Kein Ende des Terrors in Sicht

Putins perfide Feuerpause: Warum Militärexperten jetzt mit einer neuen Angriffswelle auf Kiew rechnen

Feuerwehrleute des staatlichen ukrainischen Katastrophenschutzes löschen ein Feuer am Ort eines Beschusses. Die Behörden meldeten Stromausfälle in mehreren ukrainischen Städten, darunter in Teilen von Kiew, und im benachbarten Moldawien, nachdem erneut ukrainische Infrastruktureinrichtungen getroffen worden waren.

Feuerwehrleute des staatlichen ukrainischen Katastrophenschutzes löschen ein Feuer am Ort eines Beschusses. Die Behörden meldeten Stromausfälle in mehreren ukrainischen Städten, darunter in Teilen von Kiew, und im benachbarten Moldawien, nachdem erneut ukrainische Infrastruktureinrichtungen getroffen worden waren.

Kiew/Hannover. Nach einer Woche ohne russische Raketenangriffe auf Kiew wächst mit jedem Tag die Sorge vor einer neuen großen Angriffswelle. In der ukrainischen Hauptstadt gab es auch am Dienstag wieder Luftalarm, nachdem russische Bomber aufgestiegen waren und Kurs auf die Ukraine genommen hatten. Doch es blieb beim Säbelrasseln, die Welle von Raketenangriffen blieb aus. „Die Russen warten immer nur, bis die Ukraine die Infrastruktur notdürftig instandgesetzt hat, um dann die nächste Angriffswelle zu starten“, sagt Markus Reisner, Kommandant der Garde des Österreichischen Bundesheers. „Daher rechne ich auch jetzt damit, dass es in den nächsten Tagen neue Drohnen- und Raketenangriffe gegen die kritische Infrastruktur gibt“, sagt er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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In Kiew herrschen seit Tagen Minustemperaturen, Eis und Schnee liegen auf den Straßen. Noch immer sind nicht alle Haushalte wieder ans Stromnetz angeschlossen. Laut dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz in Kiew (ICRC) kommt es immer wieder zu stundenlangen Stromausfällen. „Besonders die Stadtbewohner sind davon betroffen, da die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in dieser Zeit nicht funktionieren“, sagt Oleksandr Vlasenko vom ICRC in Kiew. „Viele haben auch Elektroherde und können kein Essen kochen.“

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Nach Angaben von Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko sind mehr als 430 Heizstellen in der Stadt eingerichtet. Dort können die Menschen sich aufwärmen, wenn ihre Heizung nicht funktioniert. Immer wieder wurden die Zentralheizungen in der Hauptstadt und in anderen Großstädten des Landes durch den russischen Beschuss stark beschädigt. Das Rote Kreuz konnte inzwischen die Haushalte von mehr als 1,3 Millionen Menschen wieder an das System der Zentralheizung anschließen, sagt Vlasenko – nicht nur in Kiew, sondern auch in Charkiw, Mykolajiw und Tschernihiw.

Dieses neue Problem zeichnet sich ab

Das Rote Kreuz hat bereits mehr als 3500 Haushalten Werkzeug und Baumaterial zur Verfügung gestellt, damit die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Häuser schnell reparieren können. Die Hilfen konzentrieren sich laut Vlasenko auf den Wiederaufbau fernab der Front. Daher sei es auch nicht demotivierend zu wissen, dass man immer mit neuen Raketenangriffen und neuer Zerstörung rechnen muss. „Im Gegenteil: Es motiviert uns sehr, dass wir den Menschen helfen können, ihre Widerstandsfähigkeit unter so schwierigen Bedingungen zu stärken.“

Satellitenbilder aus dieser Woche zeigen, dass Russland rund zwei Dutzend Langstreckenbomber auf dem Militärflughafen Engels-2 für den nächsten Angriff vorbereitet. Munitionskisten und Tankwagen sind auf den Fotos zu erkennen, Frachtflugzeuge stehen nahe der Bomber und haben offenbar erst vor kurzem neue Munition zum Militärstützpunkt gebracht.

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Schon bald, schätzt Militärexperte Christian Mölling von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), wird Russland mit neuen Raketenangriffen auf die zivile Infrastruktur in ukrainischen Großstädten beginnen. „Entscheidend wird sein, wann die Russen neue Waffen und Munition erhalten und ob sie die Nachschublinie aus dem Iran fortführen können“, sagt er dem RND. „Es gibt Pläne, Waffen über das Kaspisches Meer aus dem Iran nach Russland zu bringen.“ Das dauere zwar länger, aber der Iran könne so schwereres Material in großer Stückzahl an Russland liefern.

Während die Ukraine ihre Strom- und Wasserleitungen flickt und Kraftwerke repariert, zeichnet sich ein neues Problem ab. Für die ukrainischen Streitkräfte wird es zu einer immer größeren Herausforderung, sich gegen Russlands brutale Luftangriffe zur Wehr zu setzen. „Die Munitionslage der Ukraine wird mit jedem Tag schwieriger“, sagt Experte Reisner. Besonders groß sei der Mangel an Artilleriemunition und Munition für die Fliegerabwehrsysteme. Die ukrainischen Lager seien beinahe komplett leer und der Westen habe bereits große Teile seiner Munition mit dem benötigten Kaliber geliefert. „Viel mehr Munition hat der Westen nicht.“

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