Volle Züge zu Pfingsten und zur Kieler Woche

9-Euro-Ticket in SH: Droht Chaos im Nahverkehr?

So wie hier in München könnte es über Pfingsten und zur Kieler Woche auch in Schleswig-Holstein zugehen.

So wie hier in München könnte es über Pfingsten und zur Kieler Woche auch in Schleswig-Holstein zugehen.

Kiel. Nur wenige Tage nach dem Start des 9-Euro-Tickets am 1. Juni droht das große Chaos im ÖPNV. „Pfingsten wird der erste Härtetest in Schleswig-Holstein“, prophezeit der Sprecher des Verkehrsverbundes NAH.SH, Dennis Fiedel. Über Pfingsten würden traditionell viele Menschen Ausflüge in die Urlaubsorte an Nord- und Ostsee machen. Diesmal werde es am langen Pfingstwochenende (4. bis 6. Juni) bei gutem Wetter insbesondere in den Zügen „noch viel voller“.

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Mangel an Zügen und Personal

Normalerweise würde das Land bei einer solchen Prognose aus anderen Verkehrsverbünden zusätzliche Züge ordern, berichtet Fiedel. „Diesmal sind uns aber die Hände gebunden.“ Weil das Sparticket bundesweit gilt und über Pfingsten in ganz Deutschland volle Züge drohen, „gibt es derzeit nirgendwo verfügbares Material“. Beim Personal sieht es ähnlich aus. Die Verkehrsunternehmen seien ohnehin dünn besetzt und müssten während der Laufzeit der Sparaktion bis Ende August weitere Ausfälle verkraften. „In den Sommerferien möchten auch viele ÖPNV-Beschäftigte Urlaub machen.“

Nach dem Pfingstansturm drohen Ende Juni im Großraum Kiel die nächsten Chaostage. „Wir werden während der Kieler Woche mehr Bahnen und Busse einsetzen als im Normalbetrieb, können das Angebot aber wahrscheinlich nicht so stark ausweiten wie in den Vor-Corona-Festwochen“, betont Fiedel. Umso stolzer ist die Nahverkehrsgesellschaft auf einige kleine Erfolge im Zugkampf. Auf einigen Routen im Speckgürtel (etwa Itzehoe-Hamburg) sollen einige weitere Wagen rollen, auf der Stecke Hamburg-Sylt sogar ein zusätzlicher Doppelstockzug. Die Sylt-Strecke ist eines der größten Sorgenkinder bei der Bahnoffensive. In sozialen Netzen blasen nicht nur Jugendliche zum Party-Sturm auf die Nobelinsel, sondern inzwischen auch Fußball-Fanclubs.

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Vorverkauf ab 23. Mai

Genau vor solchen Entwicklungen hatte Landes-Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) gewarnt. „Das 9-Euro-Ticket ist jetzt ein Ferienticket geworden.“ Der ursprüngliche Plan der Bundesregierung, Berufspendler finanziell zu entlasten, sei wegen des späten Starts leider in den Hintergrund gerückt. Dafür hat der Verkehrsverbund die Zeit genutzt, um die Einführung des Spartickets zu organisieren. Der Vorverkauf startet am 23. Mai (in der NAH.SH-App und an Automaten). Ab Juni ist das Ticket auch in Bussen zu haben.

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Geklärt ist inzwischen auch das Problem mit ÖPNV-Stammkunden. Ein Job-Ticket oder ein Abo wird wie ein 9-Euro-Ticket behandelt und berechnet. Studierende mit Semesterticket sollen über ihre Vertretungen (Asten) eine Gutschrift erhalten. Die Details werden derzeit geklärt. Ob das 9-Euro-Ticket eine Werbeaktion für den ÖPNV wird oder der Alltag in Bus und Bahn Fahrgäste abschreckt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. „Es ist auf jeden Fall ein großes Experiment“, bilanziert Fiedel. „Wir freuen uns darauf.“

Von Ulf Christen

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