Tourismus droht nächste Krise

Energiekrise, Corona-Regeln, Flughafen-Chaos: Vermiest sich Deutschland den Reiseherbst?

Deutschland hält an einer Maskenpflicht im Flieger fest.

Deutschland hält an einer Maskenpflicht im Flieger fest.

Kalte Pools, unbeleuchtete Sehenswürdigkeiten, abgesagte Attraktionen auf Weihnachtsmärkten und Bahn- und Flughafen-Chaos: Hatte sich der deutsche Tourismus gerade aus seinem Corona-Tief gerettet, ist es mit der Euphorie auch schon vorbei. Denn Sparstrategien von Staat und Kommunen, die Arbeitssituation in vielen touristischen Einrichtungen sowie Unsicherheit bezüglich Inflation und Energiekrise vermiesen die Stimmung.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Maskenpflicht und Corona-Regeln

Das Schweizer Reisemagazin „Travelnews“ geht davon aus, dass Schweizerinnen und Schweizer Deutschland in den kommenden Wochen und Monaten eher meiden werden. Man habe sich an die komplette Befreiung sämtlicher Corona-Maßnahmen „längst gewöhnt“, heißt es, „die Rückkehr des Maskenobligatoriums“ werde man „kaum goutieren“.

Zwar gilt in Deutschland aktuell nur noch an wenigen Orten eine Maskenpflicht, etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln und Pflegeheimen, dennoch könnten die bereits verabschiedeten möglichen Verschärfungen ab Oktober Reisende verunsichern. Dann kann im Fern- und Flugverkehr wieder FFP2-Maskenpflicht eingeführt werden. Zudem kann eine solche Maskenpflicht von den Bundesländern auch für alle Innenräume, im Extremfall sogar wieder für Außenveranstaltungen gefordert werden. Auch im ÖPNV, in Restaurants und beim Sport könnte es wieder eine Maskenpflicht geben, oder der Zutritt nur mit negativem Corona-Test gewährt werden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Während es in Deutschland seit Beginn der Pandemie durchgehend eine Maskenpflicht etwa in Zügen und Bussen gab, ist diese in vielen anderen europäischen Ländern längst abgeschafft, so in den skandinavischen Ländern, in Österreich (außer in Wien), in Spanien und Portugal. Da es auch nahezu nirgendwo mehr eine Testpflicht gibt und Länder wie Spanien und Griechenland gar die Quarantäne aufgehoben haben, riskieren Reisende in diesen Ländern nicht, die Urlaubszeit isoliert auf dem Hotelzimmer zu verbringen.

Nicht nur Urlauberinnen und Urlauber könnten von den Corona-Regeln genervt sein, auch die deutsche Fluglinie Lufthansa sah sich im Nachteil. Es gebe keine wissenschaftliche Begründung für die Notwendigkeit der Maskenpflicht an Bord, heißt es in einem Brief an Bundestag und Bundesrat. Das Klagen war erfolgreich: Hatte die Regierung zunächst ab 1. Oktober eine FFP2-Maskenpflicht im Fern- und Flugverkehr vorgesehen, wurde diese nun wieder gekippt.

Die Lufthansa hatte in dem Brief moniert, dass die Maskenpflicht zwar formell für alle Airlines gelte, die von oder nach Deutschland fliegen, es aber kein Geheimnis sei, „dass Fluggesellschaften aus Ländern, in denen keine Maskenpflicht herrscht, die Regelung kaum umsetzen.“ Lufthansa fürchtete, dass Fluggäste lieber dort buchten, um maskenfrei zu reisen. Nun gilt die FFP2-Maskenpflicht vorerst nicht, stattdessen wurde zwischen SPD, Grünen und FDP vereinbart, dass Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eine Ermächtigungsgrundlage bekommt, um die Maskenpflicht in Flugzeugen doch noch per Verordnung erlassen zu können.

Deutschland ist eines der wenigen Länder, das noch eine Maskenpflicht im Flieger hat.

Deutschland ist eines der wenigen Länder, das noch eine Maskenpflicht im Flieger hat.

Gaskrise: Städte und Kommunen sparen Energie

Abgesagte Eislaufbahnen auf dem Weihnachtsmarkt, keine Beleuchtung von Wahrzeichen und Sehenswürdigkeiten, kalte Pools und geschlossene Schwimmbäder: Wer im Herbst oder Winter eine Reise nach oder innerhalb Deutschlands geplant hat, muss bisweilen einiges in Kauf nehmen. Der Grund: Weil Deutschland stark von russischem Gas abhängig ist, wird das Gas knapp und teurer – und es muss an allen Ecken Energie gespart werden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Auch wenn diese Maßnahmen, genau wie die neuen Corona-Regeln, viele Befürworter im Land haben und für viele auch nachvollziehbar sind, könnte es Touristinnen und Touristen zunächst einmal abschrecken – und sie könnten ihren Urlaub verschieben. Gerade wenn es um beliebte Besuchermagnete für ausländische Reisende wie Weihnachtsmärkte und Lichterfeste geht, könnte sich die Sparpolitik bemerkbar machen.

Blick auf das unbeleuchtete Völkerschlachtdenkmal. Die Beleuchtung von Gebäuden und Denkmälern aus rein ästhetischen oder repräsentativen Gründen ist bis auf wenige Ausnahmen tabu.

Blick auf das unbeleuchtete Völkerschlachtdenkmal. Die Beleuchtung von Gebäuden und Denkmälern aus rein ästhetischen oder repräsentativen Gründen ist bis auf wenige Ausnahmen tabu.

Chaos bei Bahn und Flug

Verschollene Koffer, verpasste Flieger, ersatzlos gestrichene Flüge, stundenlanges Warten an der Sicherheitskontrolle: Wer diesen Sommer mit dem Flugzeug verreist ist, brauchte bisweilen starke Nerven. Personalmangel und die hohe Nachfrage sorgten für Chaosszenen. Mehrere Tausend Flüge wurden gestrichen – erst dann war es wieder möglich, unbeschwerter zu reisen – wenn denn der eigene Flug stattfand.

Auch bei der Bahn sah es nicht gerade rosig aus: Viele Fernzüge hatten deutlich Verspätung – mehr als 40 Prozent aller Züge kamen in diesem Jahr mit mehr als fünf Minuten Verspätung ans Ziel. Das 9-Euro-Ticket, das von vielen Reisenden für Ausflüge genutzt wurde, brachte auf touristisch beliebten Strecken das Bahnsystem an den Rande des Kollaps. Mehrfach mussten Menschen am Bahnsteig zurückbleiben, weil die Züge völlig überfüllt waren.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Deutsche sparen auch am Urlaub

Energiekrise und Inflation bringen nicht nur mit sich, dass im öffentlichen Raum gespart wird – auch viele Deutsche müssen mehr auf ihre Finanzen achten. Wenig verwunderlich also, dass Urlaub gerade nicht überall Priorität hat. Gaben die Deutschen in diesem Sommer noch viel aus – Geld, das sie in zwei Pandemiejahren wegen Corona-Beschränkungen nicht zum Reisen genutzt hatten, fürchtet die Reisebranche nun einen Einbruch.

So gaben in einer Umfrage des Portals „Reisevor9″ 69 Prozent der 550 befragten Touristikerinnen und Touristiker in Reisebüros an sowie 69 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Reiseveranstaltern an, dass sie von einem schwächeren Winter ausgehen. Sie erwarten, dass das Buchungsvolumen wieder deutlich zurückgeht. Vor allem Fernreisen könnten betroffen sein. Die Mehrheit der Befragten gab an, davon auszugehen, dass auch 2023 weniger und kürzer gereist werden wird als im Sommer 2022.

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen