Kriegsschiffe kommen bedrohlich nahe

Taiwans Regierung: militärische Bedrohung durch China „sehr ernst“

 August 30, 2022, Taipri, Taipei, Taiwan: Military honour guards hold a morning Taiwan flag raising ceremony, at Liberty Square in Taipei, Taiwan, amid intensifying threats from China. The self governing island has seen significantly increased Chinese PLA activities near its waters, while fostering its ties with the US, UK, Canada, Australia, Japan and places in Europe such as Ukraine, Lithuania and Slovakia. Taipri Taiwan - ZUMAs313 20220830_zip_s313_002 Copyright: xDanielxCengxShou-Yix

August 30, 2022, Taipri, Taipei, Taiwan: Military honour guards hold a morning Taiwan flag raising ceremony, at Liberty Square in Taipei, Taiwan, amid intensifying threats from China. The self governing island has seen significantly increased Chinese PLA activities near its waters, while fostering its ties with the US, UK, Canada, Australia, Japan and places in Europe such as Ukraine, Lithuania and Slovakia. Taipri Taiwan - ZUMAs313 20220830_zip_s313_002 Copyright: xDanielxCengxShou-Yix

Taipeh. Taiwans Regierung hat vor einer zunehmenden Bedrohung durch China und den verheerenden Folgen eines möglichen Krieges für die Weltwirtschaft gewarnt. „Die Bedrohung durch China ist tatsächlich sehr ernst“, sagte Außen­minister Joseph Wu bei einem Treffen mit europäischen Journalistinnen und Journalisten in Taipeh. Ein chinesischer Angriff auf den Hightech­standort Taiwan hätte Konsequenzen weit darüber hinaus, betonte er. Rund 90 Prozent aller modernen Halbleiter­chips kämen aus Taiwan. 40 Prozent der weltweiten Schiffs­routen verliefen durch die Region.

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Im Falle eines Krieges sei es Aufgabe der taiwanischen Bevölkerung, die demokratische Insel­­republik gegen China zu verteidigen, sagte Wu. „Um uns verteidigen zu können, brauchen wir internationale Unterstützung.“ Zur Vorbereitung auf einen möglichen Angriff durch das viel größere Nachbarland gehöre auch, „den Erwerb von Waffen aus den Vereinigten Staaten zu beschleunigen“.

USA mit Abstand größter Waffenlieferant Taiwans

Die USA sind der mit weitem Abstand wichtigste Waffen­lieferant Taiwans. Der Minister machte deutlich, dass Taiwan einen Ausbau der Verteidigungs­zusammenarbeit auch mit europäischen Staaten begrüßen würde. „Wenn es in Zukunft einige Länder in Europa gibt, die bereit sind, mit Taiwan darüber zu reden, welche Art von Waffen­systemen wir brauchen, wäre das großartig.“

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China betrachtet Taiwan als Teil der Volksrepublik. Staats- und Parteichef Xi Jinping hatte auf dem Parteitag der Kommunistischen Partei im vergangenen Monat erneut mit einer Eroberung der demokratischen Insel­republik gedroht. Taiwan mit seinen 23 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern hat sich nie offiziell als unabhängig erklärt, versteht sich aber als eigenständiger Staat.

Taiwans Außenminister Joseph Wu.

Taiwans Außenminister Joseph Wu.

Wu sagte, im Jahr 2020 seien chinesische Militär­flugzeuge 380-mal in Taiwans Luftraum­überwachungszone eingedrungen, 2021 habe es 972 solche Fälle gegeben. In diesem Jahr liege die Zahl bereits bei mehr als 2700. Auch chinesische Kriegsschiffe kämen Taiwan immer häufiger bedrohlich nahe. Nach dem Besuch der Vorsitzenden des US-Repräsentanten­hauses, Nancy Pelosi, im August habe China elf Raketen in Richtung Taiwan abgefeuert. Taiwan sei außerdem Cyberangriffen und Desinformations­kampagnen aus China ausgesetzt.

China scheint „sein zukünftiges militärisches Vorgehen gegen Taiwan zu proben“

„Wenn man das alles zusammen­nimmt, scheint China also sein zukünftiges militärisches Vorgehen gegen Taiwan zu proben“, sagte der Minister. „Unter diesen Umständen muss sich Taiwan gut vorbereiten. Das ist etwas, was wir von der Ukraine gelernt haben.“ Wu zeigte sich beeindruckt vom Mut und der Effektivität der Ukrainer, die seit dem Überfall Russlands Widerstand gegen eine der größten Armeen der Welt leisteten. „Ich denke, der Schlüssel dazu ist asymmetrische Kriegsführung. Wir lernen also von der Ukraine und führen entsprechende Militär­reformen aus.“

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Wu sagte, Taiwan sei das „Ziel Nummer eins“ für Chinas Desinformations­kampagnen. Es scheine, als würden Russland und China sich bei diesen Kampagnen koordinieren und voneinander lernen. China habe die falsche russische Darstellung weiter­verbreitet und verstärkt, dass die USA und die Nato den Ukraine-Krieg provoziert hätten. „Sie wollen, dass die Menschen in Taiwan den USA misstrauen und China als Freund betrachten.“

Als eine weitere Lehre aus dem Ukraine-Krieg habe die Regierung in Taipeh gezogen, dass internationale Unterstützung entscheidend sei. Diese Unterstützung könne bereits vor einem Angriff in unterschiedlicher Form geschehen, sagte Wu. Andere demokratische Staaten könnten sich beispielsweise dafür einsetzen, dass Taiwan in internationalen Organisationen wie der Weltgesundheits­organisation WHO mitarbeiten dürfe – China versucht, das zu verhindern. Der Minister begrüßte, dass immer mehr europäische Staaten die Bedeutung von Frieden und Stabilität in der Region betonten und in dem Zusammenhang indirekt China als Bedrohung identifizierten.

Wu unterstrich die Solidarität Taiwans mit der Ukraine. „Wir haben die Kriegsgräuel und Zerstörungen gesehen und die Menschen haben das Gefühl, dass dies auch Taiwan passieren könnte“, sagte er. Seit Beginn des russischen Einmarschs im Februar hätten zahlreiche Taiwanerinnen und Taiwaner für die Ukraine gespendet. Im kommenden Jahr habe die Regierung 56 Millionen Dollar (53 Millionen Euro) eingeplant, um den Wiederaufbau in der Ukraine zu unterstützen.

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