Kommentar

Überlastete Kinderkliniken: ein absehbares Desaster

Kinderkliniken am Limit: Eine Intensivpflegerin hält auf der Kinderintensivstation in einer Klinik den Fuß eines jungen Patienten, der beatmet wird, in der Hand.

Kinderkliniken am Limit: Eine Intensivpflegerin hält auf der Kinderintensivstation in einer Klinik den Fuß eines jungen Patienten, der beatmet wird, in der Hand.

Für einen Politiker, der immer wieder betont, die Gesundheitspolitik in den vergangenen 20 Jahren maßgeblich mitbestimmt zu haben, ist es ein bemerkenswertes Eingeständnis: Man habe die Ökonomie in einigen Bereichen des Gesundheitswesens zu weit getrieben, räumte Karl Lauterbach kürzlich ein.

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Die Klinikbehandlung von Kindern gehört zweifelsfrei zu den Bereichen, in denen eine übertriebene Kostenoptimierung zu dramatischen Engpässen bei der medizinischen Versorgung geführt hat. Dass für die Schwächsten der Gesellschaft nicht ausreichend Intensivbetten zur Verfügung stehen und es selbst auf den Normalstationen Engpässe gibt, ist eines reichen Landes unwürdig, das sich zudem rühmt, eines der besten Gesundheitssysteme der Welt zu haben.

Abbau von Kinderkliniken gefördert

Natürlich ist es notwendig, das Geld der Beitragszahlenden effizient einzusetzen. Deshalb war es richtig, die nach der Aufenthaltsdauer bemessene Honorierung der Kliniken auf Fallpauschalen umzustellen. Doch Experten wie Lauterbach hätte auffallen müssen, dass dieses System in der Kindermedizin versagt, schließlich werden hier überwiegend Unfälle oder kurzfristige Erkrankungen behandelt. Das verursacht – anders als bei den Erwachsenen mit vielen geplanten Eingriffen – Kosten für das Vorhalten von Kapazitäten, die aber nicht bezahlt werden. Kein Wunder, dass es immer weniger Kinderkliniken gibt und das Personal wegen Arbeitsüberlastung flüchtet.

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Es bleibt die Hoffnung, dass die zusätzlichen 600 Millionen Euro, die der Bundestag am Freitag für die Kinderstationen beschließen will, diese Abwärtsspirale stoppen können, bis die von Lauterbach geplante Klinikreform greift. Kurzfristig werden aber nur Notmaßnahmen helfen, wie die Verlegung der kleinen Patientinnen und Patienten oder die Unterstützung des Personals mit Fachkräften aus anderen Abteilungen. Mit einer vorausschauenden Politik wäre das vermeidbar gewesen.

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