Sauberer Juan Carlos: Ermittlungen gegen spanischen Ex-König eingestellt

Juan Carlos, ehemaliger König von Spanien.

Juan Carlos, ehemaliger König von Spanien.

Madrid. Juan Carlos de Borbón y Borbón, der frühere spanische König, steht nicht mehr unter Korruptions­verdacht. Fast dreieinhalb Jahre lang ermittelte der Genfer Staatsanwalt Yves Bertossa wegen einer möglichen Schmiergeld­zahlung gegen den Monarchen. An diesem Montag gab er die Einstellung seiner Ermittlungen bekannt. Er hatte keine ausreichenden Anhalts­punkte für eine Straftat gefunden.

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Bertossa hatte seine Ermittlungen im August 2018 aufgenommen, nachdem er durch spanische Presseberichte von möglichen Schmiergeld­zahlungen an den König erfahren hatte, die über Schweizer Konten gelaufen sein sollten. Der Staatsanwalt brachte schließlich eine 100-Millionen-Dollar-Zahlung des damaligen saudischen Königs an Juan Carlos aus dem Jahr 2008 ans Licht. Die Frage, ob es für dieses fürstliche Geschenk eine illegitime Gegenleistung des spanischen Monarchen gegeben hatte, konnte Bertossa bis heute nicht klären, weswegen er seine Ermittlungen nun eingestellt hat.

Geld an deutsche Geschäftsfrau weiterverschenkt

In den spanischen Medien wurde die 100-Millionen-Dollar-Zahlung regelmäßig mit einem Milliarden­auftrag an ein spanisches Konsortium für den Bau einer Schnell­bahn­strecke von Medina nach Mekka in Verbindung gebracht. Der damals noch amtierende König Juan Carlos leistete wahrscheinlich gute Dienste, um dieses Geschäft zu ermöglichen. Abgeschlossen wurde der Vertrag allerdings erst ein Jahr nach der Millionen­zahlung, und Bestechungs­gelder zahlt gewöhnlich der Auftrags­empfänger, nicht der Auftraggeber. Insofern stand der Korruptions­verdacht von Beginn an auf schwachen Füßen.

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Bemerkenswert ist die Geschichte allemal. Noch bemerkens­werter macht sie die von Bertossa aufgedeckte Tatsache, dass Juan Carlos das Geld – vier Jahre, nachdem er es erhalten hatte – weiter­verschenkte, und zwar an die deutsche Geschäfts­frau Corinna zu Sayn-Wittgenstein, die sich selbst als „innige Freundin“ des Königs bezeichnete. Bertossa fand das so verdächtig, dass er die Deutsche, anders als Juan Carlos, als „Beschuldigte“ führte. Er unterstellte ihr Geldwäsche. Aber auch diesen Verdacht musste er fallen lassen. Zu Sayn-Wittgenstein ließ dazu am Montag diese Stellung­nahme verbreiten: „Heute wurde ich von jeglichem Fehlverhalten in der dreijährigen Untersuchung der Schweizer Staats­anwalt­schaft freigesprochen. Meine Unschuld war von Anfang an offensichtlich.“

In Spanien laufen noch drei Ermittlungsverfahren gegen Juan Carlos

Das Verhältnis zwischen der Geschäftsfrau und dem Monarchen ist mittlerweile zerrüttet. Zu Sayn-Wittgenstein hat in London Anzeige gegen ihren früheren Freund und gegen Mitarbeiter des spanischen Geheimdienstes erstattet, denen sie unterstellt, sie verfolgt und unter Druck gesetzt zu haben, mit dem Ziel, das von ihr so genannte „nicht erbetene Geschenk“ in Höhe von 65 Millionen Euro – dem Gegenwert der 100 Millionen Dollar – zurückzugewinnen. In ihrer Stellung­nahme vom Montag bemerkt die Deutsche zu Bertossas Ermittlungen gegen sie geheimnisvoll: „Diese Episode hat nur dazu gedient, mich im Rahmen der laufenden Missbrauchs­kampagne durch bestimmte spanische Interessen weiter zu schädigen. Gegen die Haupt­schuldigen wurde nicht ermittelt. Sie hatten Zeit, ihre Aktivitäten zu verbergen. Nach wie vor wurden diese nicht zur Rechenschaft gezogen.“

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Auch in Spanien laufen noch drei Ermittlungs­verfahren gegen Juan Carlos, die aber nach übereinstimmender Überzeugung der großen spanischen Medien demnächst ebenfalls eingestellt werden dürften. Dass die Justiz den Ex-König nicht weiter verfolgt, heißt aber nicht, dass ihn nun auch die Spanier mehrheitlich für sauber hielten.

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