Reparatur in Kiel

U-Boote machen wieder Probleme

Nicht einsatzbereit: Die U-Boote „U 35“ und „U 36“ liegen derzeit in der Kieler Werft zur Reparatur. Auch „U34“ und „U32“ sind defekt.

Nicht einsatzbereit: Die U-Boote „U 35“ und „U 36“ liegen derzeit in der Kieler Werft zur Reparatur. Auch „U34“ und „U32“ sind defekt.

Kiel. In der Marine wird immer wieder die Frage diskutiert, ob die Zahl der Boote nicht einfach zu klein ist.

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Eng wird es dann, wenn eines der sechs U-Boote außerplanmäßig ausfällt – so wie jetzt die "U 36". Das modernste und jüngste der sechs deutschen U-Boote kehrte gerade erst von einer Auslandsfahrt aus Norwegen zurück. Dringende Reparaturen zwingen nun zu einen Werftaufenthalt, wie ein Sprecher des Marinekommandos auf Anfrage bestätigte. Das bei einer Havarie Ende Mai in Haakonsvern beschädigte Ruderblatt musste abgebaut werden. Es soll möglicherweise durch ein Ruderblatt des benachbarten Schwesternbootes ersetzt werden. Zusätzlich werde auch an Komponenten der umfangreichen Sonaranlage des Bootes gearbeitet.

Nur „U 34“ und „U 36“ können 2019 noch die Werft verlassen

Die Dauer des Werftaufenthaltes in Kiel wird offiziell mit wenigen Wochen angegeben. Von einem Engpass möchte die Marine ohnehin nicht reden. „Es stehen zwei vollkommen fahrtüchtige U-Boote bereit“, betonte Fregattenkapitän Carsten Poll, Sprecher des Marinekommandos in Rostock. Dabei handelt es sich um die Boote „U 31“ und „U 33“. Details zum genauen Klarstand sind jedoch inzwischen als geheim eingestuft.

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Bei Thyssenkrupp Marine Systems wird derweil an den Booten „U 36“, „U 35“, „U 34“ und „U 32“ gleichzeitig gearbeitet. Die Marine wird vermutlich aber nur „U 34“ und „U 36“ noch in diesem Jahr wieder in Fahrt bekommen. „U 35“ und „U 32“ sollen noch bis 2020 in der Werft bleiben. Bei „U 32“ werden seit dem Frühjahr die Batterien ausgetauscht. Das Boot liegt aus Platzmangel im Trockendock 7 und nicht in der U-Boothalle. „U 32“ soll im April 2020 wieder fahren.

U-Boot aus Deutschland: Komplexe Technik

Die erst 2015 in Dienst gestellte „U 35“ hat es schwer erwischt. Das 54 Meter lange Boot war im Herbst 2017 auf einer Ausbildungsfahrt in Norwegen mit einem Felsen kollidiert. Eines der Ruderblätter wurde dabei abgeknickt. Da es keine Ersatzruderblätter gibt, ist dieses Boot immer noch außer Betrieb. Beim Marinekommando geht man davon aus, dass „U 35“ frühestens im Sommer 2020 wieder fahrbereit ist.

Die langen Werftzeiten erklärt das Marinekommando mit der komplexen Technik der deutschen U-Boote. „In der Nutzungsdauer eines U-Bootes tritt regelmäßig Verschleiß an vielen Einbauteilen und Geräten auf“, heißt es auf Anfrage. Bei der Instandsetzung müssten aufwändige Prüfverfahren durchlaufen werden. Nachdem ab Oktober 2017 über zwölf Monate lang kein einziges der sechs U-Boote einsatzbereit war, ist die derzeitige Situation für die Marine noch vergleichsweise entspannt. In Rostock wird auf die anstehende Teilnahme an einem Einsatztraining beim „Flag Officer Sea Training“ der Royal Navy in Südengland verwiesen. Dort sind deutsche U-Boote als Trainingspartner für Zerstörer und Fregatten immer von großer Bedeutung. Eines der beiden einsatzbereiten Boote wird außerdem beim Seemanöver Northern Coast im September in der Ostsee zum Einsatz kommen. Der Marine-Inspekteur, Vizeadmiral Andreas Krause, formulierte es bei seinem Besuch in Kiel im Juni so: „Die Marine kann das, was an Aufträgen an sie gestellt wird, jederzeit erfüllen.“

Ruf nach mehr U-Booten

Doch es gibt auch andere Stimmen. Fregattenkapitän Timo Cordes, Kommandeur des 1. U-Bootgeschwaders, hatte im Interview mit den Kieler Nachrichten im Frühjahr eine Verdoppelung der U-Boot-Flotte gefordert. "Mit sechs Booten lässt sich zu wenig Führungspersonal generieren", hatte Cordes erklärt. Und mit Blick auf die Bündnispartner sagte er: "Deutschland ist neben Polen der einzige Ostsee-Anrainer in der Nato, der für das Gewässer die richtigen Boote und die Expertise hat. In vielen Wassertiefen würden andere Nationen nicht tauchen – zu flach. Deshalb ist der Ruf nach mehr Booten legitim." Cordes sprach sich für zwölf Boote aus. "Im Interesse kontinuierlichen Nachwuchses und der gestiegenen Bündnisanforderungen ist das eine Zielgröße, die Sinn ergibt."

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