Putin gegen die ganze Welt: Wie eine Ukrainerin Russlands Angriff im Ausland erlebt

Junge Menschen verbarrikadieren den Maidan-Platz. Nach acht Tagen Krieg seit Beginn der russischen Angriffe in der Ukraine beläuft sich die Bilanz des Krieges nach jüngsten Angaben der ukrainischen Regierung und des UNHCR auf mindestens 2000 tote Zivilisten und etwa eine Million Flüchtlinge, die aus der Ukraine geflohen sind. Die ukrainische Journalistin Olha Konsevych war durch Zufall nicht in Kiew als die Invasion begann - und erlebt den Krieg nun aus der Ferne.

Junge Menschen verbarrikadieren den Maidan-Platz. Nach acht Tagen Krieg seit Beginn der russischen Angriffe in der Ukraine beläuft sich die Bilanz des Krieges nach jüngsten Angaben der ukrainischen Regierung und des UNHCR auf mindestens 2000 tote Zivilisten und etwa eine Million Flüchtlinge, die aus der Ukraine geflohen sind. Die ukrainische Journalistin Olha Konsevych war durch Zufall nicht in Kiew als die Invasion begann - und erlebt den Krieg nun aus der Ferne.

Ich wachte davon auf, dass jemand in die Küche ging, in der kleinen Wohnung, die meine Familie und ich für eine Woche bei Booking gemietet hatten. Es war 6.14 auf der Uhr, ich war noch sehr müde, wollte schlafen – bis 3 Uhr morgens hatte ich die News verfolgt – am Abend fingen sie an, die ukrainischen Flughäfen zu schließen und Flüge zu verschieben. Es ist mir gelungen, auf Twitter den Weg des amerikanischen Bombers Forte 12 zu posten – er hat Linien an der Grenze zum besetzten Gebiet im Donbass gezogen.

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In der Küche war die Schwester, sie sagte mir mit sehr ruhiger Stimme: „Wenn du noch ein bisschen schlafen willst, schau keine Nachrichten.“ Ich habe nichts gesagt, aber ich habe alles verstanden, habe den Messenger eingeschaltet. Meine Kehle war trocken, wir haben monate­lang über die Pentagon-Daten und Invasionsprognosen gelacht. „Was könnte schlimmer sein als eine Annexion oder ein Krieg im Donbass?“, dachten meine Kollegen und ich. Einer meiner Freundinnen sagte sogar gewöhnlich zu mir: „Ruf mich an, wenn der Krieg beginnt, weck mich auf.“ Und ausgerechnet sie war es, die ich gegen 6.30 Uhr anrief, und dann setzte ich mich an mein Notebook. Von diesem Moment an änderte sich alles.

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Philosophen und Futuristen dachten, dass die Menschheit von einem Maschinenaufstand, einem Cyberkrieg, einer Hightech-Apokalypse oder einer ökologischen Katastrophe bedroht sei. Aber so ist es nicht. Ein banaler Krieg aus der Vergangenheit kommt auf die Welt zu. Mit Panzern, Raketen, Saboteuren im Stil des Zweiten Weltkriegs. Einen Kindergarten bombar­dieren, Söldner in den Krieg schicken, die Unterstützung von Lukaschenko gewinnen – dem letzten europäischen Diktator, dessen Land die Todesstrafe erlaubt – das sind die Taten einer sehr verängstigten Person mit Symptomen von Größenwahn.

Putin ist kein Terrorist von globalem Maßstab. Und dies ist kein Krieg des 21. Jahrhunderts – nur eine barbarische Rebellion gegen den Fortschritt und die Entwicklung, ein Krieg eines kleinen gekränkten Jungen, der in der Welt nicht als gleichberechtigt wahrgenommen wird. Der Krieg eines Parias, der in seinem Palast sitzen und die Welt mit Krieg erpressen muss, um einen Anruf von Biden zu bekommen. Oder über Atomwaffen sprechen muss, damit in den Top­medien noch ein paar Artikel darüber geschrieben werden. Sogar Kim Jong Un hat Putins Wahnsinn in den Hintergrund gerückt.

Warten auf Lebenszeichen

Aber zurück zu den Menschen, deren neue Realität darin bestand, Luftangriffsalarme in Anwendungen und Messengern zu erhalten, jeden Morgen die Freunde zu überprüfen und auf ein kurzes „lebend“ als Antwort zu warten. Der Versuch, die Kinder abzulenken, ihnen zu erzählen, dass Verstecken im Keller oder in der U-Bahn ein neues Spiel ist. Gebären und Hochzeit spielen in Luftschutzbunkern. Essen, Kleidung und Pflege teilen.

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Ich hatte Glück, drei Tage vor dem Krieg fuhr ich mit meiner Familie in den Urlaub nach Litauen. Nach den Einschränkungen durch das Coronavirus wollte ich irgendwohin, und die Tickets nach Vilnius waren billig. Jetzt bin ich in Sicherheit und habe jeden Tag Kontakt zu meinen Kollegen in der Ukraine. Manche sind in Kiew geblieben und wollen nicht weg – sie helfen Freiwilligen und schreiben über den „Alltag“ der Kriegszeit – wo man Brot kaufen kann, welche Apotheken geöffnet haben, wo man Hilfe bekommt. Jemand blieb in Lemberg und beobachtet die neue Situation in der touristischen Hauptstadt der Ukraine und die Flüchtlings­ströme.

Selbst 700 Kilometer von Kiew entfernt wurde dieser Krieg zum Schrecklichsten, worüber man lesen oder im Kino sehen musste. Und es geht nicht nur darum, dass mein Land angegriffen wird. Dies ist der erste Live-Krieg der Welt und ein fast genau vorhergesagter Krieg – die ganze Welt hat die Geheimdienstdaten der Spezialdienste gelesen und die Tatsachen einer Anhäufung von russischer Ausrüstung an der Grenze zur Ukraine gesehen.

„Ich sehe jeden Alarm“

Ich wollte noch nie so sehr nach Hause wie jetzt, wenn ich Aufnahmen aus Kiew sehe. Ich habe die gleiche App auf meinem Handy wie die Menschen in Kiew – und ich sehe jeden Alarm.

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Neulich, während Raketenangriffen, gebaren Bekannte in Kiew ein Mädchen, und ein Name wurde für sie gewählt, noch bevor sie geboren wurde – man nannte sie Victoria!

Und ich glaube, dass die Ukraine gewinnen wird. Ruhm der Ukraine!

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