Zahlungssystem „Mir“ eingeführt

Die Türkei will mehr russische Touristen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und der Türkei wird zunehmend intensiver. Nachdem sich die beiden Präsidenten, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan, Ende vergangener Woche im russischen Sotschi getroffen hatten, haben nun fünf türkische Banken damit begonnen, das russische Zahlungssystem „Mir“ einzuführen, wie die Finanznachrichtenagentur „Bloomberg“ meldet.

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So soll russischen Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht werden, etwa Überweisungen zu tätigen, mit Kreditkarte zu bezahlen und Geldautomaten in der Türkei zu nutzen. Dies gestaltet sich nämlich sonst relativ schwierig, weil russische Banken wegen der westlichen Sanktionen vom internationalen Zahlungssystem Swift weitgehend ausgeschlossen wurden.

Touristen aus Russland fehlen

Durch die Nutzung des russischen Zahlungssystems – das auf deutsch übersetzt „Welt“ und „Frieden“ bedeutet – könnte die Türkei unter anderem den für sie wichtigen Tourismus stützen wollen. Denn diese Branche hatte in den vergangenen zwei Jahren aufgrund der Corona-Pandemie stark gelitten, da viele Besucher ausblieben. Die meisten ausländischen Touristen kamen bislang aus Russland, 2021 waren es rund 4,7 Millionen Russen, die in die Türkei reisten. Mit etwa drei Millionen Touristen folgte Deutschland vor der Ukraine mit rund zwei Millionen Besuchern.

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Doch durch den Angriff auf die Ukraine sind weniger Touristen aus Russland in die Türkei gekommen als prognostiziert. Ursprünglich waren etwa sieben Millionen russische Besucher erwartet worden, nun sind nur drei Millionen gezählt worden, erklärte der stellvertretende Vorsitzende des türkischen Hotelierverbandes (Türofed), Mehmet Isler, im Mai dieses Jahres.

Erdogan braucht Erfolge

Die Türkei leidet unter einer starken Inflation, die Wirtschaftskrise in dem Land ist enorm. Für Präsident Erdogan sind das, neun Monate vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen, keine guten innenpolitischen Nachrichten. Denn der 68-Jährige kämpft um seine Wiederwahl und sein politisches Überleben. Wirtschaftliche Erfolgsnachrichten, wie ein sich erholender Tourismus, benötigt Erdogan dringend. Sein Ansehen in der Bevölkerung ist, wegen anhaltender Währungskrise und Arbeitslosigkeit, nicht mehr das Beste.

In diesem Zusammenhang scheint auch die Ankündigung aus Ankara nachvollziehbar, die Türkei werde einen Teil der Energielieferungen aus Russland künftig in Rubel zahlen. Denn neben den russischen Touristen ist das Land auch auf Importe von Getreide und Energie angewiesen. Im Jahr 2021 kaufte die Türkei etwa ein Viertel des benötigten Rohöls und rund 45 Prozent des Erdgases aus Russland.

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RND/sz

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