ZDF-Moderatorin im Interview

Marietta Slomka: „Danach geht es trotzdem hart zur Sache“

Marietta Slomka hat mit ihrem Sachbuch „Nachts im Kanzleramt“ einen Bestseller gelandet.

Marietta Slomka hat mit ihrem Sachbuch „Nachts im Kanzleramt“ einen Bestseller gelandet.

Frau Slomka, Ihr neues Sachbuch „Nachts im Kanzleramt“ erklärt die deutsche Innen- und Außenpolitik von der Pike auf. Warum wollten Sie ein Erklärbuch schreiben und nicht etwa eine Streitschrift oder Anekdoten­sammlung über den Hauptstadtbetrieb?

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Wenn ich zum Beispiel mit dem Programm „Journalismus macht Schule“ jungen Menschen Politik und Medien erkläre, beobachte ich da großes Interesse, aber auch viele offene Fragen. Mit dem Buch richte ich mich deshalb gerade an junge Menschen – zumal wir im Moment erleben, dass der freiheitliche Rechtsstaat angegriffen wird.

Ich war erschüttert, als in den USA mit dem Sturm aufs Kapitol eine gefestigte Demokratie von innen und von oben angegriffen wurde. Ich wollte auf lesbare Art erklären, warum Demokratie oft ermüdend und kompliziert ist – aber auch, wie Politik hinter den Kulissen läuft.

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Bevor Sie vor die Kamera gewechselt sind, waren Sie Haupt­stadt­korrespondentin in Berlin. Wie oft waren Sie selbst nachts im Kanzleramt?

Ich habe nachts öfter in Medienrunden gesessen und gewartet, dass Politiker mit Verhandlungs­ergebnissen herauskommen. Zuerst im Bonner Kanzleramt, dann als EU‑Korrespondentin der Deutschen Welle bei den EU‑Gipfeln in Brüssel, später in Berlin. Als ich da gerade neue ZDF-Korrespondentin war, habe ich zum Beispiel mehrere Nächte lang die Gespräche zum Atomausstieg begleitet, wenn auch nicht im Kanzleramt.

Und da merkten Sie: Das unter Journalisten sogenannte Lungern ist alles andere als glamourös.

Ja, zumal ich als TV‑Korrespondentin immer darauf achten musste, ob überraschend jemand aus der Verhandlungsrunde kurz rauskommt und dass mein Kamerateam das nicht verpasst. Das war weder komfortabel, noch entspannend, von einer passablen Verpflegung ganz zu schweigen.

Wobei es den Politikern da nicht besser geht: Im Buch erwähne ich den Bericht über eine Sondierungs­runde in der Baden-Württemberger Landesvertretung, wo nachts niemand mehr in der Küche war – sodass einige FDP-Politiker zur nächsten Tankstelle liefen, um alle mit Schokoriegeln und Chips zu versorgen.

„Enormes Stehvermögen“: Slomka im Interview mit der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel.

„Enormes Stehvermögen“: Slomka im Interview mit der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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Wobei das ja ein Grund für diese Nachtsitzungen ist: Wer schwächelt zuerst?

Ja, man kann sich gegenseitig müde verhandeln – Angela Merkel soll da enormes Stehvermögen gehabt haben. Morgens zwischen 5 und 6 knickt wohl auch der härteste Hund ein. Ein anderer Grund: Man will draußen den eigenen Leuten zeigen, dass man alles herausgeholt hat. Aber gesund ist das nicht, so viel steht fest.

Apropos Verpflegung im Kanzleramt: Gerade ist Medienkreisen aufgefallen, dass Olaf Scholz Journalisten vor einem Interview keinen Kaffee eingeschenkt hat. Merkel hat das ja immer höchst­persönlich gemacht. Will Scholz nicht Schönwetter machen?

Ach, vermutlich hat er gar nicht darüber nachgedacht oder er ist selbst kein großer Kaffeetrinker. Kann zwar sein, dass es bei Frau Merkel Methode hatte, weil so eine freundliche Geste die Stimmung auflockert. Aber das ändert ja nichts an den folgenden Fragen. Wenn wir im „heute journal“ Interviews vorab aufzeichnen, gibt es ja auch immer kleine Vorgespräche – die sind oft freundlich oder sogar lustig. Danach geht es trotzdem hart zur Sache.

Ihre Zeit als Haupt­stadt­journalistin ist eine Weile her. Hat sich mit dem Abstand zur „Haupt­stadt­blase“ Ihre Sicht auf Politik geändert? Ist was dran am Vorwurf der Berliner Käseglocke?

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Das ist mir zu pauschal. Man muss das Subjekt seiner Bericht­erstattung nun einmal aus der Nähe beobachten. Sie können nicht kenntnisreich über die Hintergründe der Politik berichten, wenn Sie nicht mit Politikern sehr nah, oft und direkt reden.

Dann entsteht zwangsläufig eine Nähe. Solange man als Journalist aber kein einseitiger Parteigänger ist, man den inneren Abstand behält und sich nicht durch Freundlichkeiten oder Interna korrumpieren lässt ‑ also über eine gute Quelle unkritischer berichtet – finde ich das unproblematisch.

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