul-Ehrlich-Institut sehr intensiv besprochen.

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Seit 2013 ist Imvanex in der EU gegen die Pocken zugelassen. Eine Zulassung zur Vorbeugung von Affenpocken hat das Mittel in der EU nicht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wies kürzlich darauf hin, dass dieser Impfstoff nicht flächendeckend verfügbar sei. Britische Gesundheitsbehörden haben seit dem vermehrten Auftreten von Affenpocken in dem Land bereits mehr als 1.000 Dosen Imvanex an Kontaktpersonen verabreicht.

Zuletzt wurde etwa darüber nachgedacht, „ob wir vielleicht Impfempfehlungen aussprechen müssen für besonders gefährdete Personen“, erläuterte Lauterbach zuletzt. Der Gesundheitsminister warnte am Montag, dass sich nach bisherigen Erkenntnissen in erster Linie Männer infizierten, die sexuelle Kontakte mit Männern gehabt hätten. Es gelte, die Risikogruppen nun ehrlich anzusprechen. Das sei zu ihrem Schutze und dürfe nicht falsch als Stigmatisierung verstanden werden.

RND/dpa/hyd

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