Betrugsvorwurf

Innsbrucker Universität prüft Plagiatsvorwürfe gegen Kieler Staatssekretär Carstens

Justizstaatssekretär Otto Carstens (CDU), steht im Foyer des schleswig-holsteinischen Landtags. Die Universität Innsbruck prüft nach seinen Angaben Plagiatsvorwürfe gegen ihn im Zusammenhang mit seiner Dissertation.

Justizstaatssekretär Otto Carstens (CDU), steht im Foyer des schleswig-holsteinischen Landtags. Die Universität Innsbruck prüft nach seinen Angaben Plagiatsvorwürfe gegen ihn im Zusammenhang mit seiner Dissertation.

Kiel. Die österreichische Universität Innsbruck prüft Plagiatsvorwürfe gegen den schleswig-holsteinischen Justiz-Staatssekretär Otto Carstens im Zusammenhang mit dessen Dissertation. Der CDU-Politiker bestätigte in einer Erklärung einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung. Der 41-Jährige ist Doktor der Rechtswissenschaften.

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Carstens weist Vorwürfe von sich

Carstens hatte im Jahr 2010 über die Funktionsweisen europäischer Politikgestaltung promoviert. Der Journalist und Plagiatsforscher Jochen Zenthöfer nennt die Qualität der Doktorarbeit in dem Blatt „katastrophal“. Seinen Untersuchungsergebnissen zufolge soll Carstens seitenweise ohne Kennzeichnung Passagen aus dem Online-Lexikon Wikipedia übernommen haben. Dabei gehe es um die Zusammenfassungen verschiedener Partei-Wahlprogramme. „Auch aus einer anderen Doktorarbeit schreibt er ab, ohne diese zu nennen“, so der Vorwurf.

„Ich habe meine Dissertation nach bestem Wissen verfasst. Deswegen habe ich auch die erste Presseanfrage zum Anlass genommen, mich an die Universität Innsbruck zu wenden und habe diese über die in Rede stehenden Vorwürfe informiert“, sagt Carstens. „Die Universität hat daraufhin umgehend das für Plagiatsvorwürfe übliche Verfahren eingeleitet und überprüft meine Dissertation.“ Das laufende Verfahren sei noch nicht abgeschlossen.

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Carstens leitete noch bis vor Kurzem das Dezernat für Bauen, Umwelt und Recht in der Kreisverwaltung Steinburg und ist erst seit wenigen Wochen als Justiz-Staatssekretär Teil der neu aufgestellten Landesregierung von Daniel Günther (CDU).

Daran sollen die Plagiatsvorwürfe nichts ändern. Carstens habe sofort die Initiative zur Aufklärung ergriffen. Es bleibe nun abzuwarten, was die Prüfung der Universität ergebe, heißt es vom Regierungssprecher auf Anfrage.

Prominente Politiker stolperten über Abschreibeverdacht

Den Posten als Staatssekretär könnte der Carstens natürlich auch ohne Doktortitel bekleiden, nicht selten sind Politiker in der Vergangenheit allerdings über Plagiatsaffären gestolpert, weil sie ihre Glaubwürdigkeit zu stark ankratzten. Prominentestes Beispiel ist Ex-Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der 2011 wegen seiner passagenweise abgeschriebenen Dissertation zurücktreten musste.

Nach wochenlangen Diskussionen über die Aberkennung ihres Doktortitels hörte Franziska Giffey (SPD) im vergangenen Jahr als Bundesfamilienministerin auf. Ihr gelang schnell ein politisches Comeback als Berlins Bürgermeisterin.

Diesen Mai geriet der frisch angetretene CSU-Generalsekretär Martin Huber unter Abschreibeverdacht. Er ist noch im Amt, auch hier hatte Plagiatsforscher Zenthöfer mit seinen Aufdeckungen die Untersuchungen angestoßen.

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