Olympiasiegerin

Heike Henkel zurück in ihrer Heimat Kiel

Foto: Heike Henkel

Heike Henkel auf Heimatbesuch. Im Kieler Haus des Sports las sie aus ihrem neuen Buch "Entfessle dich".

Kiel. „Kiel ist meine Heimat, Pulheim mein Zuhause. Hier in Kiel sind die Leute gelassener.“ Heike Henkel (55) kehrt gerne und so oft wie möglich in ihre Geburtsstadt, wo ihre sieben Jahre ältere Schwester Sabine lebt, zurück. Hinter der Ellerbekerin liegt eine Weltkarriere in der Leichtathletik: Europameisterin 1990 in Split, Weltmeisterin 1991 in Tokio, Olympia-Gold 1992 in Barcelona. Anfang der 1990er trugen Höhenflüge im Hochsprung der Frauen den Namen Heike Henkel. Aber wie sieht Henkels Leben 19 Jahre nach Beendigung ihrer sportlichen Laufbahn aus?

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Trotz Höhenflug nie abgehoben

Die diplomierte Grafikdesignerin arbeitet seit ihrem endgütigen Karriereende 2000 als Mentalcoach für Unternehmer und Nachwuschssportler und veröffentlichte jüngst ihr Buch „Entfessle dich: Wie du aus dir machst, was in dir steckt“. Aus dem Buch las Henkel am vergangenen Montag Abend im Kieler Haus des Sports. Unter die Zuhörer gesellte sich auch ihr Grundschullehrer und Leichtathletik-Urgestein Bernd Hausmann, der immer noch im regen Kontakt zu Heike Henkel steht. Er sagt: „Früher war sie schüchtern und hat nur Sachen gemacht, bei denen sie sich sicher war. Mit den Jahren ist sie selbstsicherer geworden.“ Heike Henkel, die Kieler Olympiasiegerin von 1992, die trotz Höhenflug nie abhob.

Die Leichtathletik war für Henkel – geborene Redetzky – nur Liebe auf den zweiten Blick. Ursprünglich wollte die heute 55-Jährige turnen, doch schnell machte ihr ihre Körpergröße einen Strich durch die jugendliche Rechnung. In Begleitung einer Schulfreundin probierte sie sich im Hochsprung – 1,38 Meter! Es kitzelte. Wäre da bloß nicht das Training gewesen. „Ich habe 20 Jahre das gemacht, was mir keinen Spaß brachte: Training“, gibt Henkel noch heute unumwunden zu und denkt mit Grausen an sonntägliche Laufrunden im Viehburger Gehölz zurück. Doch sie war eine Wettkämpferin. „Jugend trainiert für Olympia“ das Ziel.

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Das leere Olympiastadion wirkte auf Heike Henkel wie ein Sog

„Ich war eine Provinznudel, bin kaum über die Kieler Stadtgrenzen hinausgekommen. Jetzt sollte es nach Berlin gehen – mit dem Flugzeug“, erinnert sie sich: „Dafür konnte ich mich motivieren.“ Das leere Olympiastadion in Berlin entfachte eine Sogwirkung. „In so einem Stadion wollte ich mal vor vielen Zuschauern starten.“

Zentimeter für Zentimeter steigerte sie sich. Inzwischen hatte sie auf dem Wirtschaftsgymnasium am Ravensberg ihr Abitur gemacht. Noch heute pflegt sie engen Kontakt zu ihren Mitschülern und ehemaligen Vereinskameraden aus Kronshagen. „Sie ist immer eine treue Seele. Sie ist einfach sie geblieben“, sagt Schulfreundin Ute Junge, die auch die Lesung im Haus des Sports besuchte. Der Kontakt riss nie ab, obwohl Henkel als 21-Jährige – ein Jahr nach ihren ersten Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles – Kiel und ihren Heimatverein TSV Kronshagen verließ, um in Leverkusen unter Erfolgscoach Gerd Osenberg zu trainieren.

Ute Junge saß auch auf der Tribüne, als Henkel 1992 in Barcelona das lang ersehnte Olympia-Gold holte. „Wir haben sie immer mal wieder bei Wettkämpfen besucht“, sagt Junge. „Noch heute reisen wir mit einer weiteren Freundin einmal im Jahr für ein verlängertes Wochenende in eine europäische Stadt zum Kurzurlaub.“

Heike Henkel: „Als Sportlerin habe ich mehr Wettkämpfe als Verliererin beendet als als Siegerin.“

Henkel war ein Leichtathletik-Weltstar, dennoch blieb sie bodenständig. Sportlich jagte sie von Erfolg zu Erfolg und dennoch bekennt sie: „Als Sportlerin habe ich mehr Wettkämpfe als Verliererin beendet als als Siegerin.“

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Es war die mentale Stärke, die Henkel letztlich alle Ziele erreichen ließ. Diese Stärke gibt sie nun als Mentaltrainerin weiter.

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