Schleier-Verbot

"Der Islam schreibt keine Burka vor"

Foto: Die Debatte um das Schleier-Verbot an der Kieler Uni wird in muslimischen Gemeinden kritisch gesehen. 

Die Debatte um das Schleier-Verbot an der Kieler Uni wird in muslimischen Gemeinden kritisch gesehen.

Kiel. "Der Fall an der Uni ist ein Einzelfall – und sollte auch als solcher betrachtet und gelöst werden", sagt der Imam der weltweit größten Religionsgemeinschaft "Ahmadiyya Muslim Jamaat". Der Prediger der Habib Moschee in Kiel spricht von einer gefährlichen Symbolpolitik. "Wir reden doch von einem Fall, bei dem eine Studentin mit einer Niqab zu einem Tutorium erschienen ist. Grundsätzlich ist eine Vollverschleierung aber eine Ausnahme", betont Ghaman und fragt: "Wie kann angesichts dieses Falls eine politische Diskussion darüber entflammen, dass Burka und Niqab an den Schulen verboten werden sollen?" Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hatte am Mittwoch eine Gesetzesinitiative gegen das Tragen von Gesichtsschleiern an Schulen angekündigt.

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Kein einziger Fall an Schulen

Der Imam betont, selbst mit Kollegen anderer muslimischer Gemeinden in Schleswig-Holstein gesprochen zu haben. „Niemandem war auch nur ein Fall bekannt, dass es in einer der 800 Schulen im Land einen vergleichbaren Fall gegeben hat.“ Entsprechend sei ein Verbot nicht nur übereilt, sondern unnötig und vor allem gefährlich. „Die politische Diskussion bietet doch Raum dafür, dass sich noch mehr Menschen aus der Mitte der Gesellschaft in ihren Vorurteilen über den Islam bestätigt fühlen und nach rechts rücken“, warnt der Geistliche.

Vollverschleierung nicht im Koran vorgeschrieben

Deutlich stellt der Imam aber heraus, dass Vollverschleierung theologisch nicht hinterlegt und dieses „Extrem“ entsprechend auch nicht vorgeschrieben sei. Anders sieht es im Koran aus, wenn es um die Verhüllung von Haaren, Hals, Kinn und Brust aus: „Die weiblichen Reize sollen bedeckt sein und ein Großteil muslimischer Frauen folgt diesem religiösen Bild auch“, sagt Ghaman. Seiner Meinung nach könnte die Diskussion um die Unterdrückung von Frauen im Islam wieder aufflammen: „Es wäre fatal, wenn bei Menschen im Hinterkopf bei jeder Begegnung mit einer Frau, die ein Kopftuch trägt, der Gedanke aufkeimt, dass sie dazu gezwungen wird.“ Grundsätzlich sei es wichtig, in einer offenen Gesellschaft auch kontroverse Diskussionen zu führen. „Dabei sollte man aber miteinander sprechen – und nicht übereinander“, fordert der Kieler Imam.

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"Muslime müssen klare Haltung zeigen"

Die frühere Migrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özoguz sieht eine Mitverantwortung der Muslime in Deutschland an der laufenden Debatte. „Bedauerlicherweise haben die Moscheen in den letzten Jahren keine klare Haltung zur Verschleierung erarbeitet“, sagte die Sozialdemokratin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Sie rief die islamischen Gemeinden auf, das zu ändern. „Es wäre sicherlich hilfreich, wenn es von ihrer Seite Empfehlungen gäbe, auf eine solche, über das gewöhnliche Kopftuch hinausgehende Verschleierung in Deutschland zu verzichten.“

Das Verschleierungsverbot an der Uni Kiel bezeichnete sie als „grundsätzlich akzeptabel“. Es lasse gläubigen Frauen „die Freiheit, ein Kopftuch zu tragen und so ihre Religion nach ihren Vorstellungen auszuleben“, sagte die SPD-Politikerin. Das Verbot auf alle Schulen auszudehnen, ohne dass dort konkrete Fälle oder Konflikte vorliegen, müsse aber „eher als Versuch einer politischen Profilierung verstanden werden“.

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