Nach zwei Jahren Corona-Pandemie

Tui zählt mehr Urlaubsbuchungen: „Aktuell hoher Nachholbedarf“

Urlauber entspannen am Pool.

Urlauber entspannen am Pool. Hinter ihnen erstreckt sich das Meer.

Hannover/Berlin. Der Krieg in der Ukraine scheint die Nachfrage nach Urlaubsreisen in Deutschland bislang nicht zu dämpfen. Der Reisekonzern Tui Deutschland sieht nach eigenen Angaben zur Zeit keine grundsätzliche Veränderung im Buchungsverhalten. Laut einer Umfrage ist die Urlaubsreiselust die Menschen in Deutschland groß nach zwei Jahren Corona-Pandemie mit teils massiven Reisebeschränkungen.

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„In dieser Zeit an so etwas Unbeschwertes wie Urlaub zu denken, fällt ohne Zweifel schwer“, sagte Tui-Deutschland-Chef Stefan Baumert am Montag. „Die Bilder, die uns jeden Tag aufs Neue erreichen, sind schwer zu ertragen, sie berühren und machen unendlich traurig. Wir verurteilen diesen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg ausgelöst von der russischen Regierung aufs Schärfste.“

Urlaub am Mittelmeer besonders begehrt

Baumert zufolge deutet aktuell „vieles darauf hin, dass wir in diesem Jahr ein Sommergeschäft sehen werden, das an das Vor-Pandemie-Niveau herankommt oder es sogar erreichen wird“. Die Buchungskurve zeige derzeit deutlich nach oben. „Wir sehen einen sehr hohen Nachholbedarf.“ Gefragt seien aktuell vor allem die Klassiker rund ums Mittelmeer. Sie verzeichneten Zuwächse sogar über dem Niveau vor der Corona-Krise 2019, berichtete Baumert einen Tag vor Beginn der Reisemesse ITB (8. bis 10. März), die auch in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie online stattfindet. Top-Favoriten seien Ziele wie Mallorca, die türkische Riviera und die griechischen Inseln.

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Aufgrund der guten Buchungseingänge auch für die Osterferien zieht Tui den Saisonstart für Griechenland vor und startet mit seiner Airline TUI fly bereits Anfang April nach Kreta, Rhodos und Kos. Insgesamt werden demnach 120 Zusatzflüge im April aufgelegt, wobei die meisten Flüge (62) nach Griechenland gehen, gefolgt von Mallorca (48).

Am Palmenstrand von Vai auf Kreta faulenzen Urlauber.

Palmen am Strand von Vai auf Kreta. Klassische Urlaubsziele am Mittelmeer wie zum Beispiel Kreta sind in diesem Jahr bei den Buchungen weit vorn.

Lufthansa schickt größere Maschinen – wegen erhöhter Nachfrage

Die Lufthansa erklärte auf Nachfrage, sie werde am 9. April zu Beginn der Osterferien in vielen Bundesländern wegen der starken Nachfrage größere Maschinen ab Frankfurt und München auf der Strecke nach Mallorca einsetzen. Ab Frankfurt fliege eine Boeing 747-8 und ab München ein Airbus 350, statt der sonst eingesetzten A320. So könnten jeweils 150 Passagierinnen und Passagiere mehr transportiert werden.

Nach Angaben der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) planten bei einer Umfrage zum Jahreswechsel, also vor Beginn des Ukraine-Krieges, 61 Prozent der Befragten in diesem Jahr sicher einer Urlaubsreise. Im vergangenen Jahr waren es lediglich 49 Prozent. 28 Prozent haben schon ein festes Ziel. „Diese Werte stimmen optimistisch, dass 2022 in großer Zahl in den Urlaub gereist wird, sofern es die Rahmenbedingungen zulassen“, heißt es in der „Reiseanalyse 2022“.

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Grundsätzlich hätten Katastrophen, Kriege und Terror in den vergangenen Jahrzehnten an der Nachfrage nichts geändert, berichtete FUR-Tourismusforscher Martin Lohmann. Urlauberinnen und Urlauber seien auf andere Ziele ausgewichen. In ersten beiden Pandemie-Jahren sei dies anders gewesen wegen der Reisebeschränkungen und weil die Menschen unmittelbar betroffen gewesen seien.

Generell ist die Unsicherheit aber immer noch größer als vor Ausbruch der Pandemie in Europa im März 2020. So gaben 27 Prozent der Befragten an, sie wüssten noch nicht, ob sie in diesem Jahr in den Urlaub fahren wollten. Vor Beginn der Corona-Krise waren es nur 17 Prozent.

Urlaub in Deutschland wird wieder unbeliebter

Nach dem Ende vieler Reisebeschränkungen deutet sich auch der Umfrage zufolge ein Comeback beliebter Ziele rund ums Mittelmeer an. Bereits im vergangenen Jahr lag die Zahl der Urlaubsreisen in den meisten Bundesländern den Angaben zufolge etwas unter dem Niveau des Jahres 2020. Dafür führten wieder mehr Trips von mindestens fünf Tagen Dauer nach Spanien, Italien oder in die Türkei. In diesem Jahr rechnet die FUR mit einem weiter sinkenden Inlandsanteil. Insgesamt erwarten die Tourismusforscher, dass die Menschen in Deutschland in diesem Jahr bis zu 70 Millionen Urlaubsreisen unternehmen nach 55 Millionen im Jahr 2021. Damit wäre das Vorkrisenniveau von 71 Millionen fast erreicht.

RND/dpa

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