Interview

Präsidentin Simone Fulda: Exzellenz-Uni bleibt weiter das Ziel der CAU Kiel

An ihrem Arbeitsplatz im Uni-Hochhaus: Prof. Simone Fulda, seit einem Jahr Präsidentin der CAU Kiel.

An ihrem Arbeitsplatz im Uni-Hochhaus: Prof. Simone Fulda, seit einem Jahr Präsidentin der CAU Kiel.

Kiel. Bei ihrem Amtsantritt im Jahr 2020 wünschte sich Prof. Simone Fulda, dass die CAU Kiel internationaler werden möge. Was ist daraus geworden? Und wie hat die Präsidentin die vergangenen zwölf Monate unter Pandemie-Bedingungen erlebt?

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Frau Prof. Fulda, als Sie vor gut einem Jahr als Präsidentin der Kieler Uni starteten, hatte die Pandemie uns fest im Griff. Hätten Sie damals gedacht, dass mehr als zwölf Monate später Corona noch immer ein so beherrschendes Thema sein würde?

Prof. Simone Fulda: Ich bin ja selbst Medizinerin und als Kinderärztin sehr vertraut mit Infektionskrankheiten. Insofern war mir klar, dass dieses Virus nicht einfach weggefegt wird, sondern dass wir damit irgendwie leben müssen. Wie sich der Verlauf aber konkret gestaltet und dass noch mal so heftige Wellen kommen, das war nicht absehbar – auch für Mediziner nicht. Wir wissen noch viel zu wenig über diesen Erreger.

Uni-Präsidentin Simone Fulda: Vielleicht bin ich manchmal zu ungeduldig

Haben die Einschränkungen durch die Pandemie Sie daran gehindert, das zu schaffen, was Sie sich für das erste Jahr vorgenommen hatten?

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Natürlich bindet Corona viele Kräfte, dadurch ist manches nicht so vorangegangen, wie ich es mir gewünscht hätte. Hinzu kommt, dass ich mir meist ziemlich ambitionierte Ziele setze und dann vielleicht auch manchmal zu ungeduldig bin, weil ich denke, es müsste doch eigentlich schneller vorangehen. Unterm Strich sind wir aber dennoch massiv vorangekommen.

Um mal ein Beispiel zu nennen: Wir haben unser riesiges Fächerspektrum genutzt, um neue Lösungsansätze für globale Herausforderungen zu finden. Daraus entstanden ist etwa eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Geomar und dem Helmholtz-Zentrum Hereon in der Küsten- und Meeresforschung, einem sehr wichtigen Themenbereich für unser Land.

Substanziell weitergekommen sind wir auch im Bereich digitale Bildung, unter anderem weil wir noch enger mit unseren Partnern im Land wie etwa dem Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik hier in Kiel zusammenarbeiten.

„Wir haben festgestellt, dass wir auch digital mobil sein können“

Bei Ihrem Antritt haben Sie sich gewünscht, die Uni möge internationaler werden. Gibt es da Fortschritte?

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Oh ja, beträchtliche. Für unser Selbstverständnis als Netzwerk-Uni ist Internationalität besonders wichtig. Darum haben wir zum Beispiel unsere Aktivitäten in der Europäischen Hochschulallianz SEA EU, der Universität der Meere, stark vorangetrieben. Über dieses Projekt, in dem Hochschulen aus sechs Ländern zusammenarbeiten, können wir unsere internationalen Beziehungen in Forschung und Lehre ausbauen, aber auch den Austausch unter den Studierenden.

Aber wie geht das unter Corona-Bedingungen?

Ziemlich gut. Wir haben festgestellt, dass wir auch digital mobil sein können. Nicht alles muss in Präsenz stattfinden, Vorbereitungskurse für Studierende etwa vor einem Auslandsaufenthalt lassen sich auch problemlos per Video abhalten. Das ist nur ein Beispiel für viele neue digitale Formate, die wir entwickelt haben.

An der Uni Kiel: Intelligente Kombination von digitaler Lehre und Präsenzlehre

Das klingt, als hätte die Pandemie auch Nützliches hervorgebracht...

Zumindest die Digitalisierung ist durch Corona in der Tat enorm beschleunigt worden. Erzwungenermaßen haben wir in so vielen Bereichen auf digitale Wege umgeschaltet, dass einiges jetzt klimaschonender ablaufen kann, weil wir beispielsweise viel weniger reisen als vor Corona. Vieles davon wird bleiben, wir werden, wenn die Pandemie eines Tages vorbei ist, eine intelligente Kombination von digitaler und Präsenzlehre haben.

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Die CAU möchte 2026 zur Exzellenz-Uni gekürt werden – warum ist das so wichtig?

Eine Hochschule, die Exzellenz-Uni wird, hat zum einen Zugriff auf finanzielle Förderung sowohl für Spitzenforschung als auch für die gesamte Uni. Zum anderen wirkt sich der Titel Exzellenz-Uni auch sehr positiv auf die Reputation der Hochschule aus, was dabei hilft, die besten Köpfe nach Kiel zu holen. Beides dient demselben Ziel: Wir wollen die CAU in ihrer Gesamtheit weiterentwickeln.

Simone Fulda: „Wir können Innovationen in unserem Land voranbringen – und wir tun das bereits“

Also profitieren sowohl Lehrende und Forschende als auch Studierende davon ...

Davon profitiert die gesamte Universität und letztlich das ganze Land. Beispiel Wirtschaft: Die zumeist mittelständischen Unternehmen in Schleswig-Holstein haben nur selten eigene Forschungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Wir können durch unsere Zusammenarbeit mit anwendungsorientierten Forschungseinrichtungen Innovationen in unserem Land voranbringen – im Bereich Energiewende tun wir das beispielsweise ganz konkret.

Der wissenschaftliche Werdegang von Simone Fulda

Prof. Simone Fulda ist seit dem 1. Oktober 2020 Präsidentin der Kieler Christian-Albrechts-Universität. Ihr Ziel ist es, die Kieler Uni als weltweite Netzwerkuniversität fortzuentwickeln, die zu den Top-15-Universitäten in Deutschland gehört und als zentrale Akteurin in Wissenschaft und Gesellschaft in der Region fest verankert ist.

Die gebürtige Kölnerin hat an der Uni zu Köln mit Auslandssemestern in Boston, San Francisco und Phoenix (USA) sowie in Dublin (Irland) Humanmedizin studiert.

Von 1995 bis 2001 absolvierte Fulda die Facharztausbildung an den Unikinderkliniken Heidelberg und Ulm. Ab 2001 war sie in der lebenswissenschaftlichen Forschung tätig.

Vor ihrem Amtsantritt als CAU-Präsidentin war die 53-Jährige an der Goethe-Universität Frankfurt Vizepräsidentin für Forschung und akademische Infrastruktur. Als Mitglied der Wissenschaftlichen Kommission im Wissenschaftsrat hat Fulda bei der Evaluation und Begutachtung von verschiedenen Hochschulen mitgewirkt.

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Fühlen Sie sich mittlerweile in Kiel zu Hause, oder fehlt Ihnen schlicht die Zeit, sich hier einzuleben?

Zeit ist tatsächlich knapp, aber ich bin hier voll und ganz angekommen. Es ist schon ein schöner Fleck hier, und ich hatte überhaupt keine Probleme, mich hier sofort heimisch und wohl zu fühlen.

Haben Sie schon einen Lieblingsplatz, also, mal abgesehen von Ihrem Büro?

(lacht) Das Laufen an der Kieler Förde, der Blick übers Meer, diese Offenheit, und dann die Fähren, die vorbeifahren und direkt zur Erkundung der Welt inspirieren – diese Orientierung in die Welt hinaus, das ist schön.

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