Neuer Präsident des Landesarbeitsgerichts

Wulf Benning: Den Gerichtssaal wird er nur noch selten sehen

Ab April leitet Wulf Benning das Landesarbeitsgericht in Kiel.

Ab April leitet Wulf Benning das Landesarbeitsgericht in Kiel.

Kiel. Schon während des Jura-Studiums in Münster war das Arbeitsrecht für Wulf Benning „mehr als ein Steckenpferd, nämlich eine Herzensangelegenheit“. Mehr als 30 Jahre später, Mitte dieser Woche, wählte der Landtag Benning einstimmig zum neuen Präsidenten des Landesarbeitsgerichts Schleswig-Holstein mit Sitz in Kiel.

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Der 58-jährige Spitzenjurist verpasste seinen Karrieresprung – Benning, der zurzeit an das Arbeitsgericht Kiel abgeordnet ist, brütete über Gerichtsakten. „Das Reizvolle am Arbeitsrecht ist, einen Ausgleich zu finden zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften.“ Benning ist dabei oft erfolgreich. „Es gibt eigentlich immer eine Lösung, mit der alle leben können.“

Benning schätzt am Richterjob auch das unterschiedliche Klientel

Solche Lösungen sind heutzutage auch deshalb leichter als früher, weil betriebsbedingte Kündigungen seltener und Konflikte wegen des „massiven Arbeitskräftemangels“ seltener existenziell sind. „Der Ton ist relativ entspannt, weil oft nicht mehr so viel dranhängt.“ Spannend sei der Richterjob auch wegen des höchst unterschiedlichen Klientels. „Ich hatte an einem Tag jemanden, der sich über 200 Euro Abfindung freute und einen Banker, dem 120 .000 Euro nicht genug waren.“

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Das „bunte Leben im Gerichtssaal“ dürfte Benning ab April oft vermissen. Als Präsident der überschaubaren Arbeitsgerichtsbarkeit in Schleswig-Holstein (rund 100 Beschäftigte, davon 28 Richterinnen und Richter) wird der bisherige Vize-Präsident überwiegend am Schreibtisch arbeiten. Ein Dauerthema sei die Digitalisierung, erzählt er. „Wenn man gerade das Gefühl hat, es läuft, dann kommt ein neues Update, und dann ruckelt’s erst mal wieder.“

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Der neue Job bringt für den Spitzenjuristen weitere Veränderungen. Benning, der mit seiner Frau in Lübeck wohnt und bisher teils von dort arbeitet, sucht wegen seines Fulltime-Jobs als Präsident ein Appartement in Kiel. Sein Hobby („Ich spiele in der Ü40-Mannschaft von Phönix Lübeck“) will er aber nicht aufgeben, ebensowenig seine beiden ehrenamtlichen Kirchenjobs. Der Katholik („Ich bin ein guter Münsteraner“) hat in Glaubensfragen für sich einen Kompromiss gefunden. Benning sitzt sowohl im Aufsichtsrat des evangelischen Kita-Werks in Lübeck als auch in der Schlichtungsstelle für Mitarbeitervertretungsstreitigkeiten des Erzbistums Hamburg.

Von Ulf Christen

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