Wohnraum für Ukrainer

Flüchtlinge aus der Ukraine in SH aufnehmen: Was Privatleute beachten sollten

Bislang sind nur wenige Ukrainer in schleswig-holsteinischen Erstaufnahmen wie in Boostedt angekommen. Das Land bereitet sich aber darauf vor, die Kapazitäten wieder hochzufahren, um Kriegsflüchtlinge aufnehmen zu können.

Bislang sind nur wenige Ukrainer in schleswig-holsteinischen Erstaufnahmen wie in Boostedt angekommen. Das Land bereitet sich aber darauf vor, die Kapazitäten wieder hochzufahren, um Kriegsflüchtlinge aufnehmen zu können.

Kiel. Weil der Krieg viele Ukrainer und Ukrainerinnen aus ihrem Land treibt, werden in den kommenden Wochen wohl auch viele Menschen in Schleswig-Holstein Zuflucht suchen. Schon jetzt formieren sich Initiativen, um sie privat unterzubringen.

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Zuständig für die Aufnahme von ukrainischen Geflüchteten ist grundsätzlich das Landesamt für Zuwanderung und Flüchtlinge. Aber: „Wir haben eine ganz andere Situation als vor einigen Jahren, als viele Syrer hierher kamen. Die Ukrainer können visumsfrei einreisen und dann im Grunde unterkommen, wo sie wollen“, erklärt Martin Link vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein.

In der Regel fänden diese Menschen bei Freunden und Verwandten eine Anlaufstelle. Andere wären aber möglicherweise dankbar für private Unterkünfte.

„Ich finde es einen echten Akt der Nächstenliebe, dass solche Angebote gemacht werden“, sagt Schleswig-Holsteins Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU). „Wir können aufgrund der unklaren Lage allerdings noch nicht sagen, ob und wenn ja in welchem Umfang von diesen Angeboten Gebrauch gemacht werden wird.“

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Wohnraum für Flüchtlinge in SH: An wen muss ich mich wenden, wenn ich eine Unterkunft anbieten möchte?

Wer privaten Wohnraum für die Unterbringung ukrainischer Flüchtlinge zur Verfügung stellen will, soll sich laut Innenministerium zunächst bei seiner Gemeinde melden. Dem Flüchtlingsrat zufolge ist die örtliche Ausländerbehörde der richtige Ansprechpartner.

Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen und der Grundeigentümerverband Haus & Grund Schleswig-Holstein haben bereits Vermieter dazu aufgerufen, freie Kapazitäten an die Wohnämter zu melden. So könnte die Verwaltung bei Bedarf möglichst schnell die Menschen verteilen. Die Behörden prüfen vorab, ob die Wohnung oder das Zimmer geeignet ist, und ob die Miethöhe tragbar ist.

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Zudem gibt es bereits Plattformen wie das Elinor-Netwerk, das für kurzfristige Hilfe in Zusammenarbeit mit der GLS Bank, der Suchmaschine Ecosia und der Spendenplattform betterplace.org eine deutschlandweite Bettenbörse ins Netz gestellt hat. Dort waren bis Montagnachmittag bereits 69 175 freie Schlafplätze registriert.

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Was sollte ich bedenken, wenn ich jemanden aufnehmen will?

Link warnt davor, zu naiv oder mit überhöhten Erwartungen an das gemeinsame Wohnen herangehen. "Es ist nicht ganz unkompliziert, Flüchtlinge bei sich aufzunehmen, weil damit ein gewisser Betreuungsaufwand einhergeht. Dessen sollte man sich bewusst sein", sagt Link. Die Neuankömmlinge bräuchten Hilfe bei der Orientierung: Wo kann ich Sozialhilfe beantragen? Wie bekomme ich eine Arbeitserlaubnis? Das seien nur einige Beispiele. "Wir empfehlen deswegen sehr, vorher den Kontakt zu Migrationsberatungsstellen zu suchen, um gleich gut vernetzt zu starten."

Bedenken sollten Hilfsbereite auch, dass sie nicht wissen, was die Flüchtlinge unterwegs erlebt haben. „Der Fluchtweg war zum Teil mit großen Entbehrungen verbunden und Familien wurden zerrissen, was zu erheblichen Traumatisierungen führen kann.“ Deshalb sei es ratsam, sich über Fachdienste zu informieren, die in solchen Fällen helfen können.

Wie lange dürfte ein Ukrainer legal bei mir bleiben?

Laut Ministerium können ukrainische Staatsangehörige für einen vorübergehenden Aufenthalt in Deutschland einreisen, ohne zuvor ein Visum zu beantragen, wenn sie über einen biometrischen Pass verfügen und hier keine Erwerbstätigkeit aufnehmen. Ihr Aufenthalt wäre dann vorerst auf 90 Tage begrenzt.

„Den Ausländerbehörden wurde darüber hinaus Ende vergangener Woche mitgeteilt, dass aufgrund der Lage in der Ukraine der Aufenthalt auch über diese 90 Tage hinaus verlängert werden kann, ohne dass eine Erstaufnahmeeinrichtung aufgesucht werden muss“, so ein Sprecher des Ministeriums.

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Soll allerdings ein Asylantrag gestellt werden, muss eine Erstaufnahme angesteuert werden.

Wie bereitet sich das Land Schleswig-Holstein auf Flüchtlinge aus der Ukraine vor?

„Bislang ist seit dem Beginn des Angriffes auf die Ukraine ein ukrainischer Staatsbürger in einer Landesunterkunft angekommen – in den Tagen davor waren es fünf“, sagt Ministerin Sütterlin-Waack. Die Landesregierung arbeite derzeit daran, die Erstaufnahmekapazitäten „lageangepasst“ jederzeit aufstocken zu können.

Im Januar waren in den Einrichtungen in Neumünster und Bad Segeberg ohnehin mehr als die Hälfte der Plätze frei. In Boostedt waren zwar zuletzt nur 74 von aktuell 500 zur Verfügung stehenden Plätzen nicht belegt, wenn der Betrieb hochgefahren würde, hätte die Erstaufnahme aber maximal Kapazitäten für 1150 Flüchtlinge. Auch in Rendsburg ist die Belegung zwar derzeit hoch, aber es werden nur 600 von maximal 1000 Plätzen betrieben. „Selbstverständlich werden darüber hinaus Reserven geprüft“, so das Ministerium.

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