Nach Sieg über Berlin

Der THW Kiel ist EHF-Cup-Sieger 2019

Foto: Ein Moment für die Ewigkeit: Der THW ist EHF-Cup-Sieger 2019. Trainer Alfred Gislason stemmt den Pokal in die Höhe und wird sofort mit einer ausgiebigen Bierdusche "belohnt".

Ein Moment für die Ewigkeit: Der THW ist EHF-Cup-Sieger 2019. Trainer Alfred Gislason stemmt den Pokal in die Höhe und wird sofort mit einer ausgiebigen Bierdusche "belohnt".

Kiel. Alfred Gislason strahlte, dann streckte er die Arme gen Hallendecke und verbeugte sich mehrmals tief vor dem Publikum, das seinen Namen skandierte. Szenen eines Handball-Abends, der ganz nach dem Geschmack der Fans des THW Kiel war.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Wenige Minuten später war der Isländer mit Sekt durchtränkt. Zum zweiten Mal in dieser Saison nach dem Sieg im DHB-Pokal Anfang April kommandierte Kapitän Domagoj Duvnjak seinen Trainer bei der Siegerehrung in die erste Reihe. Dort litt der 59-Jährige unter der sicheren Handhabung der Sektflaschen durch Niklas Landin und Lukas Nilsson, stemmte den 18 Kilogramm schweren EHF-Cup einige Male in die Luft und drückte ihn dann blind Andreas Wolff in die Hände.

Wolff hielt entscheidende Bälle

Einen besseren Empfänger hätte er dafür nicht finden können. Schließlich war der Torwart, zuletzt fast ausschließlich im Schatten von Niklas Landin abgetaucht. Am Sonnabend aber war er zur Stelle, als Berlin den Kieler Sechs-Tore-Vorsprung aus der Pause binnen acht Minuten auf drei Tore Differenz (17:20/42.) zusammenschmolz.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Einwechslung von Wolff, der bis zum 22:18 zehn Minuten lang ohne Gegentor blieb, war einer von vielen Winkelzügen in einem Finale, das von Taktik, Emotionen und einem Kieler Publikum geprägt war, dem man den Hunger nach der großen internationalen Bühne anmerkte. „Ich glaube, dieser Titel ist eine ganz gute Entschädigung für unsere Fans in einer Saison, in der wir nicht in der Champions League gespielt haben“, sagte Patrick Wiencek später.

Schrecksekunde bei Patrick Wiencek

Die Fans in der ausverkauften Sparkassen-Arena feierten von Anfang an gelungene Abwehraktionen des THW Kiel, insbesondere die von Wiencek. Der Handballer des Jahres sorgte schon nach zehn Minuten für eine Schrecksekunde, als er auf der Bank an der linken Wade behandelt werden musste. Doch Wiencek kehrte zurück. „Nur ein Pferdekuss“, erklärte er.

Zu diesem Zeitpunkt war das vierte Duell der beiden Mannschaften noch völlig offen. Der THW Kiel hatte sich gerade die erste Führung zum 5:4 erkämpft. In einem Spiel mit zwei soliden Abwehrreihen und kreativen Offensiven spielten die Kieler sich gegen Ende der ersten Halbzeit in eine Art Rausch.

Als Berlin in der Abwehr Sonderbewacher für Miha Zarabec und Domagoj Duvnjak abstellte, wechselte auch der THW Kiel sein Abwehrsystem. Kapitän Domagoj Duvnjak fischte an der Spitze der 3:2:1-Abwehr Bälle ab und feuerte vorne dreimal passgenau ins linke obere Eck, während die Füchse fünf Minuten ohne Tor blieben. Fans und Kieler auf der Auswechselbank sprangen auf, während die Zebras sich zur 16:10-Pausenführung konterten, an der auch Torwart Niklas Landin mit 6/1 (Siebenmeter gegen Lindberg) Paraden beteiligt war.

Zäher Start in den zweiten Durchgang

Zu Beginn der zweiten Hälfte kämpfte der THW Kiel mit einer wieder erstarkten Berliner Abwehr. Viermal entschärften der Block oder Heinevetter die Zebra-Würfe, Berlin kam auf 12:16 (33.) heran. Den Bann brach ein Kempa-Anspiel von Nikola Bilyk auf Magnus Landin zum 17:12 (35.).

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Als der rote Faden im Spiel, das inzwischen überwiegend aus Kampf denn aus schönen Kombinationen bestand, zu reißen drohte,, kehrten die erfahreneren Zarabec und Duvnjak zurück. Drei Zeitstrafen (Reinkind, Wiencek, Pekeler) bekam der THW Kiel innerhalb von vier Minuten aufgebrummt. Der Kieler Fels in der Brandung in dieser Phase war Wolff. Er kaufte erst Lindberg einen freien Wurf von außen ab, dann hielt er den Siebenmeter von Mandalinic. In der 52. Minute (22:17) hielt es keinen THW-Fan in der Arena mehr auf seinem Platz.

Video: THW Kiel gegen Füchse Berlin

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Facebook, Inc., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Alle EHF-Cup-Spiele mit deutscher Beteiligung wurden auf DAZN übertragen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Glückselige THW-Fans nach EHF-Cup-Sieg

Auch wenn der THW Kiel in der Schlussphase bereits komfortabel mit fünf Toren führte, zogen die Zebras weiter durch. Nilsson zauberte Anspiele an den Kreis, Magnus Landin vollstreckte von Linksaußen, Patrick Wiencek verschob in der Abwehr, Andreas Wolff hielt - die Rädchen beim THW Kiel griffen zu gut ineinander, als dass die Füchse ihm noch hätten gefährlich werden können.

Die Kieler Fans waren sich sicher: „Oh wie ist das schön“, schallte es von den Rängen. Sprechchöre für den Trainer, Glückseligkeit bei den THW-Fans, als Weltjahrhunderthandballer und Ex-Zebra Magnus Wislander den Pokal in die Halle trug - zum ersten Mal seit 2007 feiert der THW Kiel einen internationalen „Titel to Huus“.

„Es ist schön für Alfred, dass er in seiner Halle noch einmal so einen Pokal in die Luft stemmen darf. Ein Schlüssel war für uns, dass wir breit aufgestellt sind und unsere Kräfte verteilen konnten“, sagte Steffen Weinhold, der ebenfalls ein starkes Spiel gemacht hatte.

Und Gislason selbst sagte: „Das war ein bewegender Moment für mich, auch wenn ich das – typisch Nordisländer – nicht zeigen kann. Die Reaktion des Publikums war ein schönes Abschiedsgeschenk an mich. Diese Atmosphäre habe ich seit der Saison 2013/2014, als wir mit zwei Toren Vorsprung vor den Löwen Meister wurden, in der Ostseehalle – Entschuldigung! Sparkassen-Arena – nicht mehr erlebt.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Stimmen Sie ab!

Die Statistik

THW Kiel: N. Landin (1.-42. Minute und bei einem 7m 6/1 Paraden), Wolff (ab 42./4) – Duvnjak 3, Reinkind 1, M. Landin 4, Firnhaber, Weinhold 5, Wiencek, Ekberg 7/2, Rahmel, Dahmke, Zarabec 1, Bilyk 1, Pekeler 2, Nilsson 2.

Füchse Berlin: Heinevetter (1.-16. und ab 29. Minute/10 Paraden), Semisch (16.-29./1) – Wiede 2, Elisson 6/1, Holm 1, Struck n.e., Mandalinic 1/1, Gojun, Lindberg 3, Zachrisson 3, Schmidt, Reißky n.e., Koch, Marsenic 3, Drux 3.

Schiedsrichter: Jurinovic/Mrvica (Kroatien) – Strafminuten: THW 6 (Reinkind, Wiencek, Pekeler), Füchse 8 (2x Gojun, Marsenic, Bank) – Siebenmeter: THW 2/2, Füchse 5/2 (N. Landin pariert Lindberg, Lindberg an den Pfosten, Wolff pariert Mandalinic) – Spielfilm: 0:1, 3:3 (7.), 6:4, 7:6 (16.), 9:6, 10:9 (22.), 12:10 (25.), 16:10 – 16:12, 17:14 (37.), 20:15, 20:17 (43.), 22:18 (52.), 25:19 (57.), 25:21, 26:22 – Zuschauer: 10 285 in der ausverkauften Sparkassen-Arena.

Mehr zum THW Kiel lesen Sie hier.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Von Merle Schaack und Tamo Schwarz

Mehr aus Sport regional

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen