Ex-Sportler sagt zum zweiten Mal aus

„War mit Tennis beschäftigt“: Boris Becker gibt sich vor Gericht unwissend

Boris Becker, ehemaliger Tennis-Profi aus Deutschland, kommt am Southwark Crown Court in London an.

Boris Becker, ehemaliger Tennis-Profi aus Deutschland, kommt am Southwark Crown Court in London an.

London. Es ist ein stressiges, turbulentes Leben, das Boris Becker lange Zeit führte. Wie viele Konten der frühere Tennis-Star wo besitzt, dass Immobilien in seinem Namen geführt wurden und wo die gewonnenen Trophäen lagern? Davon hat Becker keine Ahnung, wie er auf Nachfrage seines Anwalts Jonathan Laidlaw mehrmals zu Protokoll gibt. Am Dienstag hatte der 54-Jährige vor dem Southwark Crown Court in London erneut die Gelegenheit, sich ausführlich zu den Vorwürfen zu äußern. Mit fester Stimme, aber sichtlich nervös und angespannt antwortet Becker dann oft „Das ist korrekt“ auf die Angaben seines Rechtsbeistands.

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Es geht um viel für Becker. Einst bejubelter Wimbledonsieger und Tennis-Wunderkind, haben Affären und Finanzskandale an seinem Image gekratzt. Oft wirkt es, als sei er in seiner Wahlheimat Großbritannien, wo er als Experte für Tennis-Übertragungen beliebt ist, deutlich höher angesehen als in Deutschland. Nun wird ihm ausgerechnet in London, wo er seit Jahren wohnt, der Prozess gemacht.

25 Millionen Dollar Preisgeld hat Becker erspielt

Die Anklage wirft dem Leimener vor, während seiner Insolvenz Vermögensbestandteile nicht angegeben zu haben. Darunter sind mehrere Tennistrophäen und Auszeichnungen, aber auch Immobilien und Konten. Insgesamt umfasst die Anklage 24 Punkte. Becker könnten theoretisch bis zu sieben Jahre Haft drohen. Bereits am Montag hatte er betont, finanzielle Fragen stets seinen Beratern überlassen und auch keine Verträge gelesen zu haben. Insgesamt gut 25 Millionen US-Dollar Preisgeld hat Becker in seiner Karriere von 1984 bis 1999 erspielt. Geblieben ist nichts. 2017 erklärte ein Gericht in London ihn für zahlungsunfähig. Das sei noch immer so, betonte Becker nun.

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Im dunkelblauen Anzug und mit weißem Hemd folgte der 54-Jährige hochkonzentriert den Ausführungen seines Anwalts. Immer wieder nahm er einen Schluck aus einer Wasserflasche, mal zupfte er an seinem Kragen. Neben ihm lagen Aktenordner auf dem Boden, in denen er gelegentlich Dokumente nachschlug. Schräg hinter ihm saß seine Partnerin Lilian De Carvalho Monteiro. Auch private Fragen kommen in dem Prozess zur Sprache - es geht unter anderem darum, ob Becker seiner Tochter Anna Ermakowa eine Wohnung gekauft hat.

Mit seinen Konten kennt sich Becker nicht gut aus

Am Dienstag ging zunächst um sein Elternhaus in Leimen, als dessen Inhaber Becker eingetragen war - ohne sein Wissen, wie er beteuert. Auch andere Immobilien wurden erwähnt, auch hier war der Star-Sportler nach eigenen Angaben nicht über die Besitzverhältnisse im Klaren. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Konten. Dass seine Eltern 1989 in seinem Namen ein Konto eröffnet hatten? „Ich war damit beschäftigt, um die Welt zu reisen und Tennis zu spielen“, sagte Becker. Warum er in Belgien drei Konten einer US-Bank besaß, weiß er nicht zu sagen. Vermutlich seien die im Rahmen einer Werbepartnerschaft eröffnet worden.

Insolvenzverwalter Mark Ford hätte auch gerne mehrere Auszeichnungen von Becker. Der Tennisstar entziehe die Pokale dem Zugriff. Das bestreitet Becker. Er wisse einfach nicht, wo die Trophäen stehen. Überhaupt handle es sich ja dabei gar nicht um die Originale, die er nach dem Finale noch auf dem Platz in die Hände gedrückt bekam. Agenten oder Betreuer erhielten eine meist deutlich kleinere Replikafassung, erzählte Becker. Er selbst sei schon wieder auf dem Weg zum nächsten Turnier gewesen. „Die Trophäen selbst waren mir nicht wichtig“, berichtete er. Für ihn sei der Titel an sich wichtiger gewesen. Nun bedauere er diese Sicht. Sollte er die Pokale wiederfinden, werde er sie sofort abgeben, versicherte er.

Als nächstes muss sich Becker der Staatsanwaltschaft stellen, die Befragung sollte noch am Dienstag beginnen. Gespannt wurde erwartet, ob er die vermutlich deutlich kritischeren Fragen ebenso geschickt zu retournieren versteht. Über das Ergebnis entscheidet schließlich eine Jury, die fast nur aus Männern zusammengesetzt ist. Mit einer Entscheidung wurde für kommende Woche gerechnet.

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RND/dpa

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