Juristen zu Wolf GW 924:

Gesetz gibt einen Abschuss nicht her

Foto: Noch kann sich der Wolf GW 924 frei bewegen wie dieser Wolf in Niedersachsen. Sollte sich bestätigen, dass GW 924 mindestens zweimal Schafe hinter ausreichend stromführenden Schutzzäunen gerissen hat, droht dem jungen Rüden aus Dänemark der legale Abschuss.

Noch kann sich der Wolf GW 924 frei bewegen wie dieser Wolf in Niedersachsen. Sollte sich bestätigen, dass GW 924 mindestens zweimal Schafe hinter ausreichend stromführenden Schutzzäunen gerissen hat, droht dem jungen Rüden aus Dänemark der legale Abschuss.

Kiel. Almuth Hirt war Vorsitzende Richterin des Bayerischen Obersten Landesgerichts und hat unter anderem einen grundlegenden Kommentar zum Tierschutzgesetz mitverfasst. Auch im Ruhestand schreibt sie Stellungnahmen und Gutachten in Tierschutzrechtsfragen. Unstrittig ist: Der Wolf ist eine besonders geschützte Art. Damit ist es laut Bundesnaturschutzgesetz verboten, ihm nachzustellen, ihn zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Davon darf nur im Ausnahmefall abgewichen werden – etwa, um erhebliche landwirtschaftliche oder sonstige erhebliche wirtschaftliche Schäden abzuwenden. Doch trifft das auf die Schafsrisse in Schleswig-Holstein zu, die dem Wolf GW 924 angelastet werden?

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Restriktive Bestimmungen

"Schäden, die Hobbyschafhalter durch Wölfe erleiden, scheiden von vornherein aus. Erforderlich sind vielmehr erhebliche Schäden gewerblicher Tierhalter. Ein erheblicher Schaden ist nur ein grundrechtsrelevanter Schaden am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb", erklärt die Juristin, "solch ein Schaden ist anzunehmen, wenn der Betrieb infolge des Artenschutzes schwer und unerträglich betroffen ist, obwohl der Betriebsinhaber alle Anstrengungen unternommen hat, dem entgegenzuwirken." Dies sei nicht erfüllt, wenn bei einer Herde von mehreren Hundert Tieren nur wenige zu Schaden kommen.

Das Problem liegt woanders

Hirt sieht durchaus die schwierige Einkommenssituation der Schafhalter. "Die Politik hätte ihnen mit einer Weidetierprämie längst effektiv helfen können. Das hat man unterlassen." Die Lage der Schafhalter sei jedoch nicht dem Wolf anzulasten. Selbst die Verluste seien relativ: Weitaus mehr Lämmer und Schafen verendeten vorzeitig durch Hunde, Raben, Ertrinken, Krankheiten, unsachgemäße Haltung.

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Jurist droht mit Strafanzeige

Auch der niedersächsische Jurist Christian Berge sieht die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt. "Angesichts von EU-Subventionen und dem Ausgleich jedes gerissenen Schafes durch das Land Schleswig-Holstein sehe ich nicht, dass der Wolf einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden verursacht." Sollte es zum genehmigten Abschuss von Wolf GW 924 kommen, will Berge Strafanzeige gegen Umweltminister Albrecht stellen.

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