Nach Entlassung durch Selenskyj

Scheidender Botschafter Melnyk übt Selbstkritik – Steinmeier erneut nach Kiew eingeladen

27.04.2022, Berlin: Andrij Melnyk, Botschafter der Ukraine in Deutschland, blickt vor dem Wappen der Ukraine im Botschaftsgebäude am Rande eines Gesprächs mit Journalisten der Deutschen Presse-Agentur in die Kamera des Fotografen.

27.04.2022, Berlin: Andrij Melnyk, Botschafter der Ukraine in Deutschland, blickt vor dem Wappen der Ukraine im Botschaftsgebäude am Rande eines Gesprächs mit Journalisten der Deutschen Presse-Agentur in die Kamera des Fotografen.

Hamburg. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Deutschlands Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier ein zweites Mal eingeladen, in die Ukraine zu reisen. Das sagt der scheidende ukrainische Botschafter Andrij Melnyk in einem Gespräch mit der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Wir warten noch auf seinen Besuch in Kiew. Im letzten Telefonat hat Präsident Selenskyj ihn zum zweiten Mal persönlich eingeladen“, so der ukrainische Botschafter.

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Steinmeier war im April von einer geplanten Reise von Seiten der Ukraine ausgeladen worden. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) verweigerte wegen des Affronts für längere Zeit eine von ihm geforderte Ukraine-Reise. Inzwischen sei der Konflikt beigelegt.

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Mit Blick auf die deutsche Unterstützung für die Ukraine äußerte Melnyk vor seiner Abreise noch einmal Kritik: Den sogenannten Ringtausch zwischen Deutschland, den osteuropäischen Nato-Partnern und der Ukraine bezeichnete er als „Ringtäuschung“ und „Katz-und-Maus-Spiel“. „Wir erwarten endlich direkte Lieferungen von Leopard-Kampfpanzern, Marder-Schützenpanzern, Fuchs-Transportpanzern und vielem mehr“, forderte er weiter. Erst am Montag hatte die Ukraine die ersten Luftabwehrpanzer des Typs Gepard aus Deutschland erhalten.

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Melnyk räumt Fehler bei Bandera-Aussage ein

Melnyk sagt, er selbst werde Deutschland „in zwei, drei Wochen“ verlassen. Melnyk war Anfang Juli von Präsident Selenskyj entlassen worden. Der ukrainische Staatschef bezeichnete die Abberufung von Melnyk damals als normalen Vorgang. Gegenüber der „Zeit“ sagte Melnyk zu dem Grund seiner Entlassung nun: „Es ist zwar eine Routinesache, die aber natürlich auch mit meiner Art von Diplomatie zu tun hat.“

Unmittelbar vor seiner Amtsenthebung war Melnyk wegen umstrittener Äußerungen über den ukrainischen Nationalisten Stepan Bandera in die Kritik geraten. Auch das hätte Einfluss auf Selenskyjs Entscheidung gehabt, den Botschafter zu entlassen, erklärt Melnyk: „Wahrscheinlich gab es da einen Zusammenhang.“

Was an Botschafter Melnyks Aussagen über Stepan Bandera stimmt – und was nicht

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hat Ärger mit der Regierung in Kiew. Das ukrainische Außenministerium hat sich von Äußerungen Melnyks über den früheren Nationalistenführer Stepan Bandera distanziert. Der Botschafter hat aber nicht mit allen Äußerungen unrecht, sagt nun ein Historiker.

Melnyk hatte den Nazi-Kollaborateur öffentlich in Schutz genommen: „Bandera war kein Massenmörder von Juden und Polen“, sagte er in einem Interview. Ihm zufolge wurde die Figur Banderas gezielt von der Sowjetunion dämonisiert. In der Ukraine sei der Nationalist mehrheitlich positiv bewertet. Heute bedauert Melnyk seine Äußerungen und spricht von einem „Fehltritt“. Er habe niemanden verletzen wollen.

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RND/hyd

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