Lemke spricht von „gravierender Umweltkatastrophe“

Ursache für Fischsterben in der Oder gefunden – doch Differenzen zwischen Polen und Deutschland halten an

Seit Anfang August waren aus dem deutsch-polnischen Grenzfluss Oder tonnenweise tote Fische und tote Muscheln geborgen worden.

Seit Anfang August waren aus dem deutsch-polnischen Grenzfluss Oder tonnenweise tote Fische und tote Muscheln geborgen worden.

Berlin. Deutschland und Polen haben die wahrscheinliche Ursache für das Fischsterben in der Oder gefunden. So soll die massive Ausbreitung einer giftigen Alge ein Grund für das Verenden der Tiere sein. Das geht aus einem Bericht einer nationalen Expertengruppe unter Leitung des Umweltbundesamtes hervor, den das Bundes­umwelt­ministerium am Freitag veröffentlicht hat. Die polnische Expertengruppe hatte am Vortag ihre Erkennt­nisse vorgestellt und darin ebenfalls die Ausbreitung der Alge als wahrscheinlichste Ursache ausgemacht.

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Eingeleitetes Salz führte zu Vermehrung von Alge

Das deutsche Umweltministerium betonte am Freitag, dass eingeleitetes Salz zur Massenvermehrung der Brackwasseralge Prymnesium parvum geführt habe. Diese habe wiederum eine giftige Substanz erzeugt, die zum massiven Tod der Fische sowie anderer Organismen wie Schnecken und Muscheln geführt habe. Die Analyse von mehr als 1200 bekannten Stoffen und Elementen habe ergeben, dass die nachgewiesenen Stoffe „typischerweise aus Einleitungen von industriellen oder kommunalen Kläranlagen“ stammten. Die Verursacher der Salzeinleitungen konnten allerdings nicht ausgemacht werden. Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) sprach von einer „gravierenden Umweltkatastrophe“.

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Die Analysen deuten demnach auf „multikausale Wirkmechanismen“ hin, die zum massiven Verenden der Tiere geführt hätten. Hohe Temperaturen und wenig Regen hätten die Lage verschärft, weil die Konzentration der Schadstoffe dadurch gestiegen sei. Die Experten stellten zudem Herbizide fest, bei denen es sich „mit hoher Wahrscheinlichkeit um industrielle Einleitungen“ handele. Die akuten Vergiftungen seien aber daraus nicht ableitbar, hieß es.

Konflikt zwischen Polen und Deutschland

Das Fischsterben war am 9. August auf der deutschen Seite des Grenzflusses entdeckt worden. Polnische Behörden hatten nach eigenen Angaben schon Ende Juli erste Hinweise darauf. Deutschland warf Polen allerdings vor, die Ereignisse nicht frühzeitig gemeldet zu haben. Ein erster Hinweis auf einen Konflikt zwischen den Ländern in der Sache, der weiterhin anhält.

Umweltministerin Lemke fordert Stopp des Oder-Ausbaus

Die Bundesumweltministerin sprach auf einer Pressekonferenz zusammen mit ihrer polnischen Amtskollegin Anna Moskwa.

Eigentlich war geplant, dass eine deutsch-polnische Gruppe am Freitag einen gemeinsamen Bericht vorlegt. Daraus wurde jedoch nichts. Dem Vernehmen nach gab es auf der Arbeitsebene Differenzen, weswegen auf einen gemeinsamen Bericht verzichten worden ist. Stattdessen sollten beide Gruppen am Freitag separat voneinander ihre Ergebnisse vorstellen. Die polnischen Experten haben nach RND-Informationen allerdings ohne Absprache mit der deutschen Seite den Bericht kurzerhand am Donnerstag veröffentlicht. Auch was den weiteren Umgang mit der Oder angeht, gibt es unterschiedliche Sichtweisen auf deutscher und polnischer Seite: Umweltministerin Lemke will den geplanten Ausbau der Oder stoppen, während ihre polnische Amtskollegin Anna Moskwa (parteilos) weiter daran festhält.

mit dpa

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