Kaum Rückhalt in der Gesellschaft

Warum Spanien schon zum achten Mal sein Schulsystem reformiert

Eine Einwohnerin aus Katalonien unterrichtet ukrainische Flüchtlinge im spanischen Dorf Guissona in Lleida.

Eine Einwohnerin aus Katalonien unterrichtet ukrainische Flüchtlinge im spanischen Dorf Guissona in Lleida.

Spanische Schüler bleiben häufiger sitzen als die Schüler fast aller anderen OECD-Länder: Bei der letzten PISA-Studie 2018 stellte sich heraus, dass 28,7 Prozent aller 15-Jährigen mindestens einmal in ihrer Schullaufbahn die Klasse hatten wiederholen müssen (zweieinhalbmal mehr als im Durchschnitt). Zum anderen gehört Spanien zu den Ländern mit den meisten Schulversagern, die ihre Schullaufbahn ohne jeden Abschluss beenden: 9,3 Prozent (mehr als doppelt so viele wie im OECD-Schnitt). Dazu kommt das verbreitete Unbehagen über ein System, in dem Auswendiglernen die beinahe einzige Strategie für den Prüfungserfolg ist.

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Die derzeitige Linksregierung will das ändern. Das ist nichts Besonderes. Ihre Schulreform, deren zweiter Teil in diesem Schuljahr umgesetzt werden soll, ist die achte seit Spaniens Rückkehr zur Demokratie vor 44 Jahren. Wie alle Bildungsreformen hat auch diese keinen breiten Rückhalt in der Gesellschaft, weswegen jetzt bereits absehbar ist, dass eine kommende rechte Regierung zur nächsten Reform mit ebenso beschränktem Rückhalt schreiten wird.

Genderperspektive in jedem Fach

Die achte Reform macht sich zu Beginn dieses Schuljahrs daran bemerkbar, dass Schulbücher fehlen, weil die neuen Lehrpläne nicht rechtzeitig fertig waren. Zum Teil ist das Folge einer Boykottstrategie der Regionen (den deutschen Bundesländern vergleichbar), die für die Schulpolitik verantwortlich sind, sich zu ihrem Ärger aber an die nationale Rahmengesetzgebung halten müssen.

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Wenn es nach den Reformern geht, wird die große Neuigkeit dieses Schuljahrs ein neuer Unterrichtsfokus sein: Fähigkeitsaneignung vor Kenntnisvermittlung. Was bei den Reformgegnern die größten Irritationen hervorruft, ist das Beiwerk. Selbst im Mathematikunterricht sollen jetzt „grundlegende Fähigkeiten und Einstellungen zum Verständnis von Emotionen“ vermittelt werden, und kein Unterrichtsfach wird ohne „Genderperspektive“ auskommen. Der Kulturkampf ist offenbar gerade aus der Schule nicht herauszuhalten. Eben deshalb reiht sich eine Bildungsreform an die andere. Dieses Jahr immerhin ohne Corona-Restriktionen.

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