Bundespolizei

Schweden-Flüchtlinge treten Rückweg an

Foto: 2015 starteten tausende Flüchtlinge von Kiel aus nach Skandinavien und hofften auf eine bessere Zukunft. Jetzt kehren immer mehr Migranten aus Angst vor Abschiebungen zurück nach Schleswig-Holstein.

2015 starteten tausende Flüchtlinge von Kiel aus nach Skandinavien und hofften auf eine bessere Zukunft. Jetzt kehren immer mehr Migranten aus Angst vor Abschiebungen zurück nach Schleswig-Holstein.

Kiel. „Zum einen gibt es bei uns keine Grenzkontrollen wie in Bayern, zum anderen fehlt uns das notwendige Personal für umfangreichere Stichproben in Häfen, Zügen und Fernbussen“, sagt Dirk Stooß von der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Klassische Grenzkontrollen schließt das Schengen-Abkommen aus, Bayern ist ein Sonderfall. Dass die Zahl der Aufgriffe von Migranten im Norden deutlich gestiegen ist, sei ein sicheres Indiz dafür, dass die Dunkelziffer von Flüchtlingen, die illegal nach Schleswig-Holstein gelangen, sehr viel höher sein dürfte.

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Kein Tag ohne Aufgriffe

1500 Migranten hat die Bundespolizei nach Informationen unserer Redaktion bis Mitte Dezember in Kiel, Lübeck und dem Fährhafen Puttgarden aufgegriffen. Zum Vergleich: 2017 waren es 620 Flüchtlinge gewesen, die in den Seehäfen gestoppt wurden. Gerhard Stelke von der Bundespolizei-Inspektion Kiel will die Zahlen nicht kommentieren, sagt aber: „Es vergeht kein Tag, an dem es keine Aufgriffe von Skandinavien-Rückkehrern gibt.“ Im November waren bei einer Schwerpunktkontrolle auf Fehmarn binnen acht Stunden fünf Migranten erwischt worden. Hochgerechnet wären dies 15 Personen pro Tag – allein in Puttgarden.

Frustration bei den Beamten

Auslöser des verstärkten Zuzugs sei die verschärfte Einwanderungspolitik Schwedens. Immer mehr Migranten würden abgelehnt und aufgefordert, das Land zu verlassen. „Aus Angst vor Abschiebungen in die Heimat, aber auch wegen des Handgelds, das die Behörden in Schweden angeblich zahlen, treten viele abgelehnte Asylbewerber eiligst den Rückweg nach Deutschland an“, berichtet ein Bundespolizist und spricht von großer Frustration seiner Kollegen. „Egal, ob die Flüchtlinge bereits registriert sind oder nicht, das Einzige, was uns bleibt, ist, die Personen aufzufordern, sich in der Erstaufnahme in Neumünster oder bei der Ausländerbehörde ihres Registrierungsortes zu melden.“ Tatsächlich würden dort aber nur die wenigsten Migranten ankommen. Die meisten tauchen unter, versuchen zu Angehörigen oder Freunden in anderen Bundesländern zu gelangen oder ziehen weiter nach Frankreich oder Spanien.

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