Atomkraft

Deutschland sucht ein Endlager

Foto: Wo sollen die insgesamt 1900 Castorbehälter mit den abgebrannten, hochradioaktiven Brennelementen untergebracht werden?

Wo sollen die insgesamt 1900 Castorbehälter mit den abgebrannten, hochradioaktiven Brennelementen untergebracht werden?

Kiel. Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) hatte vorab von einem Prozess gesprochen, "der Gesellschaft und Politik enorm fordern wird". Auch wenn es den Organisatoren nach eigenem Bekunden darum geht, größtmögliche Transparenz walten zu lassen und den Bürgern Ängste zu nehmen, ist nicht nur Schleswig-Holsteins Umweltminister, dem bekennenden Atomgegner, schon jetzt sonnenklar: „Je konkreter die Suche nach einem Endlager wird, desto härter werden die Diskussionen.“

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Ein Besucher äußerte sich beim Info-Abend skeptisch. „Sie werden zwölf Jahre suchen, und dann gibt es einen Standort – aber der ist politisch nicht durchsetzbar.“ Ein anderer fühlte sich an die ägyptischen Pyramiden erinnert. Archäologen, die die Grabstellen Jahrtausende später öffneten, traf der Fluch des Pharaos. Genauso könnte es späteren Generationen mit dem Atomendlager gehen.

1900 Castorbehälter sind unterzubringen

In Gorleben als möglichen Standort hatte jahrzehntelang eine Schlacht von Atomkraftgegnern mit Polizei und Stromindustrie getobt. Inzwischen hat die Politik die Reset-Taste gedrückt. Gesucht wird ein Ort, der nach plausiblen geologischen und anderen klar definierten Kriterien geeignet erscheint, um die 1900 Castorbehälter eine Million Jahre sicher aufzubewahren. Mindestens. Als geologische Formationen kommen Salz, Ton und kristallines Gestein wie Granit in Betracht; als Ausschlusskriterien gelten mögliche Erdbeben, Vulkanismus und vorhandene Bergwerksstrukturen.

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Experten sprechen von einer „weißen Landkarte“: Kein Standort werde von vornherein ausgeschlossen – noch nicht einmal Gorleben, auch nicht Schleswig-Holstein. Man stehe zum Prinzip eines bundesweit offenen Suchverfahrens, hieß es gestern im Kieler Umweltministerium. Zwar habe eine Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe 2007 keine geeigneten Standorte für ein Endlager hierzulande aufgezeigt. Das Verfahren würde aber „ad absurdum geführt“, wenn man schon von vornherein einzelne Länder ausschlösse. Die Suche sei im Übrigen eine Bundesangelegenheit.

Ehemaliger Innenminister Studt führt die Bundesgesellschaft

„Wir haben den Anspruch, aus allen 64 Landes- und Bundesbehörden Daten einzusammeln“, sagte Stefan Studt. Schleswig-Holsteins ehemaliger Innenminister leitet seit September 2018 die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), intern nennt man ihn Mister Endlager. Bis zum Spätsommer nächsten Jahres will das BGE gemeinsam mit dem Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) anhand der Aktenlage Regionen identifizieren, die für ein Endlager in Frage kommen. Danach dehnt man die Untersuchungen über- und untertage aus, um sich bis 2031 endgültig auf einen Ort festzulegen. Die Einrichtung soll bis 2050 abgeschlossen sein.

„Die Bundesrepublik befindet sich in der ungewöhnlichen Situation, über eine große Vielfalt an Gesteinsformationen zu verfügen“, sagte BfE-Präsident Wolfram König. Zwar sei es theoretisch möglich, dass am Ende des mehrjährigen Prozesses kein einziger Standort präsentiert werden könne. „Aber die Wahrscheinlichkeit ist gering.“

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