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Besuch bei Hof Steffen in Muxall

Lange Trockenphase in Schleswig-Holstein besorgt die Landwirte

Landwirt Bernd Steffen zeigt eine kleiner geratene Sommerweizenpflanze – eine Folge des trockenen Aprils.

Landwirt Bernd Steffen zeigt eine kleiner geratene Sommerweizenpflanze – eine Folge des trockenen Aprils.

Muxall/Kiel. Von Weitem sehen die jungen Sommerweizen-Pflanzen grün und gesund aus. Der Bestand auf dem Feld von Hof Steffen in Muxall (Kreis Plön) wirkt dicht. Bernd Steffen (56) aber erkennt hier die ersten Folgen der wochenlangen Trockenheit im April. Dabei meint er nicht nur die vielen kleinen Risse, die die obersten Schichten des tiefbraunen sandigen Lehmbodens durchziehen. Der Landwirt greift sich eine der Pflanzen, zieht sie samt Wurzelballen mit einem sanften Ruck aus dem Boden. Auf der Handfläche zählt er die starken Triebe.

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Weizen und Gerste zeigen erste Folgen des trockenen Aprilwetters

Aus einem Korn seien etwa vier bis fünf Triebe gekommen, wo am Ende Ähren wachsen können. Unter besseren Bedingungen aber könne die Pflanze sechs bis sieben ährentragende Halme ausbilden. „Der Bestand hat sich durch den trockenen April nicht so stark entwickeln können“, berichtet Steffen. Die Pflanzen sind nun etwas magerer. Das zeigt sich auch bei der Winter-Gerste: „Auch hier ist der Bestand dünner als normal.“

Risse im sandigen Lehmboden auf dem Weizenfeld von Bernd Steffen zeugen von der wochenlangen Trockenheit im Frühjahr.

Risse im sandigen Lehmboden auf dem Weizenfeld von Bernd Steffen zeugen von der wochenlangen Trockenheit im Frühjahr.

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Der Betrieb von Bernd Steffen ist in der Region für sein Rind- und Schweinefleisch, für seinen Partyservice und den Australien-Stand auf dem Internationalen Markt der Kieler Woche bekannt. Aber Steffens Familienbetrieb bewirtschaftet nach eigenen Angaben mit seinen insgesamt 40 Mitarbeitern auch 143 Hektar Ackerland und 18 Hektar Grünland. Raps, Weizen, Gerste, Hafer und Ackerbohnen baut er an. Aus den hofeigenen Erträgen von Gerste, Weizen und Rapsschrot füttert der Landwirt seine rund 600 Schweine, dazu kommt der Rinderstall. Das übrige Getreide wird vermarktet. Den meisten Umsatz – im Jahr spricht er von insgesamt rund fünf Millionen Euro – erwirtschafte er mit dem Fleisch, erklärt Steffen; die Landwirtschaft trage mit zehn Prozent dazu bei.

Vor zwei Monaten hatten die Steffens, allen voran Sohn Christopher (30), der für den Ackerbau zuständig ist, den Sommer-Weizenbestand ausgesät. „Es hat etwas gedauert, bis er rauskam“, erinnert sich der Vater. Dann kam der trockene April. Wenn es gut läuft, wenn das Wurzelwerk noch intakt ist, könnten die Pflanzen die Folgen der Trockenheit durch kräftigere Ähren ausgleichen. „Dann ist der Ertragsverlust vielleicht nicht bei 20 Prozent, sondern bei fünf Prozent, wenn wir ernten“, sagt Vater Bernd Steffen.

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Im Juli geht es schon los: Erst Gerste und Raps, im August folgt der Weizen. Eine wichtige Phase also, in der viel vom Wetter abhängt. Bis zum letzten Tag. Ertragseinbußen auch durch Krankheiten wollen die Landwirte so gering wie möglich halten – gerade jetzt, wo sich die Preise für Raps und Weizen, auch unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs, verdoppelt, geradezu erhitzt hätten. Pro Hektar Weizen könne er nun 4000 Euro erwirtschaften, so Bernd Steffen, vor wenigen Monaten war es noch die Hälfte. Selbst bei den stark gestiegenen Kosten für Dünger, Diesel und Co. könne er als Landwirt zurzeit „gut verdienen“.

Landwirtschaftskammer SH: Bei zu viel Trockenheit wechseln Pflanzen in den Stressmodus

Einbußen drohen bei zu viel Nässe, aber eben auch bei zu großer Trockenheit. Und die nimmt gerade im Frühsommer zu. Das berichten Meteorologen, das wissen auch die Landwirte. Auf den leichten Boden-Standorten im Land zeigten sich erste Trockenschäden, weniger auf den „guten“ Marschböden in Ostholstein, sondern besonders im Lauenburgischen und auf der Geest, am Mittelrücken, bei Neumünster, berichtet Daniela Rixen von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Am Anfang beginnen demnach die Pflanzen im Stressmodus ihre Ertragsanlagen zu reduzieren. Beim Raps bedeute das etwa, dass es weniger Triebe gebe und nicht alle Blüten zu Schoten ausgebildet würden.

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Leuchtend gelb: Mit der Rapsblüte ist Landwirt Bernd Steffen in diesem Jahr zufrieden. Wie der Ertrag am Ende aussieht, hängt auch vom weiteren Wetter ab.

Leuchtend gelb: Mit der Rapsblüte ist Landwirt Bernd Steffen in diesem Jahr zufrieden. Wie der Ertrag am Ende aussieht, hängt auch vom weiteren Wetter ab.

Der Raps in Muxall im Kreis Plön leuchtet noch kräftig gelb. Doch die Hauptblüte ist schon vorbei. Auf seinen Feldern kurz vor den Toren Kiels deutet Bernd Steffen unterhalb der Blüten auf die kräftigen grünen Triebe. „Der Bestand hier sieht gut aus. Aber was man nicht weiß, bei längerer Trockenheit: „Wie groß sind die Körner? Wiegt ein Korn am Ende zwei oder vier Gramm?“

Lange Trockenphasen – das steckt dahinter

Vorerst ist kein Landregen in Schleswig-Holstein in Sicht. Das sagt der Meteorologe Sebastian Wache von der Kieler „Wetterwelt“. Etwas Hoffnung auf Regen habe er für Montag und Dienstag, wenn das Hoch nach Skandinavien entwischt: „Da deutet sich ein Tiefdruckeinfluss aus Frankreich an.“ In welcher Intensität Regen zu erwarten sei? Schwer zu sagen, so Wache. Erwartet uns also wieder ein Hitzesommer? Der trockene April in diesem Jahr zeige Parallelen zu 2018 auf, als es langanhaltend sonnig und warm blieb – „ein viel zu trockenes Jahr, bereits im Frühling“, sagt Wache. Ursache waren demnach Hochdruckgebiete, die einander ablösten. Dem Wetterexperten zufolge ist mit weiteren blockierenden Hochdruck-Lagen im Sommer zu rechnen. „Liegen wir unter dem Hoch, bedeutet das lange Zeit Trockenheit, Wärme und Sonne.“ Auch Wetter-Extreme – zu nass, Starkregen, zu kalt – könnten die Folge sein. Wache ist besorgt: „Mittlerweile ist es aus meteorologischer Sicht etwas beängstigend, dass ein Hoch dem nächsten folgt, wir da nur schwer herauskommen. Es sind keine guten Anzeichen für die Zukunft, weil in kürzeren Abständen das Wetter relativ heftig zuschlagen kann.“ Für Wache steht fest: „Weltweit nehmen die Wetterextreme zu, das wird auch uns hier beschäftigen. Die Einschläge kommen näher.“

Der Regen der vergangenen Woche, er kam indes wohl gerade noch rechtzeitig für viele Standorte. Das bestätigt auch Christopher Steffen. Ein wenig durchatmen konnten nicht nur die Pflanzen, sondern auch er selbst. Doch landesweit fiel die Menge sehr unterschiedlich aus. Während man in Muxall zufrieden von 20 Litern pro Quadratmeter spricht, bekamen andere Landesteile deutlich weniger ab. Im Süden des Landes waren lediglich ein bis zwei Liter gefallen. Manche Landwirte im Lauenburgischen beregnen daher schon ihre Felder. Für die Steffens im Kreis Plön ist das noch kein Thema.

Kieler Meteorologe: Landregen vorerst nicht in Sicht

Der Tenor, so Landwirtschaftskammer-Sprecherin Rixen, laute: „Der Regen war schon mal gut. Aber wir brauchen noch mehr davon.“ Langanhaltend und leicht soll er sein. Auch für die Grünlandbestände, die nach dem ersten Schnitt durstig sind und neu wachsen sollen. Doch richtiger Landregen sei vorerst wohl nicht in Sicht, sagt der Kieler Meteorologe Sebastian Wache von der „Wetterwelt“.

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Auch das vergangene Wochenende war überwiegend sonnig – und trocken. Und so bleibt es für die Landwirtfamilie aus Muxall vorerst dabei: Täglich mehrfach überprüfen, wie das Wetter wird. Christopher Steffen gibt zu: „Man ist schon ein bisschen nervös. Die Temperatur ist mir egal. Es geht nur um eins: Regen, Regen, Regen. Lieber zu viel als zu wenig. Und im Moment ist es kurz vor zu wenig.“

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