Neuer „Shecurity“-Index

Studie über Frauen in der Außenpolitik: im Schneckentempo zur Geschlechterparität

Hannah Maria Neumann, Europaabgeordnete der Grünen.

Hannah Maria Neumann, Europaabgeordnete der Grünen.

Brüssel. Frauen stellen zwar etwa die Hälfte der Weltbevölkerung. Doch in der traditionellen Männerdomäne der Außen- und Sicherheitspolitik sind sie immer noch gewaltig unterrepräsentiert. Das geht aus dem sogenannten Shecurity-Index hervor, den die Konfliktforscherin und Europaabgeordnete Hannah Neumann am Donnerstag in Brüssel vorstellte. Das Fehlen von Frauen in diesem Politikfeld könnte sich etwa bei eventuellen Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland als großes Problem erweisen. „Ich bin überzeugt davon, dass die Welt friedlicher wäre, wenn es mehr Frauen auf hohen Posten in der Außen- und Sicherheitspolitik gäbe”, sagte Neumann.

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Gerade der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine habe gezeigt, „dass wir dringend eine andere Außenpolitik brauchen”, sagte die Grünen-Politikerin Neumann. „Wenn die Entscheider alle gleich sind, werden die Ergebnisse immer gleich sein.” Es müssten also neue Strukturen geschaffen werden. „Gesellschaften sind friedlicher, wenn es mehr Geschlechtergleichheit gibt”, so die Konfliktforscherin weiter. Die Bereitschaft, Kompromisse zu schließen, steige, wenn Frauen mit am Verhandlungstisch säßen. Das sei bewiesen und könne verhindern, dass Despoten wie Putin, die sich in toxisch-hypermaskulinen Posen gefielen, ungehindert die Invasion anderer Länder anordnen könnten.

„Im Kreml sitzt eine Gruppe alter Männer“

Während es Frauen in staatlichen Institutionen immer noch schwer hätten, in Führungspositionen zu gelangen, sei die Privatwirtschaft längst weiter. Zwar bedeute die Anwesenheit von Frauen in Führungsstrukturen nicht zwangsläufig, dass es nicht mehr zu militärischen Konflikten kommen werde. „Doch die größten Probleme bereiten uns zurzeit die Männer”, sagte Neumann: „Im Kreml sitzt eine Gruppe alter Männer.”

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Der Shecurity-Index bündelt Daten über den Anteil von Frauen in Außenministerien, im Militär, in der Polizei, in Parlamenten und in der Rüstungsindustrie. Untersucht wurden zum dritten Mal in Folge Daten aus 105 Staaten. Die wichtigste Erkenntnis: Zwar ist der Anteil von Frauen in den von Männern dominierten Politikfeldern und Institutionen in den vergangenen 20 Jahren beständig gestiegen. Doch geschieht das nur langsam und in manchen Ländern gar nicht.

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Nur mit Schneckentempo geht es voran

So sind zwar im vergangenen Jahr erstmals Frauen in Deutschland, Burkina Faso, Elfenbeinküste und der Demokratischen Republik Kongo an die Spitze der Außenministerien gelangt. Doch gibt es immer noch 31 Staaten, in denen es zwischen 2000 bis 2021 keine Frau ins Außenamt schaffte.

Nur mit Schneckentempo geht es zur Geschlechtergleichheit. In Deutschland wird es dem Index nach noch 70 Jahre dauern, bis ebenso viele Frauen wie Männer im Verteidigungsausschuss des Bundestags sitzen – wenn es mit der bisherigen Geschwindigkeit weitergeht. Bei der Polizei in Deutschland könnte das immerhin schon in 37 Jahren der Fall sein.

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69 Jahre dagegen wird es noch dauern, bis in der Bundeswehr die Geschlechterparität erreicht ist. Daran hat auch die Tatsache nichts geändert, dass seit 2013 drei Frauen an der Spitze des Verteidigungsministeriums standen – erst Ursula von der Leyen, dann Annegret Kramp-Karrenbauer und seit Dezember 2021 Christine Lambrecht.

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Geschlechtergleichheit im Militär

Mit einer potenziellen Wartezeit von knapp 70 Jahren bis zur Geschlechtergleichheit im Militär steht Deutschland allerdings vergleichsweise gut da. Besonders langsam geht die Geschlechterparität in Slowenien voran. Dort wird es der Studie zufolge noch 1121 Jahre dauern, bis ebenso viele Frauen wie Männer Uniform tragen. Einen Sprung nach oben haben die belgischen Streitkräfte gemacht. Vor zwei Jahren betrug die Wartezeit noch 1881 Jahre, heute sind es nur noch 431 Jahre. An der Spitze liegt Schweden. Dort könnte die Parität der Geschlechter in der Armee schon in 14 Jahren erreicht sein.

Im Vergleich zu anderen großen Industrienationen sitzen in Deutschland auch vergleichsweise weniger Frauen in den Vorständen von Rüstungskonzernen. Hierzulande sind es gerade einmal 18,2 Prozent. Das ist zwar eine Verdreifachung gegenüber dem Jahr 2019. Doch die USA führen weiter die Liste an. Fast ein Drittel (31,3 Prozent) der Vorstandsposten ist dort von Frauen besetzt.

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