Zwei Tote, fünf Verletzte

Messerattacke in Brokstedt: Tatverdächtiger war bereits mehrfach straffällig

Der Tag nach der Messerattacke in Brokstedt: Polizei und Innenministerium haben über über den Stand der Ermittlungen in einer Pressekonferenz zum Messer-Angriff im Zug zwischen Kiel und Hamburg berichten.

Der Tag nach der Messerattacke in Brokstedt: Polizei und Innenministerium haben über über den Stand der Ermittlungen in einer Pressekonferenz zum Messer-Angriff im Zug zwischen Kiel und Hamburg berichten.

Kiel. Am Tag nach der Messerstecherei in einem Zug von Kiel nach Hamburg, bei der eine 17-Jährige und ein 19-Jähriger getötet wurden, hat Schleswig-Holsteins Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) gemeinsam mit Vertretern der beteiligten Behörden über den Stand der Ermittlungen informiert. Der Mann soll bereits mehrfach straffällig geworden sein, unter anderem wegen einer Stichwaffenstraftat.

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„Zwei junge Menschen haben ihr Leben verloren, fünf weitere sind verletzt worden“, so Sütterlin-Waack. Sie danke ausdrücklich allen, die Hilfe geleistet haben und für die Aufklärung der Ereignisse sorgen.

Die Innenministerin betonte am Donnerstag, dass man Vermutungen und Spekulationen keinen Raum geben solle. „Ich habe heute Morgen gesagt, dass auch ich viele Fragen habe. Einige dieser Fragen können wir mittlerweile beantworten. Andere Fragen werden erst zu einem späteren Zeitpunkt beantwortet werden können.“ Die Taten seien noch zu frisch und die Erkenntnisse reichten noch nicht aus, um bereits jetzt politische Schlussfolgerungen anzustellen oder Forderungen aufzustellen.

Innenministerin korrigiert Zahl der Verletzten Opfer nach der Messerattacke im Zug

Neben den beiden bei der Messerattacke getöteten jungen Menschen sind bei der Messerstecherei im Zug zwischen Kiel und Hamburg zwei weitere Personen lebensgefährlich und drei schwer verletzt worden, so Sütterlin-Waack. Drei der Verletzten werden noch im Krankenhaus behandelt. Die Innenministerin korrigierte damit die ersten Zahlen von Mittwoch, als noch von sieben Verletzten plus dem Tatverdächtigen die Rede war. Zu den Verletzten wurden keine weiteren Angaben gemacht, da noch nicht alle Angehörigen erreicht werden konnten.

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Laut Sütterlin-Waack war der Tatverdächtige bei der Festnahme bereits leicht verletzt, wie die Verletzungen entstanden, sei noch unklar. Fest steht, dass Ibrahim A. bei der Festnahme keinen Widerstand leistete. Der Leiter der Polizeidirektion Itzehoe, Frank Matthiesen, ergänzte, der Tatverdächtige habe dabei einen ruhigen Eindruck gemacht.

Tatverdächtiger wurde offenbar im Zug von Zeugen überwältigt

Nach ersten Anhörungen von bislang 24 Zeugen wurde der Tatverdächtige im Zug vorher von Zeugen überwältigt, teilte die Innenministerin mit. „Ergebnisse einer Vernehmung gibt es noch nicht, sodass wir über Motive nach wie vor nichts sagen können.“ Der 33-jährige staatenlose Palästinenser soll im Laufe des Tages dem Haftrichter vorgeführt werden. Nachdem seine Verletzungen behandelt wurden, befindet er sich derzeit in Polizeigewahrsam.

Insgesamt beschrieb Sütterlin-Waack die Lage am Bahnhof am Mittwoch als „unübersichtlich“, in vier Waggons seien Blutspuren gefunden worden. Sieben bis acht Minuten nach dem Notruf traf laut Matthiesen eine erste Streife ein. „Wir sind froh darüber, dass sehr schnell schlagkräftige Organisation vor Ort aufgebaut werden konnte.“

Ibrahim A. war 2021 in einer Flüchtlingsunterkunft in Kiel untergebracht

Der Tatverdächtige der Messerattacke im Zug bei Brokstedt war von Juli bis November 2021 in Kiel gemeldet, weshalb er auch bei der Ausländerbehörde Kiel geführt wird. Laut Kiels Ordnungsdezernent Christian Zierau hat der Mann zunächst in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in der Arkonastraße in Kiel gelebt. Er habe dort Hausverbot erhalten, weil er mehrfach gegen die Hausordnung verstoßen haben soll, unter anderem wegen Belästigung von Mitbewohnenden, so Zierau.

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Danach sei Ibrahim A. in der zentralen Beratungsstelle für wohnungslose Männer erschienen. Diese habe ihn bis Ende Dezember 2021 auf dem Schirm gehabt. Mitte Januar 2022 habe es letztmals Kontakt mit dem Mann gegeben, bevor er am Mittwoch zwischen 10 und 11 Uhr am Infopoint der Ausländerbehörde am Stresemannplatz vorgesprochen habe. Dort sei er an die Obdachlosenhilfe beziehungsweise das Einwohnermeldeamt verwiesen worden. „Da ist er aber nicht angekommen“, so Zierau. Von Auffälligkeiten bei der Begegnung mit Ibrahim A. hätten seine Mitarbeitenden nicht berichtet.

Messerattacke in Brokstedt: Der Tatverdächtige ist mehrfach straffällig geworden

In welchem Land sich der Tatverdächtige aufhielt, bevor er nach Deutschland kam, konnte am Nachmittag nicht beantwortet werden. Sütterlin-Waack erklärte, Ibrahim A. sei 2014 nach Deutschland eingereist und seit 2015 in Nordrhein-Westfalen und Hamburg mehrfach straffällig geworden, unter anderem wegen Gewaltdelikten. Zudem ist bekannt, dass er zuletzt am 19. Januar aus der U-Haft Billwerder in Zusammenhang mit einer gefährlichen Körperverletzung entlassen wurde. Die Verfahren sind in Hamburg geführt worden. Ausreisepflichtig war der Tatverdächtige nicht.

In Schleswig-Holstein gibt es zu ihm hingegen keine polizeiliche Kriminalakte. „Die schleswig-holsteinische Polizei hat zu ihm jedoch zwei Einsatzberichte, einen wegen einer Streitigkeit, einen wegen Ladendiebstahl“, so Sütterlin-Waack.

Oberstaatsanwalt: Ibrahim A. kein Intensivtäter

Dass es sich bei Ibrahim A. um einen Serien- oder Intensivtäter handeln würde, wies Oberstaatsanwalt Carsten Ohlrogge zurück. „Wir haben eine Person, die tatsächlich kurz vor der Tat aus der Haft entlassen worden ist, es war aber die erste Inhaftierung.“ Der Tatverdächtige habe drei Vorstrafen und eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung, letztere sei noch nicht rechtskräftig. Er gelte nach den Regelungen Schleswig-Holsteins nicht als Intensivtäter.

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Ohlrogge bestätigte aber auch, dass Ibrahim A. wegen einer Stichwaffenstraftat schon einmal in Erscheinung getreten sein soll. Die Lage zum Motiv der Messerattacke sei noch unklar. „Wir haben aber keine Hinweise auf einen irgendwie gearteten terroristischen Hintergrund“, so der Oberstaatsanwalt.

Während des Pressetermins wandte sich Sütterlin-Waack nochmal an die Betroffenen: „Ich kann allen Zeuginnen und Zeugen der gestrigen Tat nur bitten, in sich hinein zu hören, ob auch sie Unterstützung benötigen.“

Video: Die Pressekonferenz der Messerattacke im Zug nahe Brokstedt

Die Pressekonferenz mit Ministerin Sütterlin-Waack und Matthiesen können Sie hier noch einmal im Video verfolgen:

Zwischenzeitlich erhalten Sie alle neuen Informationen und Entwicklungen zur Bluttat in Brokstedt in unserem Liveblog: Messerattacke aktuell

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Bahnhof Brokstedt: Helfer hätten „Täter abgehalten, Schlimmeres zu begehen“

Bereits am Mittwochabend äußerte sich Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) am Bahnhof in Brokstedt zur tödlichen Messerattacke im Zug: Helfern sei es unmittelbar nach der Tat gelungen, den Verdächtigen zu stoppen, bis die Einsatzkräfte eintrafen. Sie hätten „wohl den Täter davon abgehalten, Schlimmeres zu begehen“, sagte Sütterlin-Waack und dankte denjenigen, die „so mutig“ seien, sich „dem Täter entgegenzustellen“.

Zum Zeitpunkt der Messerstecherei im Regionalexpress saßen rund 120 Menschen im Zug zwischen Kiel und Hamburg. Zeugen berichteten, dass die Reisenden panikartig den Zug am Bahnhof Brokstedt verlassen hätten.

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Am Mittwochnachmittag wurden rund 70 Zeugen von der Polizei in einem nahe gelegenen Gasthof befragt und betreut. Für die Ermittlungen war der Bahnhof Brokstedt bis 20.30 Uhr gesperrt. Danach fuhr der betroffene Zug nach Neumünster – dort sicherten Ermittler weiter Spuren.

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