Szene im Norden

Trügerische Ruhe der Rechtsextremen

Foto: Während die linksextremistische Szene rund um den G-20-Gipfel in Hamburg häufiger im Fokus der Öffentlichkeit stand, ist es um die Rechtsextremisten im Norden nur scheinbar ruhiger geworden.

Während die linksextremistische Szene rund um den G-20-Gipfel in Hamburg häufiger im Fokus der Öffentlichkeit stand, ist es um die Rechtsextremisten im Norden nur scheinbar ruhiger geworden.

Kiel. Die Zahlen klingen unverdächtig. Bundesweit sind derzeit rund gesuchte 470 Rechtsextremisten untergetaucht oder ins Ausland geflohen. Mit acht offenen Haftbefehlen gegen rechtsextreme Straftäter hält sich die Zahl in Schleswig-Holstein noch in Grenzen.

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Die Zahl der offenen Haftbefehle gegen Linksextremisten bewege sich in einer ähnlichen Größenordnung, erklärt Tim Radtke, Sprecher des Innenministeriums.

Zum Vergleich: Insgesamt sind derzeit etwa 1720 Vollstreckungshaftbefehle, die nach einem Urteil ausgestellt wurden, und rund 363 Haftbefehle zur Strafverfolgung in Schleswig-Holstein offen. Der Anteil politischer Extremisten ist also gering.

Blick in den Untergrund

Das gilt jedoch nicht für den unauffälligeren subkulturellen Rechtsextremismus: Die Zahl der Konzertabende steigt seit Monaten wieder an.

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Das hat auch Lasse Petersdotter, Landtagsabgeordneter der Grünen und zuständig für Strategien gegen Rechtsextremismus, beobachtet: "In Schleswig-Holstein sind die Aktivisten eher in ihrem kleinen Bereich unterwegs", schätzt er. Zwar habe es in jüngster Zeit keine nennenswerten Demonstrationen gegeben, aber Konzerte mit regelmäßig mehr als 60 Besuchern seien auffällig.

Sei es durch aktivistische Gruppen, die auf Veranstaltungen auffallen, wie beispielsweise der etwa 20 Personen starke Zusammenschluss "Bollstein Kiel": "Es wird immer wieder aus dem Hintergrund getreten", formuliert es Petersdotter.

Netzwerk sei "rachefähig"

"Wenn es ,ruhig' ist, heißt es nicht, dass nichts geschieht", sagt auch der Kriminalist Bernd Wagner, Leiter der Aussteigerinitiative Exit Deutschland. "Wir haben uns in Norddeutschland und Schleswig-Holstein darauf eingestellt, dass wir es mit einer gut vernetzten, persönlich recht verschweißten und sehr radikalen Szene zu tun haben, die sich mit verschiedenen Armen bewegt", sagt der Experte.

"Die Ausstiegsfälle sind deshalb besonders von der Seite der Sicherheit nicht leicht. Es ist nicht verwunderlich, dass Leute in der Szene einfach verschwinden können." Das Netzwerk im Norden sei in der Lage, Aussteiger aufzuspüren.

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