Selenskyj spricht von „Energieterrorismus“

Neue Angriffe auf Kiew: 450.000 Haushalte in der Hauptstadt ohne Strom

Flammen und Rauch steigen aus den Trümmern eines Hauses nach russischem Beschuss außerhalb der ukrainischen Hauptstadt Kiew auf.

Flammen und Rauch steigen aus den Trümmern eines Hauses nach russischem Beschuss außerhalb der ukrainischen Hauptstadt Kiew auf.

Nach russischen Angriffen auf die Energieversorgung in der Ukraine hatten am Freitag nach Angaben von Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko allein in der Hauptstadt 450.000 Haushalte keinen Strom. „Ich rufe alle Bewohner der Hauptstadt auf: Spart so viel Strom wie möglich, denn die Lage ist weiterhin schwierig“, schrieb Klitschko auf Telegram. Der staatliche Netzbetreiber Ukrenerho teilte mit, dass es in Kiew zu weiteren Not­abschaltungen der Stromversorgung kommen werde.

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Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Russland in seiner abendlichen Ansprache wegen der Angriffe auf die Stromversorgung „Energieterrorismus“ vorgeworfen. Im ganzen Land hätten etwa 4,5 Millionen Menschen keinen Strom. Dass Moskau auf solche Mittel zurückgreifen müsse, sei ein Zeichen von Schwäche, sagte Selenskyj. „Sie können die Ukraine nicht auf dem Schlachtfeld schlagen, deshalb versuchen sie, unsere Leute auf diesem Weg zu brechen.“

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Bei Angriffen in der Ukraine seien in den vergangenen 24 Stunden mindestens neun Zivilisten getötet worden, teilte Selenskyjs Büro am Freitag mit. 16 weitere seien verletzt worden. Der ukrainische Militär­kommandeur Walerij Saluschnyj sagte, Russland habe in manchen Gegenden die Angriffe verdreifacht. Die Russen führten täglich „bis zu 80 Angriffe“ aus, sagte er.

In der ostukrainischen Provinz Donezk wurde die Stadt Pokrowsk nach ukrainischen Angaben besonders hart getroffen. Bei Raketenangriffen seien mindestens eine Zivilperson getötet und sechs weitere verletzt worden. Es seien eine Schule und mindestens 22 Wohngebäude beschädigt worden. Unter Beschuss genommen worden seien zwölf Städte und Dörfer, teilte der Gouverneur Pawlo Kyrylenko mit.

Russland und Ukraine tauschen Hunderte Gefangene aus

Das vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlichte Filmmaterial zeigt eine Gruppe von Männern, die mit Bussen an einem nicht genannten Ort ankamen.

Nach Angaben zweier anderer Gouverneure wehrte die Ukraine mehrere russische Drohnen ab. Acht Drohnen seien in der Gegend von Nikopol abgeschossen worden, teilte der Gouverneur der Provinz Dnipropetrowsk, Walentyn Resnitschenko, mit. Eine weitere Drohne sei über der west­ukrainischen Region Lwiw gestoppt worden, erklärte der dortige Gouverneur Maksym Kosyzkyj.

Neben Drohnen habe das russische Militär auch Artillerie eingesetzt, um Städte in der Nähe des Atomkraftwerks Saporischschja anzugreifen, sagte Resnitschenko. In der Stadt Tscherwonohryhoriwka seien Häuser, Autos und eine Gaspipeline beschädigt worden. Die Stadt habe keinen Strom.

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Das russische Militär teilte mit, es habe eine Fabrik für die Herstellung von Raketenantrieben in der Stadt Pawlohrad in der Region Dnipropetrowsk getroffen. Es habe auch eine Fabrik für Raketen in der nordostukrainischen Stadt Charkiw beschossen. Die Ukraine bestätigte die angeblichen Angriffe zunächst nicht.

Das ukrainische Militär nahm nach eigenen Angaben in der von Russland besetzten Region Cherson russische Stützpunkte und Logistik­einrichtungen unter Beschuss. Dabei seien zwei Lagerstätten für Munition zerstört worden.

Russland hatte Cherson und die ukrainischen Regionen Donezk, Luhansk und Saporischschja im September illegalerweise annektiert. Das Land verhängte dort das Kriegsrecht.

Kyiv, Ukraine - 01.11.2022: Portrait of Melnyk, former ambassador to Germany, in the Park Holosijiw in Kyiv.

„Pistolenlauf in den Mund gesteckt und abgedrückt“

Seit dem Einmarsch in die Ukraine sehen sich russische Truppen dem Vorwurf ausgesetzt, Kriegsverbrechen zu begehen. Es gibt zahlreiche Berichte über willkürliche Festnahmen und Folter durch die Besatzer. Drei Betroffene erzählen von ihren Erfahrungen – von so brutalen Schlägen, dass Knochen brechen, von Drohungen und von Demütigungen.

Der russische Präsident Wladimir Putin sagte am Freitag, dass es noch immer genug Freiwillige gebe, die sich dem Militär anschließen wollten. Es seien bereits 318.000 Menschen mobilisiert worden. Die russischen Behörden hatten zuvor das Ziel vorgegeben, rund 300.000 Reservisten einzuziehen. Putin unterzeichnete ein Gesetz, das es erlaubt, Personen zum Wehrdienst einzuziehen, die schwerer Verbrechen beschuldigt sind, darunter Mord, Raubüberfall und Drogenhandel.

Nach der Bekanntgabe im September, dass Russen zum Militär eingezogen werden sollten, waren in mehreren Regionen Proteste ausgebrochen. Zehntausende Menschen flohen aus Russland.

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RND/AP

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