Handball-WM

Gisli: Aus der Oberliga auf die WM-Bühne

Foto: Stark im Eins-gegen-Eins: Gisli Kristjánsson (li.) gegen seinen Teamkollegen Hendrik Pekeler.

Stark im Eins-gegen-Eins: Gisli Kristjánsson (li.) gegen seinen Teamkollegen Hendrik Pekeler.

Köln. Der 19-Jährige wurde von THW-Trainer Alfred Gislason in die vierte Liga geschickt, um mit dem THW II Spielpraxis zu sammeln. Einen Monat später hat der Tellerwäscher bei der Handball-Weltmeisterschaft die große Bühne erobert.

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Und wie! Deutschland gegen Island. Hu! Superstar Aron Palmarsson beginnt auf Halblinks. In der Mitte zieht der auf dem internationalen Parkett noch unbekannte Gisli Kristjánsson die Fäden. Kongenial. Der ehemalige Kieler Palmarsson trifft bis zum 8:8 (20.) dreimal, Kristjánsson einmal. Wer ist das denn? Den 1,91 Meter großen Blondschopf sollte man sich merken. Frech. Schnell. Mutig. Scheitert an Andreas Wolff (6.), trifft die Latte (14.), schindet sich zum Siebenmeter (31.), trifft noch mal die Latte (36.). Da spielt Pech mit. Und eine langwierige Schulterblessur, die noch immer seinen Wurf trübt.

Umbruch unter Gudmundur Gudmundsson

Das Selbstbewusstsein des Sohnes der isländischen Handball-Legende Kristján Arason und der prominenten Politikerin und Parteivorsitzenden Thorgerdur Katrin Gunnarsdottir jedoch nicht. „Die WM ist ein Traum, aber ich weiß auch, was ich kann. Und hatte mir schon ausgemalt, dass ich viel spielen werde.“ Kiels Gisli ist ein wichtiges Puzzlestück im Gefüge von Gudmundur Gudmundsson. Mit ihm gewann Island 2008 Olympia-Silber in Peking, nachdem der heute 58-Jährige den Chefposten bei den „Strákarnir okkar“ von Alfred Gislason übernommen hatte. Gudmundsson war anschließend Sportdirektor bei AG Kopenhagen, Trainer bei den Rhein-Neckar Löwen, gewann mit den Mannheimern 2013 den EHF-Cup, hörte nach Olympia 2012 als isländischer Nationalcoach auf, wurde Nationalcoach Dänemarks und holte 2016 in Rio de Janeiro die olympische Goldmedaille. Nach einem Intermezzo als Trainer von Bahrain, das Gudmundsson zur WM 2019 führte, heuerte der Trainerfuchs im vergangenen Jahr noch einmal in seinem Heimatland an der Seitenlinie an. Für ein Projekt der ganz anderen Art. Gudmundsson vollzog den Umbruch, tritt bei der WM mit der nach Korea (Durchschnittsalter 24,4 Jahre) zweitjüngsten Mannschaft an. 24,9 Jahre bringen die Isländer im Schnitt auf die Platte. Seit Sonntag und dem verletzungsbedingten Ausfall von Aron Palmarsson (FC Barcelona) und Arnor Thor Gunnarsson (Bergischer HC) sogar nur noch 23,6 Jahre – jünger geht’s nicht.

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Palmarsson: "Es gibt nur einen Palmarsson"

„Wir haben einen Dreijahresplan. Die Mannschaft ist jung, hat Potenzial, wir können das schaffen“, sagt Gudmundsson. Und: „Gisli ist schnell, einer unserer jungen Spielmacher. Er hat eine goldene Zukunft.“ Gisli Kristjánsson trainiert hart, will die Schulterverletzung in den Griff bekommen. „Ich will hier mein Bestes geben.“ Er sei der „neue Palmarsson“, sagen viele Landsleute auf der Insel und Handball-Experten. Alfred Gislason bescheinigte beiden „ähnliche Qualitäten“. Palmarsson reagiert darauf mit einem breiten Grinsen: „Es gibt natürlich nur einen Palmarsson. Aber Gisli hat gute Beine. Ich hoffe, dass er seinen Wurf bald wieder hat. Dann hat er alle Möglichkeiten, denn er hat das Spiel verstanden. Es liegt an ihm.“ Die Schulter, auch am Sonnabend ein Faktor: „Im Eins-gegen-Eins ist Gisli unfassbar stark“, sagte Hendrik Pekeler nach dem Spiel. „Wir wussten aber auch, dass er nicht voll werfen kann, wollten ihm darum auch den einen oder anderen Schuss geben. Er hat das vor dieser Kulisse schon sehr routiniert gemacht.“ Routine, die im Blut liegt, die man in der Helmut-Wriedt-Halle nur schwer trainieren kann.

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