Kollision bei Kiel

Wie gefährlich ist SUP auf der Förde?

Ein Paddel, ein Brett – und raus aufs Wasser: Stand-up-Paddler bevölkern immer stärker die Kieler Förde. Einen Bootsschein braucht man dafür nicht. Doch viele überschätzen sich und lösen Kollisionen mit der Berufsschifffahrt aus.

Ein Paddel, ein Brett – und raus aufs Wasser: Stand-up-Paddler bevölkern immer stärker die Kieler Förde. Einen Bootsschein braucht man dafür nicht. Doch viele überschätzen sich und lösen Kollisionen mit der Berufsschifffahrt aus.

Kiel. Nach mehreren Zwischenfällen ist deshalb im Hamburger Hafen das Stehpaddeln jetzt verboten. Das geht aus der Änderung der Hafenverkehrsordnung hervor, die der Senat beschlossen hat. Wegen der besonderen Wind- und Strömungsverhältnisse und der stetig wachsenden Zahl an Großschiffsbewegungen handele es sich beim Hafen um ein außerordentlich problematisches und gefährliches Gebiet für derartige Freizeitsportler, teilte die Hamburger Wirtschafts- und Verkehrsbehörde mit. Und auch im Norden steigt der Handlungsdruck.

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So häufen sich auch in Schleswig-Holstein kritische Vorfälle. So waren am Sonnabend Freizeitsportler mit ihren Brettern vor der Hafeneinfahrt Möltenort unterwegs und kamen dort zu nah ans Heck eines Berufsschiffes. Das Fördeschiff kollidierte bei dem eingeleiteten Ausweichmanöver mit einer Segeljacht. Und auch im Kieler Binnenhafen sind Stand-up-Paddler schon zwischen große Schiffe geraten. Die Wasserschutzpolizei hat mehrfach Warnungen ausgesprochen. In einzelnen Fällen wurden Paddler auch von den Beamten aus dem Fahrwasser geholt, weil sie dort unbeleuchtet bei Nebel und Dunkelheit unterwegs waren. Revierleiter Ingo Berger von der Wasserschutzpolizei Kiel fordert die Paddler deshalb auf, vor den Fähranlegern der SFK und im Fahrwasser besonders aufmerksam zu sein.

SUP: Niedrige Wellen birgen große Gefahren 

Denn nicht jeder Paddler hat sein Sportgerät vollkommen sicher im Griff. Schon niedrige Wellen, Schraubenstrom sowie Sog- und Druckwirkungen durch Bug- und Heckstrahler der großen Fähren, Frachter und Kreuzfahrer können gefährliche Situationen herbeiführen. Deshalb rät die Wasserschutzpolizei unbedingt dazu, Abstand von den großen Schiffen zu halten. „Hilfreich ist in jedem Fall die Kenntnis der Verkehrsvorschriften und das Bewusstsein, dass große Schiffe einen größeren Manövrierraum beanspruchen und im Verhältnis zu einem Paddel-Board oder auch Sportboot langsamer reagieren“, stellt Berger klar. Erschwerend kommt hinzu, dass in der Fahrrinne der Platz zum Manövrieren für Frachter mit großem Tiefgang eingeschränkt ist.

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Bislang beließ es die Wasserschutzpolizei bei mündlichen Verwarnungen, wenn die Paddler ohne entsprechende Beleuchtung bei Nebel, in der Dämmerung oder bei Dunkelheit unterwegs waren. „Doch zukünftig werden wir bei der zunehmenden Nichtbeachtung von Regeln strikter durchgreifen“, kündigt Berger an.

Interaktive Karte: Hier können Sie in Kiel SUP-Bretter ausleihen

Vor dem Paddeln kommt die Einweisung

„Das wird auch Zeit. Es gibt zu viele Menschen, die sich ein SUP-Board kaufen und einfach so aufs Wasser gehen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis da was passiert“, warnt Volker Schöttke von der Segelschule Westwind in Falckenstein. Er verleiht die Bretter an Wassersportfreunde. Wer bei ihm aber eine SUP-Board ausleiht, komme nur mit einer Einweisung aufs Wasser, versichert er. „Eine verbindliche Schulung mit Nachweis wäre natürlich eine optimale Lösung.“

Ein Verbot von Stand-up-Paddling im Bereich des Hafens und der Innenförde nach dem Vorbild Hamburgs ist in Kiel aber nicht in Planung, wie die Stadt Kiel mitteilt. Dort setzt man weiter auf ein gefahrloses Miteinander im Seeverkehr.

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Motorkraft hat Vorfahrt

In der Seeschifffahrtsordnung stellen die Stand-up-Paddler eine Grauzone dar. Genaugenommen gehören sie nach den Kollisionsverhütungsregeln in die Kategorie der Fahrzeuge mit Muskelantrieb. Dazu gehören alle Ruderboote und auch Kanuten. Außerhalb der Fahrwasser gilt grundsätzlich rechts vor links. In einem Fahrwasser fahrende Fahrzeuge dürfen nicht behindert werden. Grundsätzlich gilt: Für Fahrt bei Nebel und Dunkelheit müssen Licht- und Schallsignale gegeben werden können, was bei einem „SUP“ nicht einfach machbar ist. Der sicherste Bereich ist deshalb in unmittelbarer Strandnähe.

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