Kartons mit Blanko-Dokumenten zurückgelassen

Ukrainischer Geheimdienst: Russland wollte in der Region Kiew alte Sowjet-Pässe verteilen

Russland hat in besetzten Gebieten der Ukraine begonnen, russische Pässe auszuhändigen.

Russland hat in besetzten Gebieten der Ukraine begonnen, russische Pässe auszuhändigen.

Kiew. Mehr als drei Monate ist es her, dass russische Truppen in die Ukraine eingefallen sind. Während sich Moskaus Fokus aktuell auf die Eroberung des Ostens des Nachbarlandes konzentriert, versuchten die Besatzer speziell in den ersten Kriegswochen die schnelle Einnahme des gesamten Landes – allem voran der ukrainischen Hauptstadt Kiew.

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Dass sie dabei auf den erbitterten Widerstand der einheimischen Streitkräfte stoßen würden, der sie am Ende zum Rückzug zwang, damit hatten die russischen Truppen offenbar nicht gerechnet. Im Gegenteil, wie nun der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU berichtet. Demnach hätten sich die Besatzer bereits auf das Verteilen von eigenen Ausweisdokumenten vorbereitet – mit Pässen aus der ehemaligen Sowjetunion (UdSSR).

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Wie der SBU am Wochenende auf seinem Telegram-Kanal schrieb, sei es Russlands Ziel gewesen, in der Region Kiew eine Besatzungsverwaltung einzurichten und ein Pseudo-Referendum zur Ausrufung einer lokalen Republik zu organisieren. „Sie wollten alle Einwohner registrieren und sowjetische Pässe im Austausch gegen ukrainische Dokumente zwangsweise aushändigen“, heißt es. Demnach seien die alten Pässe voraussichtlich als Übergangslösung bis zur Ausstellung der offiziellen Dokumente der Russischen Föderation geplant gewesen.

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Als Beleg für die Infos teilte der Inlandsgeheimdienst Aufnahmen von mehreren Dutzend Pässen aus Zeiten der Sowjetunion, die in einem Karton in einem verlassenen Haus in der Nähe der Stadt Makariv im Bezirk Butscha gefunden worden sein sollen. Die Dokumente seien identisch mit dem ukrainischen Modell aus der ehemaligen UdSSR, die laut SBU seit 1990 nicht mehr in der Ukraine produziert wurden.

Einen alten Dachbodenfund schloss der Geheimdienst aus. Vielmehr seien „alle gefundenen Formulare zu Beginn der groß angelegten Aggression gegen unseren Staat aus Russland importiert“ worden. Diese Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen.

Russland händigt Pässe in Saporischschja und Cherson aus

Das Vorgehen würde zu den aktuellen Entwicklungen in den von Russland besetzten Gebieten passen. Laut der russischen Staatsagentur Ria Nowosti hat etwa die kremltreue Verwaltung in Melitopol (Region Saporischschja) am Samstag damit begonnen, russische Pässe an jene zu übergeben, die einen Antrag auf die Staatsbürgerschaft gestellt hatten. Die Empfänger würden danach als vollwertige Bürger Russlands betrachtet, sagte ein Mitglied der Besatzungsbehörden, Wladimir Rogow, dem Fernsehsender Rossija-24. Ihm zufolge haben in der Region mehr als 70.000 Menschen Anträge gestellt.

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Auch in der Südukraine haben die russischen Streitkräfte am Samstag mit der Ausgabe russischer Pässe an Anwohner begonnen. In der Region Cherson akzeptierten einem Bericht von Ria Nowosti zufolge 23 Anwohner russische Pässe, unter ihnen auch der neue, von Moskau installierte Gouverneur Wolodymyr Saldo.

Der neue Masterstudiengang der Universität Greifswald bereitet auf Berufsziele im deutsch-russischen Kontext vor.

Mangel an Expertise – „Gesellschaft interessiert sich kaum für Russland und Osteuropa“

Fachwissen zu Russland und der Ukraine ist seit Kriegsbeginn enorm gefragt. Aber Expertinnen und Experten sehen ein gefährliches Wissensdefizit – in der Bevölkerung, an den Universitäten und in der Folge auch in der Politik.

Die russische Nachrichtenagentur Tass berichtet zudem, dass in den ostukrainischen Separatistengebieten in den vergangenen drei Jahren bereits mehr als 800.000 Menschen die russische Staatsbürgerschaft erhalten haben. Nur knapp ein Prozent der Anträge von Bewohnern der selbst ernannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk sei abgelehnt worden, meldete Tass am Samstag unter Berufung auf das Innenministerium in Moskau. Kremlchef Wladimir Putin hatte im April 2019 ein Dekret erlassen, dem zufolge Ukrainer im Donbass leichter russische Staatsbürger werden können.

RND/jst mit Agenturmaterial

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