Neue LKA-Studie

Polizei schlecht auf Gewalt vorbereitet

Foto: Polizisten wissen selten, was auf sie zukommt. Laut einer neuen Studie fühlen sie sich besonders auf renitente Bürger schlecht vorbereitet.

Polizisten wissen selten, was auf sie zukommt. Laut einer neuen Studie fühlen sie sich besonders auf renitente Bürger schlecht vorbereitet.

Kiel. Die interne "Ursachenanalyse zu Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamte", die KN-Online vorliegt, zeichnet ein erschreckendes Bild: Mehr als die Hälfte der anonym befragten Landespolizisten gaben an, im Einsatz auf alkoholisierte Bürger "eher schlecht" bis "sehr schlecht" vorbereitet zu sein.

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90 Prozent beklagen: Der Respekt ist gesunken

Selbst bei Personen, die nur "emotional aufgebracht" sind, ist die Verunsicherung der Mitarbeiter laut Studie groß: 59 Prozent der Einsatzkräfte beklagten eine unzureichende Vorbereitung. Gegenüber Menschen, die unter Drogen stehen, liegt der Anteil bei 66 Prozent. Die Vorbereitung auf psychisch auffällige Bürger bewerteten 72 Prozent der Polizisten als schlecht. Gleichzeitig gaben mehr als 90 Prozent an, dass der Respekt gegenüber Einsatzkräften in den vergangenen Jahren gesunken sei.

Rückhalt der Vorgesetzten fehlt

Die Polizisten üben allerdings nicht nur Kritik an der Aus- und Fortbildung, auch der Umgang mit Mitarbeitern nach kritischen Einsätzen wird bemängelt. 27 Prozent der Beamten fehlt der Rückhalt der Vorgesetzten. 36 Prozent der Studien-Teilnehmer gaben an, mit den "Einsatznachbesprechungen" unzufrieden zu sein. Häufig fänden Gespräche zwischen Führungskräften und Streifenbeamten nur statt, wenn sich Bürger beschweren würden. Dies empfänden Betroffene als "Vorverurteilung".

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Die Teilnehmer wünschen sich künftig einen offeneren Umgang und das Lernen aus Fehlern. Zugleich sollten Vorgesetzte häufiger die Kollegen nach Einsätzen fragen, "ob alles in Ordnung ist".

Studienleiter empfehlen neues Aus- und Fortbildungskonzept

Als Konsequenz aus der LKA-Analyse, die bislang nur den Behördenleitern der Landespolizei vorgestellt worden ist, wird von den Studienleitern ein Maßnahmenpaket empfohlen. Dazu gehört eine Überarbeitung der Aus- und Fortbildungskonzepte für Einsatzkräfte, die Eröffnung einer zentralen Anlaufstelle für Polizisten, die Opfer von Gewalt geworden sind, und eine Professionalisierung der Mitarbeitergespräche.

Thomas Nommensen von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) mahnt, "zügig und konsequent" die notwendigen Schlüsse aus der Studie zu ziehen. Das Phänomen Gewalt gegen Einsatzkräfte müsse eingedämmt werde.

Bei der Staatsanwaltschaft Lübeck gibt es seit Anfang des Jahres ein eigenes Dezernat für Straftaten gegen Polizeibeamte.

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