Verkörperung des „Blitz-Spirits“

Der Einfluss der Mutter: 20 Jahre nach dem Tod Queen Mums

Großbritannien, London: Königin Elizabeth II. (hinten) und Königinmutter Elizabeth feiern auf dem Balkon des Buckingham-Palasts mit den jubelnden Menschen den 100. Geburtstag von "Queen Mum". Queen Mum starb am 30. März 2002 im Alter von 101 Jahren.

Großbritannien, London: Königin Elizabeth II. (hinten) und Königinmutter Elizabeth feiern auf dem Balkon des Buckingham-Palasts mit den jubelnden Menschen den 100. Geburtstag von "Queen Mum". Queen Mum starb am 30. März 2002 im Alter von 101 Jahren.

London. Als 1940 die Bomben der deutschen Luftwaffe auf London herabregneten und Teile der Stadt in Schutt und Asche legten, gab es Überlegungen, die damalige Königin und ihre Kinder in die USA oder nach Kanada zu bringen. Doch die Mutter der heutigen Queen - später nur noch Queen Mum genannt - hatte anderes im Sinn. „Die Kinder werden nicht ohne mich gehen. Ich werde den König nicht verlassen. Und der König wird niemals gehen“, sagte sie.

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Auch 20 Jahre nach ihrem Tod wird diese Haltung - nach dem Ausdruck für die Luftschlacht um England „Blitz-Spirit“ genannt - von den Briten eng mit Queen Mum in Verbindung gebracht. Sie ging selbst dann nicht aus London weg, als der Buckingham-Palast von Bomben getroffen wurde. „Sie hat etwas von Großbritannien symbolisiert, das nun für immer fort ist“, sagte ihr Biograf Anthony Holden dem US-Sender ABC, als sie am 30. März 2002 im Alter von 102 Jahren starb.

Durch und durch britisch

Doch es war nicht nur ihre stoische Haltung angesichts deutscher Luftangriffe, die der späteren Queen Mum den Respekt der Briten einbrachte. Seit der Abdankung ihres Schwagers Edward VIII. im Jahr 1936 und der dadurch unerwarteten Krönung ihres Mannes als George VI. zum König galt sie als Motor der Monarchie, die mit Tatkraft an der Modernisierung des Königshauses und dessen Verhältnis zur britischen Öffentlichkeit arbeitete.

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Queen Mum war durch und durch britisch. Im Jahr 1900 als Elizabeth Angela Marguerite Bowes-Lyon geboren, entstammte sie anders als die Gemahlinnen früherer Könige nicht einem ausländischen - oftmals deutschen - Haus, sondern altem schottischem Adel. Gerüchten zufolge soll sie den Mann ihrer älteren Tochter Elizabeth, Prinz Philip, wegen seiner deutschen Verwandtschaft verächtlich als Hunnen bezeichnet haben - ein Schimpfwort aus dem Ersten Weltkrieg.

Ihre große Liebe gehörte dem Pferderennen. Begeistert stapfte sie selbst mit eleganten Schuhen und Kleidern durch Stroh und Mist der Ställe. Und sie war bekannt für ihre Geselligkeit und Trinkfestigkeit.

Doch auch die sprichwörtliche „stiff upper lip“ - die steife Oberlippe, sich selbst im Angesicht schlimmer Schicksalsschläge nichts anmerken zu lassen - galt als einer ihrer Charakterzüge. Nachdem ihr Mann 1952 gestorben war und ihre gerade einmal 25-jährige Tochter Elizabeth Königin wurde, galt sie mehr denn je als Rückgrat der Royal Family. Für die Queen war ihre Mutter neben ihrer Schwester Margaret die wichtigste weibliche Bezugsperson.

Umso härter dürfte für die heute 95-jährige Königin der Tod der beiden Frauen gewesen sein. Queen Mum starb nur sechs Wochen, nachdem Prinzessin Margaret im Alter von 71 Jahren für immer die Augen geschlossen hatte.

Die Trauerfeier für Queen Mum war auch eine Art Blaupause für das, was eines Tages nach dem Tod der amtierenden Königin passieren wird. Ihr Sarg wurde in der ehrwürdigen Westminster Hall aufgebahrt, dem ältesten Teil des Parlaments. Eine Million Menschen kamen, um ihr Respekt zu zollen. Die Queen zeigte sich in einer Ansprache an ihr Volk „überwältigt“ von der Anteilnahme.

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Tod als Befreiungsschlag?

Doch so schwer der Verlust ihrer Schwester und Mutter gewesen sein mag: Einige Beobachter befanden, dass Königin Elizabeth II. nach dem Tod Queen Mums erst so richtig zu ihrer wahren Größe fand. Die negative Stimmung im Land gegenüber der Queen, die beim Unfalltod Prinzessin Dianas 1997 noch überwogen hatte, schien überwunden.

Als sie 2002 ihr 50. Jahr auf dem Thron feierte, reiste die Queen durch das gesamte Land und wurde überall bejubelt. Inzwischen stehen die Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag ihrer Thronbesteigung an, und Elizabeth II. ist längst in die Rolle der Matriarchin geschlüpft.

Doch wie einst bei ihrer Mutter schwinden die Kräfte der Queen nach und nach. Immer seltener nimmt sie an öffentlichen Terminen teil. Über gesundheitliche Probleme wird meist geschwiegen. So war es auch bei Queen Mum. Bis es eines Tages hieß, sie sei „friedlich im Schlaf“ auf Schloss Windsor gestorben.

RND/dpa

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