Von Radwegen bis zur E-Mobilität

Nachhaltiger Tourismus: Wo stehen deutsche Urlaubsziele an Nordsee und Ostsee?

Schleswig-Holstein möchte an Küstenorten, Inseln und im Binnenland den Radtourismus fördern.

Schleswig-Holstein möchte an Küstenorten, Inseln und im Binnenland den Radtourismus fördern.

61 Prozent der Deutschen ist eine möglichst umweltschonende Urlaubsgestaltung wichtig, zu dem Ergebnis kommt eine Reiseanalyse der Forschungsgruppe Urlaub und Reisen (FUR). Auch die Tourismusdestinationen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern arbeiten daran, nachhaltiger zu werden.

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Dabei geht es nicht nur um das Einsparen von CO₂ bei der Anreise, sondern auch um die Hotelwahl, die Tagesausflüge. Insgesamt werden Projekte auf den drei Ebenen Ökonomie, Ökologie und Soziales umgesetzt, um den Urlaub nachhaltiger zu gestalten.

Durch diese drei Säulen soll der Tourismus nachhaltiger werden

Werden Sommerziele beispielsweise zu Ganzjahresdestinationen, gibt es mehr Dauerarbeitsplätze und weniger Saisonverträge für die Beschäftigten der Tourismus- und Tagungswirtschaft, so Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein. „Je länger die Reisesaison in Schleswig-Holstein wird, desto besser ist dies für die Auslastung der Beherbergungsbetriebe, der Gastronomie und der Freizeiteinrichtungen“. Das festigt die ökonomische Säule.

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Die ökologische Nachhaltigkeit könne durch gezielte Beratung der Restaurants und Hotels beim Energieeinsparen, reduzieren von Lebensmittelabfällen und Vieles mehr gestärkt werden. In Schleswig-Holstein übernimmt diese Aufgabe das Tourismuscluster Schleswig-Holstein.

Um die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Tourismuswirtschaft zu steigern, müssen die Rahmenbedingungen kontinuierlich verbessert, mehr für die Ausbildungen im Hotel- und Gaststätten-Bereich beworben und das Image der Branche aufgewertet werden. Letzteres habe sich die Kampagne „#bleib-oben“ als Ziel gesetzt.

Mobilität und Nachhaltigkeit auf den auf den Ostfriesischen Inseln

Außerdem wollen alle drei Bundesländer die Nachhaltigkeit in puncto Mobilität und Freizeitgestaltung verbessern. Beispielsweise erhalten Urlauberinnen und Urlauber auf der niedersächsischen Insel Spiekeroog von einigen Beherbergungsbetrieben einen Rabatt von 5 Prozent, wenn sie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bis zum Fähranleger auf dem Festland anreisen. Die Anreise mit dem Auto bis auf die Insel ist ohnehin nicht möglich, da Spiekeroog autofrei ist. Langfristig soll der Rabatt auf so viele Betriebe wie möglich ausgeweitet werden.

Außerdem stehen auf Spiekeroog für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, das Inselmobil, ein Golfcaddy mit Elektroantrieb sowie zwei E-Scooter zur Verfügung. Für den Strand gibt es ein elektrisches Strandmobil. „Nachhaltigkeit und Tourismus müssen sich nicht ausschließen“, sagt Nadine Weber, Projektkoordination Nachhaltigkeit und Klimaschutz auf Spiekeroog. „Grundlage hierfür ist neben dem Engagement der Tourismusbetreibenden eine positive Einstellung der Gäste zum Thema.“

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Händler und Touristen nutzen auf der autofreien ostfriesischen Insel Juist (Niedersachsen) Pferdegespanne.

Händlerinnen und Händler sowie Touristinnen und Touristen nutzen auf der autofreien ostfriesischen Insel Juist (Niedersachsen) Pferdegespanne.

Auch auf Juist stehen E-Scooter sowie zwei Solarstrandrollstühle zur Verfügung. Auf Baltrum gibt es einen Sandrollstuhl mit Solarbetrieb. Mobilitätseingeschränkte Bewohnerinnen und Bewohner sowie Urlauberinnen und Urlauber der kleinsten Ostfriesischen Insel können einen Elektrocaddy oder den Kutschentransfer nutzen.

Mit Pferdekutschen können auch Juist, Baltrum, Spiekeroog, Langeoog und Wangerooge zum Teil erkundet werden. Denn auf allen fünf Inseln sind Autos grundsätzlich nicht erlaubt. Auf Borkum dürfen zwar Autos fahren, aber auch dieser Insel für den Einsatz von E-Fahrzeugen ein. So wird der Borkumer ÖPNV durch zwei Elektrobusse fast vollständig elektrisch abgebildet.

Schleswig-Holstein und Mecklenburg Vorpommern wollen Radtourismus fördern

Schleswig-Holstein und Mecklenburg Vorpommern wollen neben der Stärkung des ÖPNV und der E-Mobilität unter anderem auch den Radtourismus fördern. „Wir müssen eine hohe Qualität der Radwege sicherstellen, damit Aktivreisende den Nordosten weiterhin im Visier haben“, heißt es vom Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern.

Bettina Bunge ergänzt: „Um Radtouristen ein positives, einzigartiges Erlebnis zu ermöglichen, müssen alle Akteure im Land weiter daran arbeiten, dass die Infrastruktur kontinuierlich verbessert wird, ausreichend Rastmöglichkeiten und radfreundliche Beherbergungsbetriebe vorhanden sind, die Wegweisung digital wie analog gut funktioniert und alle Highlights, die es auch abseits der Hauptrouten zu entdecken gibt, bekannt gemacht werden.“ Hierfür wurde in Schleswig-Holstein die Radstrategie 2030 durch das Land aufgelegt, die viele Maßnahmen sowohl für den Alltags- und Pendlerverkehr als auch für den Radtourismus enthält.

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Kampen (Sylt): Radfahrer nutzen einen Radweg in den Dünen.

Kampen (Sylt): Radfahrer nutzen einen Radweg in den Dünen.

Mecklenburg-Vorpommern arbeitet laut des Landestourismusverbandes außerdem an Gästekarten, die Besucherinnen und Besuchern Freiraum sowohl bei der Fortbewegung als auch bei der Nutzung von Freizeitangeboten geben. Ähnlich wie eine Kurtaxe soll für die Gästekarten ein bestimmter Betrag erhoben werden. Doch das Geld soll nicht verloren sein: Reisende sollen damit beispielsweise kostenlos den ÖPNV nutzen können und oder vergünstigten Eintritt bei Veranstaltungen.

Auch der Fährverkehr ist auf einem guten Wege, klimaschonender zu werden. Die Reederei AG EMS, die Reisende nach Borkum bringt, betreibt beispielsweise seit 2015 die „MS Ostfriesland“ mit Flüssigerdgas (LNG), das als klimafreundlicherer Treibstoff gilt. Kleinere Schiffe der Flotte sollen künftig mit Wasserstoff fahren. Für den Katamaran „MS Nordlicht“ setzt die Reederei momentan umweltfreundlichen synthetischen Kraftstoff ein, ebenso wie die Reederei Baltrum-Linie GmbH für ihre fünf Schiffe.

So wollen die Länder Hotels im Binnenland fördern

Zum Thema Nachhaltigkeit gehört auch die Lenkung der Besucherinnen- und Besucherströme: „Das aktive Besuchermanagement ist in der Diskussion um Overtourism und Nachhaltigkeit bereits ein wichtiger Faktor und wird es künftig noch mehr sein“, so Nadine Bungenstock, Sprecherin der Tourismus-Marketing Niedersachsen. „Besucher müssen in Bereiche, die noch Gäste aufnehmen können, gelenkt werden und zudem frühzeitig informiert werden, wenn die Kapazitätsgrenzen an einem Ort erreicht sind.“

So könnten sich Tourismusorte zum einen nach außen als sichere und gut gemanagte Destinationen profilieren und zum anderen könne Frustration bei Gästen vermieden werden, indem in Echtzeit nachvollzogen werden kann, wo Ausflüge noch möglich sind und wo nicht. An der Nordsee und auf den Ostfriesischen Inseln gebe es bereits gezielte Projekte, die sich auf die Besucherlenkung konzentrieren. Per App könne eingesehen werden, wie hoch frequentiert bestimmte Orte sind.

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Wer flexibel ist, findet noch tolle Angebote im Binnenland.

Wer flexibel ist, findet auch tolle Angebote im Binnenland.

Auch für die Urlaubsregionen in Mecklenburg-Vorpommern möchte man Angebote entwickeln, die Reisenden anzeigen, zu welchem Zeitpunkt eine touristische Attraktion überlaufen ist. Gleichzeitig ginge es dann darum, Alternativangebote zu bieten. „Das wird uns in den nächsten Jahren noch sehr beschäftigen“, so der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern gegenüber dem RND.

Bereits im vergangenen Jahr habe die Tourismusagentur eine Webseite lanciert, auf der Reisende sich zu Angeboten rund um das Thema „Nachhaltiges Reisen“ in Mecklenburg-Vorpommern informieren können. „Damit reagieren wir auf das gestiegene Interesse an einer umweltschonenden Urlaubsgestaltung“, so der Verband.

Reisende sollen auch ins Landesinnere reisen

Zudem sei die gezielte Vermarktung der nachhaltigen Urlaubsziele wichtig, so das Tourismus-Marketing Niedersachsen. Angebote müssten zielgruppenspezifisch aufbereitet werden, da die Nachfragen von Urlauberinnen und Urlaubern immer spezieller würden. Erlebnisangebote könnten mit nachhaltigem Landurlaub verbunden werden. Eine Verknüpfung von Reiseanlässen (Naturerlebnis, Familienurlaub, Aktivurlaub) mit nachhaltigen Trends (Ernährung, Regionalität, Gesundheit, ÖPVN-Anreise, Großschutzgebiete) könne ein weiterer Punkt in der Vermarktung sein. Niedersachsen habe schon einige Angebote in diesem Bereich. Ein Beispiel sind die Auszeithöfe, auf denen die Themen Achtsamkeit, Entschleunigung und Gesundheit eine Rolle spielen.

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Schleswig-Holstein will Bau von Hotels im Binnenland priorisieren

Eine ähnliche Strategie wie Niedersachsen fährt die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TA.SH). Sie hat im Juni 2020 eine Kooperation mit drei Tourismusorganisationen im Binnenland geschlossen, um Reiseziele abseits der Küsten zu fördern. Ziel ist es, finanzielle und personelle Kräfte zu bündeln, um durch gemeinsames Marketing Reisende auf besondere Übernachtungsmöglichkeiten in der Natur aufmerksam zu machen – auch in der Nebensaison. Außerdem will das Land dem Bau von neuen Hotels im Binnenland schneller ermöglichen. Dafür würde derzeit eine entsprechende Richtlinie überarbeitet.

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