Juckende Hautkrankheit

Krätze im Norden auf dem Vormarsch

Foto: Wer an der Krätze erkrankt ist, klagt über massiven Juckreiz.

Wer an der Krätze erkrankt ist, klagt über massiven Juckreiz.

Kiel. Seit etwa drei Monaten würden auffallend mehr Patienten in die Praxen kommen und über kaum stillbaren Juckreiz klagen. „Besonders an den Fingern, den Händen, an den Füßen und im Leistenbereich tritt die Krätze auf, die Haut ist sichtbar gerötet und juckt stark“, berichtet Maurer.

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Krätzmilbe ist nur 0,2 Millimeter groß

Auslöser der Hauterkrankung ist die sogenannte Krätzmilbe. Der nicht einmal einen halben Millimeter große Parasit befällt bevorzugt die Regionen des menschlichen Körpers, an denen die Haut dünn und warm ist. Die Spinnentiere bohren sich in die obere Schicht der Haut, graben dort Gänge an und legen ihre Eier ab. „Ausgelöst wird der starke Juckreiz durch das menschliche Immunsystem“, beschreibt Maurer. Kleine Bläschen, rötliche Knötchen und die Muster der Gänge gelten als weitere Anzeichen der Krätze, die von Medizinern Scabies genannt wird. Maurer mahnt erkrankte Schleswig-Holsteiner vor falscher Scham: „Jeder kann sich mit der Krätze infizieren, mit mangelnder Hygiene hat eine Ansteckung nichts zu tun.“

Infektion entsteht durch Hautkontakt

Am häufigsten tritt die Krätze laut Prof. Helmut Fickenscher, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel, dort auf, wo Menschen längere Zeit enger zusammen sind beziehungsweise gemeinsam leben. Vor allem in Kindertagesstätten, Alten- und Pflegeheimen oder Gemeinschaftsunterkünften sei das Risiko einer Infektion hoch. Mitunter reicht bereits ein intensives Händeschütteln für eine Ansteckung aus. Eine Übertragung ist allerdings auch indirekt über Kleidung, Handtücher oder Bettwäsche möglich. 300 Fälle seien den Gesundheitsämtern im Norden 2017 gemeldet worden. Der Experte geht aber von einer hohen Dunkelziffer aus.

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Deutlich mehr Medikamente gegen Krätze verschrieben

Eine Einschätzung, die Jens Kuschel von der AOK Nordwest in Kiel, teilt. Er sagt: „Die Anzahl von Medikamenten-Verordnungen für alle gesetzlich Krankenversicherten in Schleswig-Holstein, die bei der Behandlung von Krätze eingesetzt wurden, stieg allein im vergangenen Jahr um 84 Prozent im Vergleich zu 2016.“ Konkrete Fallzahlen gibt es nicht, laut Kuschel werden aber „vermutlich einige tausend Patienten in Schleswig-Holstein“ unter Krätze-Symptomen leiden.

Eine Erklärung für die Entwicklung haben Experten nicht. „Grundsätzlich ist die öffentliche Aufmerksamkeit höher als noch vor ein paar Jahren“, sagt Fickenscher. Mit der Flüchtlingskrise habe die Zunahme von Fällen nichts zu tun. „Allerdings gehört zur Wahrheit auch dazu, dass es bei Schutzsuchenden Fälle gibt, die sich aufgrund der katastrophalen hygienischen Bedingungen während der Flucht mit der Scabies infiziert haben“, erläutert der Experte.

Medikamentös ist die Krätze mit speziellen Cremes und Tabletten zu behandeln. „Wichtig ist, nach entsprechender Diagnose die Kleidung, Handtücher und Bettwäsche täglich zu wechseln und bei 60 Grad zu waschen“, rät AOK-Sprecher Kuschel.

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