Ukraine-Krieg

Initiative „Einfach helfen“: Spendenaktion für Flüchtlinge geht in zweite Runde

Sie wollen geflüchteten Menschen aus der Ukraine helfen (von links): Michael Saitner (Paritätischer), Erk Westermann-Lammers (IBSH), Landtagspräsidentin Kristina Herbst, Hartmut Winkelmann (Kieler Kaufmann), Irene Johns (Kinderschutzbund), Sven Fricke (Kieler Nachrichten) und Oliver Stolz (Sparkassen- und Giroverband).

Sie wollen geflüchteten Menschen aus der Ukraine helfen (von links): Michael Saitner (Paritätischer), Erk Westermann-Lammers (IBSH), Landtagspräsidentin Kristina Herbst, Hartmut Winkelmann (Kieler Kaufmann), Irene Johns (Kinderschutzbund), Sven Fricke (Kieler Nachrichten) und Oliver Stolz (Sparkassen- und Giroverband).

Kiel. Wenn freitagvormittags im Kinderhaus „Blauer Elefant“ des Kinderschutzbunds Kiel ukrainische Frauen mit ihren Jüngsten zum Friedenscafé kommen, wird es wuselig. „Dann spielen und krabbeln hier manchmal 30 Kinder“, berichtet Angela Deutsch-Bunkenburg, die als Russisch-Dolmetscherin im Projekt mitarbeitet. Zwischen 9.30 und 12 Uhr bekommen die vor dem Krieg geflüchteten Frauen hier ein kostenloses Frühstück und können sich austauschen. Das Friedenscafé ist eines von 19 Projekten für Flüchtlinge, das durch die Initiative „Einfach helfen SH“ unterstützt wird. Die Spendenaktion geht nun in die zweite Runde.

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„Wir haben das Friedenscafé als Anlaufstelle für Mütter und Kinder im März innerhalb von drei Tagen und Nächten auf die Beine gestellt“, sagt Katharina Handt, die beim Kinderschutzbund Kiel den Bereich des Ehrenamts und der Familienpaten leitet. „Von Beginn an hatten wir immer 15 Frauen mit ihren Kindern zu Gast, und es kommen immer wieder neue dazu.“

Flucht aus der Ukraine: Frauen kommen mit Alltagsfragen und seelischen Nöten ins Friedenscafé

Die Mütter können hier ihre Erfahrungen austauschen und erhalten Unterstützung bei Alltagsfragen. „Wie bekomme ich eine Krankenkassenkarte? Was steht in dem seitenlangen Schreiben vom Jobcenter?“ Das seien Fragen, mit denen die Frauen auf sie zukämen, sagt Deutsch-Bunkenburg. „Ein großes Thema ist Kinderbetreuung und wie sich die Kinder in der Schule integrieren“, so Handt. „Uns begegnet viel Wissbegierde.“ Die Gespräche drehen sich auch um Heimweh oder die Sehnsucht nach dem Partner, der im Kampfgebiet zurückblieb.

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Am meisten berührt habe es sie im März, als Mütter im Friedenscafé eintrafen, die unmittelbar aus dem Kriegsgebiet stammten. „Sie kamen direkt aus dem Bus, so wie sie im Kriegsgebiet losgefahren sind, mit all ihren Sachen. Darauf war ich nicht vorbereitet.“

Fünf bis sechs Personen betreuen das Friedenscafé. Darunter ist eine pädagogische Fachkraft, die sich um die Kinder kümmert, und eine Kinderkrankenschwester, die Mütter berät und mit Hygieneartikeln für ihre Kleinkinder versorgt. Auch der Weg zu psychologischer Unterstützung oder Arztpraxen wird durch gute Vernetzung leicht gemacht. „Die Kinder sind nicht alle so medizinisch versorgt, wie wir uns das vorstellen“, sagt Kinderärztin Amrey Stübinger. Die Zahl der Flüchtlinge nehme derzeit wieder zu, so ihre Beobachtung.

Die Initiatorin des Friedenscafés Katharina Handt (Mitte) mit den ehrenamtlichen Helferinnen Angela Deutsch-Bunkenburg (links, Dolmetscherin) und Amrey Stübinger (Kinderärztin).

Die Initiatorin des Friedenscafés Katharina Handt (Mitte) mit den ehrenamtlichen Helferinnen Angela Deutsch-Bunkenburg (links, Dolmetscherin) und Amrey Stübinger (Kinderärztin).

"Als der grausame Krieg in der Ukraine startete, war uns gleich klar, dass geholfen werden muss, und zwar schnell", sagt Erk Westermann-Lammers, Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank Schleswig-Holstein. Sein Haus hatte mit dem Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein, dem Paritätischen Wohfahrtsverband und dem Kinderschutzbund im Frühjahr "Einfach helfen SH" ins Leben gerufen. Innerhalb kurzer Zeit sei über die Spendenplattform "Wir bewegen SH" eine "sagenhafte Summe" von 180 000 Euro zusammengekommen. Das Geld fließt derzeit in 19 Projekte in ganz Schleswig-Holstein.

Landtagspräsidentin Kristina Herbst (CDU) dankte den Initiatoren und den vielfach ehrenamtlichen Kräften in den Projekten. „Es ist toll zu sehen, was diese Initiative binnen kürzester Zeit auf die Beine gestellt hat.“ Umso wichtiger sei es, weiterhin Zeichen der Mitmenschlichkeit und Solidarität zu setzen und geflüchteten Menschen zu helfen.

Weil dafür nach wie vor Spenden gebraucht werden, wird die Aktion mit einer eigenen Webseite www.einfachhelfen.sh fortgeführt. "Sie können einfach helfen, also bitte tun Sie es auch", appelliert Irene Johns, Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes. "Wir sehen akute Belastungen durch Kriegsfolgen: Mütter und Kinder, die mit seelischen Problemen zu uns kommen." Michael Saitner vom Paritätischen betont, dass Anlass des Engagements zwar der Krieg in der Ukraine sei, aber Geflüchtete aus anderen Ländern gleichermaßen von Angeboten profitierten.

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Initiative „Einfach helfen“: Kieler Nachrichten unterstützen das Projekt mit anderen Zeitungsverlagen

Der Initiative haben sich für die zweite Runde die Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern des Landes sowie die Kieler Kaufmannschaft angeschlossen. „Es ist selbstverständlich, dass sich die Wirtschaft hinter so eine tolle Initiative stellt“, so Hartmut Winkelmann, Präses des Wirtschaftsklubs Kieler Kaufmann.

„Schleswig-Holstein steht zusammen und hilft mit Herz – das ist ein starkes Signal, das wir gerne unterstützen und vermitteln wollen“, sagt Sven Fricke, Geschäftsführer der Kieler Nachrichten. Alle Zeitungsverlage im Land unterstützen das Spendenprojekt gemeinsam.

Ziel sei es, weiterhin „unbürokratisch und professionell“ helfen zu können, sagt Oliver Stolz, Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes. „Trotz aller Probleme und Herausforderungen, die auch wir zu bewältigen haben, hoffe ich weiterhin auf die Hilfs- und Spendenbereitschaft der Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner.“ Jeder Betrag, sei es auch ein kleiner, helfe.

Spenden für „Einfach helfen“ So geht’s

Initiative "Einfach helfen": Wer spenden möchte, kann dies unter www.einfachhelfen.sh tun oder den gewünschten Betrag auf das folgende Spendenkonto überweisen. Kontoinhaber: Paritätischer Wohlfahrtsverband Schleswig-Holstein e.V. IBAN: DE81 2105 0170 1004 3193 39. Verwendungszweck: Spende

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