Manfred Pleus

Polizeiseelsorger in SH: Die Geheimnisse der Polizisten behält er für sich

Der neue katholische Polizeiseelsorger Manfred Pleus (57) ist ledig und hat keine Kinder. Für die Sorgen und Nöte von Polizistinnen und Polizisten will er künftig rund um die Uhr ein offenes Ohr haben.

Der neue katholische Polizeiseelsorger Manfred Pleus (57) ist ledig und hat keine Kinder. Für die Sorgen und Nöte von Polizistinnen und Polizisten will er künftig rund um die Uhr ein offenes Ohr haben.

Kiel. Belastende Situationen wie Tötungsdelikte, Suizide oder schwere Unfälle gehören zum Alltag der Polizisten. Oftmals benötigen die Beamten Hilfe, um diese Geschehnisse zu verarbeiten. Manfred Pleus ist der neue Katholischen Polizeiseelsorger und erzählt im Interview über die Sorge und Nöte der Polizisten.

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Herr Pleus, Sie sind seit längerem als Seelsorger in der Abschiebehaftanstalt in Glückstadt und bei Notfälle im Kreis Pinneberg unterwegs. Fühlen Sie sich durch diese Aufgaben auf Ihren neuen Job als katholischer Polizeiseelsorger gut vorbereitet?

Manfred Pleus: Ja, denn durch diese Arbeit bin ich schon oft mit extrem belastenden Situationen in Berührung gekommen. Immer wieder habe ich Polizisten an Einsatzorten angetroffen, weil Tötungsdelikte, Suizide geschehen waren, oder wir gemeinsam Todesnachrichten überbracht haben. Und auch im Abschiebegefängnis bin ich mit Bediensteten im Gespräch, die Selbstverletzungen und Hungerstreiks erleben. Damit habe ich schon einige Erfahrungen sammeln müssen, wie belastend der Beruf eines Polizisten ist.

Polizisten wenden sich etwa nach schweren Verkehrsunfällen an den Seelsorger

Nach welchen weiteren schwierigen Situationen kommen Polizisten und Polizistinnen zu Ihnen?

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Nach schweren Verkehrsunfällen mit Verletzten und Toten, nach Familiendramen und Schusswaffengebrauch, Vorkommen bei Demonstrationen und Großveranstaltungen. Kein Polizist soll nach solchen Erlebnissen nach Hause gehen, ohne mit jemanden reden zu können. Die Polizei selbst ist so aufgestellt, dass Einsatznachsorgegespräche angeboten werden und auch Psychologen bereitstehen. Es gibt also ein ganzes Paket von Angeboten. Wir Seelsorger sind ein Teil davon.

Wenn es diese Angebote innerhalb der Polizei schon gibt, warum sollten sich die Beamten dann an Sie oder den evangelischen Seelsorger wenden?

Es ist wichtig, dass wir nicht Teil des Systems sind. Wenn sich Beamte an uns wenden, dann haben sie keine Konsequenz zu befürchten. Mir darf man alles erzählen, ich habe keine Verpflichtung zum Beispiel ein Dienstvergehen oder eine Straftat zu melden. Ich unterliege dem Beichtgeheimnis.

Es geht aber auch um kleinere Sorgen, zum Beispiel Knatsch auf der Wache, den man nicht mit Kollegen bereden will, Konflikte in Beziehungen. Oder auch die Bitte um Rat: Wie gehe ich mit dieser Situation um? Ich habe zwar mein Büro bei der Polizeischule in Eutin und bin schwerpunktmäßig für Polizeianwärter da. Aber ich werde auch unterwegs sein und stehe allen Polizisten im Land zur Verfügung. Die Beamten können sich vertraulich an mich wenden; mein Handy ist immer auf laut gestellt. Auch nachts.

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Und wie helfen Sie?

In erster Linie kann man mit mir reden. In der Seelsorge geht es darum, auch einfach nur mal die Hand zu halten und da zu sein, Situationen gemeinsam auszuhalten. Für viele Menschen ist es nicht leicht, sich einen Gesprächspartner zu suchen. Als Seelsorger genießen wir manchmal einen Vertrauensvorschuss: ,Der ist ja dafür da! Mit dem kann ich reden, ohne dass andere es erfahren.’ Manchmal helfen schon diese Gespräche, in anderen Fällen kommt die Person zum Ergebnis, dass professionelle Hilfe gebraucht wird.

Polizeiseelsorger hat selbst häufig schwierige Situationen erlebt

Zuhören kann fast jeder. Was machen Sie, was andere nicht können?

Ich bin kein Psychologe und kein Therapeut. Ich bin Gesprächspartner und habe viel Erfahrung damit, Menschen in Notlagen zuzuhören und darauf zu reagieren. Und ich weiß, wie es ist, mit sehr unschönen Situationen konfrontiert zu werden. Ich sehe häufig verstorbene Menschen und habe schon Blut weggewischt, damit die Angehörigen es nicht mehr sehen mussten oder Leichen umgebettet. Daher kann ich mich ganz gut in die Lage eines Polizisten hineinversetzen. Auch ich suche häufig das Gespräch mit meinen Notfallseelsorgekollegen, wenn ich sehr schwierige Einsätze habe. Und ich kenne auch das Gefühl, in der ein oder anderen Situation mal falsch reagiert zu haben.

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Und was ist Ihre Rolle als Katholik?

Für uns als Seelsorger spielt die Konfession keine Rolle. Die allermeisten Menschen, die sich an mich wenden, sind keine Katholiken, viele sind konfessionslos. Ich missioniere auch nicht, aber wer möchte, mit dem spreche ich ein Gebet oder zünde eine Kerze an. Wir, der evangelische Polizeiseelsorger Christian Kisbye und ich, werden in diesem Jahr erstmalig einen ökumenischen Adventsgottesdienst in Kiel veranstalten und dazu alle Polizisten einladen.

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