Dutzende Schiffe und Flugzeuge

Nato übt Verteidigung des Ostsee-Raums: Mehr als 7000 Soldaten beteiligt

Ein schwedischer Soldat bei der Nato-Übung in der Ostsee.

Ein schwedischer Soldat bei der Nato-Übung in der Ostsee.

Visby. Gotland gegen eine Invasion ausländischer Truppen verteidigen müssen? Die Vorstellung schien den Schweden vor nicht allzu langer Zeit derart absurd, dass sie ihre größte Ostsee-Insel demilitarisierten. Inzwischen sind aber die Soldaten zurück. Und aktuell üben sie nicht nur, Gotland und seine 58.000 Einwohner zu verteidigen, sondern auch, die Insel und ihre Nachbarinseln von einem ausländischen Angreifer zurückzuerobern.

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Das Szenario gehört zu einer Nato-Übung in der Ostsee, die schon seit Jahrzehnten stattfindet. Doch in diesem Jahr ist die Kulisse für das sogenannte Baltops-Manöver (Baltic Operations) eine ganz andere. Die Übung ist überschattet vom russischen Einmarsch in der Ukraine und von Drohungen gegen den Westen.

Schwedischer Kommandeur: „Wir werden Gotland verteidigen“

14 Nato-Staaten sowie Schweden und Finnland sind nach Angaben des westlichen Militärbündnisses mit mehr als 7000 Soldaten und Soldatinnen, etwa 45 Schiffen und mehr als 75 Flugzeugen an dem Manöver beteiligt. Start war Anfang des Monats, das Ende ist für den 17. Juni angesetzt.

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Auf Gotland übernahmen US-Marineinfanteristen die Rolle der Aggressoren. Sie sprangen über der 160 Kilometer langen Insel ab oder landeten an der Küste an. Die Schweden sahen dem „Feind“ entgegen. „Ich fühle mich wirklich vorbereitet“, erklärte der Kommandeur des schwedischen Regiments auf Gotland, Magnus Frykvall. „Wir haben eine umfangreiche Stationierung auf Gotland vorgenommen, und wir werden Gotland verteidigen“, zeigte er sich überzeugt. „Es ist wirklich schwer, eine Insel einzunehmen, die verteidigt wird.“

Regiment auf der Insel 2005 aufgelöst

Das im südlichen Zentrum der Ostsee gelegene Gotland hat im Laufe seiner Geschichte so manche ausländische Invasion erlebt, war eine Zeit lang auch dänisch. Zuletzt waren es 1808 russische Truppen, die Gotland besetzten. Nach dem Ende des Kalten Krieges stufte Schweden aber das Risiko eines russischen Angriffs dann als so gering ein, dass es seine Streitkräfte umverteilte: weg von der territorialen Verteidigung hin zu Friedensmissionen. Die Truppenstärke wurde reduziert, das Regiment in Gotland 2005 aufgelöst.

Dann kam die russische Annexion der Halbinsel Krim im Jahr 2014 und damit ein Umdenken in Schweden. 2018 wurde ein neues Regiment in Gotland eingesetzt, rund 400 Soldaten und Soldatinnen sind dort stationiert. Und angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine ist eine Aufstockung geplant.

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Dass Schweden alleine die Inseln verteidigen könnte, glauben aber viele der Einwohner nicht. „Wenn wir angegriffen würden, hätten wir keine Chance“, meint der 33-jährige Lars Söderdahl in Visby. Dafür seien einfach nicht genug Truppen dort stationiert. „Wir haben eine wirklich moderne und gute Verteidigung, aber sie ist zu klein.“

Türkei blockiert Nato-Aufnahmeverfahren

Einem möglichen Nato-Beitritt Schwedens sehen auch Einwohner Gotlands daher erwartungsvoll entgegen. Seit den Napoleonischen Kriegen vor 200 Jahren hatte sich Schweden aus Militärbündnissen enthalten, die russische Invasion in der Ukraine hat jedoch die Weichen neu gestellt. Zusammen mit Finnland hat Schweden inzwischen offiziell den Beitritt zum Nordatlantikpakt beantragt. Blockiert wird das Aufnahmeverfahren derzeit noch von der Türkei. Sie wirft den beiden nordischen Ländern eine Unterstützung kurdischer Gruppen vor, die sie als Terrororganisationen einstuft.

Nato-Ostflanke: Deutschland wird militärischen Schutz für Litauen aufstocken

Nach Angaben aus Regierungskreisen soll die Präsenz der Bundeswehrsoldaten in Litauen selbst von derzeit 1000 auf rund 1500 Soldaten aufgestockt werden.

Die 30 Nato-Staaten ringen weiter um eine Lösung. Es sei wichtig, dass die Nato-Verbündeten Schweden und Finnland ihre Solidarität zeigten, betonte auch US-General Mark Milley zum Start des Baltops-Manövers. Vor Ort zeigt sich die strategische Bedeutung Gotlands unter anderem in der Nähe zu den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen, die wegen der russischen Aggression gegen die Ukraine besonders in Sorge sind.

Russland startet Übung der Baltischen Flotte

„Die Sache ist: Von hier aus ist die Versorgung und Unterstützung der baltischen Staaten viel leichter – oder viel schwerer, je nachdem, wer die Kontrolle über die Insel hat“, erklärte dazu Mikael Norrby von der Universität Uppsala. Gotland liegt rund 100 Kilometer vor der schwedischen Festlandküste und rund 160 Kilometer vor Lettland.

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Derweil startete Russland dieser Tage parallel zur Nato-Übung ein eigenes Manöver seiner Baltischen Flotte in der Ostsee. Es sei auf „verschiedene Arten von Sicherheitsaufgaben“ gerichtet, hieß es seitens der Presseabteilung der Flotte. Mehr als 20 Kriegsschiffe und Boote seien beteiligt.

RND/AP

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