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Der Andersmacher

Storm kämpft weiter für den THW Kiel

Homeoffice Schulensee: Thorsten Storm.

Homeoffice Schulensee: Thorsten Storm.

Molfsee. Was macht eigentlich ...? Einen Abschied für Thorsten Storm vom THW Kiel gab es nach viereinhalb Jahren als Geschäftsführer nicht. Warum auch? Still war die Übergabe an seine Nachfolger Viktor Szilagyi und Sabine Holdorf-Schust. Reibungslos der Übergang von der ersten in die zweite Reihe. Mit seiner Agentur FTS Concept behält der 54-Jährige die Federführung bei der Vermarktung des Handball-Rekordmeisters. Durchatmen, Homeoffice am Schreibtisch in Schulensee, mehr Zeit für die Familie. Ein Blick zurück. Ein Blick nach vorn.

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Das pralle Leben: Henry (5) wirft Bälle auf den nigelnagelneuen Basketballkorb, Ehefrau Franca öffnet die Tür, die kleine Paulina (3) geleitet forsch ins Dachgeschoss zu Papa Thorsten, der zwischen Boxsack, Playstation und jeder Menge Handball-Devotionalien am Rechner arbeitet. Blaue Chino, weißes T-Shirt, entspannt. Das war nicht immer so. In der Krise 2017/2018 wirkte der Handball-Manager oft angegriffen, blass.

Thorsten Storm sieht sich als "Andersmacher"

Ein Schritt zurück, Storm wechselte die Seite, will seine Stärken im Marketing jetzt als Freiberufler einbringen, mit der Sportrechteagentur Lagardère Sports Kräfte für den THW bündeln. So war es oft: "Ich war immer so etwas wie ein Andersmacher", sagt Storm.

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Anders war es besonders, als er an die Förde zurückkehrte nach Stationen beim Nordrivalen SG Flensburg-Handewitt und den Rhein-Neckar Löwen. „Als ich 2002 nach Flensburg gekommen bin, war ich ein Greenhorn. Die Flensburger haben in mir den Kieler gesehen und an eine feindliche Übernahme gedacht. Ich bin nicht gerade mit offenen Armen empfangen worden“, erinnert sich der ehemalige Kieler Rechtsaußen und lacht. Storm holte Kent-Harry Andersson als Trainer, drehte an Stellschrauben in der Mannschaft, die schließlich 2004 deutscher Meister und dreimal Pokalsieger wurde.

Für seine Eltern verließ Storm vorzeitig die Rhein-Neckar Löwen

Nächster Schritt Mannheim: „Das war ein Start-up in einem sportlich starken Konkurrenz-Umfeld, unter anderem mit Eishockey. Nach dem Wechsel vom Traditionsklub SG Kronau-Östringen zum Start-up Rhein-Neckar Löwen ging es in erster Linie darum, Identifikation mit dem neuen Klub aufzubauen.“ Storm holte Nikolaj Jacobsen als Trainer, doch die Früchte konnte er nicht mehr ernten: „Ich wollte früher nach Kiel, um mich hier auch mehr um meine erkrankte Mutter und meinen Vater kümmern zu können. In solchen Momenten merkst du, dass das Familiäre immer noch wichtiger ist als der Beruf.“

Im November 2014: Rückkehr an die Förde. Unumstritten war die Personalie nicht. In der Bestechungsaffäre um Ex-THW-Manager Uwe Schwenker und Ex-Trainer Noka Serdarusic hatte Storm das Duo als Hauptzeuge schwer belastet, war bei vielen Fans in Ungnade gefallen. Doch nun war der ehemalige Marketingchef der Zebras als Geschäftsführer zurück und fand um die Sparkassen-Arena herum „größere Baustellen, als ich erwartet hatte“.

Der „Tanker“ THW war zu dieser Zeit scheinbar kaum aufzuhalten, strahlte in einem Image aus Sieger-Gen und 68:0-Punkte-Saison, doch der Umbruch deutete sich an. Spieler wie Aron Palmarsson, Rasmus Lauge und Johan Sjöstrand waren auf dem Absprung, im Sommer 2015 verließ überraschend auch Filip Jicha den Klub. „Das Image des THW war doch: Bloß nicht gegen den THW – da kriegst du eh nur richtig auf die Nuss. Mit einer entsprechenden Erwartungshaltung in Kiel kam ich dann hier an. Ausnahmespieler wie Jicha, Lauge und Palmarsson waren aber schon so gut wie weg damals.“ Und nicht nur das: Hauptsponsor Provinzial hatte sein Engagement deutlich reduziert, andere Großsponsoren (zum Beispiel Coop, d. Red.) waren weggefallen.

Storm erzielte "den höchsten Umsatz, den wir jemals hatten"

Storm kam und ackerte, sollte neue Vermarktungswege und Netzwerke erschließen, Ideen entwickeln. Er hatte Erfolg. „Wir haben heute bereits den höchsten Umsatz, den wir jemals hatten“, sagt Storm. „Er muss aber ständig verbessert werden, wenn wir auch in Europa oben mitspielen wollen. Wir haben den höchsten durch Marketing und Vertrieb erzielten Etat der Liga, der nicht aus Mäzenatentum entsteht.“

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Dennoch wurden die Fans nicht warm mit „ihrem“ Manager. „Ich sehe mich als typischer Norddeutscher und als sehr kommunikativ, aber vielleicht war ich in Kiel nicht Fan-nah genug“, reflektiert Storm. Die Grundstimmung blieb kritisch, und auch intern gab es Reibungen zwischen Aufsichtsrat und Geschäftsführer: „Es gab enge Leitplanken. Die volle Rückendeckung war nicht da. Wenn du nicht gemeinsam in eine Richtung marschierst, gehst du die Wege eben langsamer. Und wenn du permanent gegen Windmühlen ankämpfen musst, geht das an die Substanz. Ich wollte aber nie in den Sack hauen. Das ist nicht mein Ding.“

Storm räumt eigene Fehler in der Vergangenheit ein

Storm machte auch Fehler, sagt rückblickend: „Rasmus Lauge nach Flensburg zu geben, ohne sich selbst ein Bild zu machen, war ein Fehler.“ Auch eine Personalentscheidung, mit der er 2016 keine Beliebtheitsrekorde an der Förde erzielte, bewertet Storm heute selbstkritisch: „Auch der Raul Santos-Transfer war falsch. Wir hätten Dominik Klein stattdessen behalten sollen. Dominik hätte der Truppe in dem Moment mehr helfen können. Aber unser Ein-Jahres-Angebot war für Dominik keine Option.“

Den Vorwurf von Keeper Andreas Wolff, Storm habe sich nicht an sein Angebot gehalten, will der 54-Järhige dagegen nicht stehenlassen: „Es gab nie einen Rückzieher vom THW Kiel. Es gab eine Offerte, zu verbesserten Konditionen den Vertrag zu verlängern. Aber wie damals in Wetzlar das Angebot aus Kiel, war dieses Mal das Angebot aus Kielce besser.“

Verpassen den Champions League kostete den THW Kiel fast zwei Millionen Euro

Die Krise traf den THW hart, das Verpassen der Champions League riss ein fast zwei Millionen großes Loch, die Analyse förderte auch Versäumnisse, beispielsweise bei der Akquise und Pflege regionaler Sponsoren, und eine neue Konkurenzsituation mit dem Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel zutage. Man müsse sich folglich „mehr und schneller Richtung Partner“ bewegen. „Wir hatten jahrzehntelang quasi die Alleinherrschaft, was regionale Partner angeht. Jetzt haben wir eine Wettbewerbssituation, ich persönlich finde beide Klubs sehr gut.“

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Storm sieht sich weiter als Andersmacher. Er, der sich mit der Interessenvertretung Forum Club Handball gegenüber der Europäischen Handballföderation EHF für die Vereine stark gemacht hat, hätte sich in den vergangenen viereinhalb Jahren mehr Akzeptanz in Kiel gewünscht. „Die Wahrnehmung von meiner Person in Europas Handball ist anders als die Wahrnehmung von mir in Kiel. Das habe ich in Kiel leider bisher nicht geschafft.“

Storm will für den THW Kiel noch viel bewegen

Jetzt ist er nicht mehr THW-Geschäftsführer und möchte an seiner Wahrnehmung am liebsten dennoch arbeiten, von Schulensee aus „für den THW Kiel in meinem Bereich noch viel bewegen. Ich möchte dafür sorgen, dass der THW auf diesem Weg weiterkommt.“ Mehr Familie, weniger Rampenlicht: „Ich brauche nicht mehr in der ersten Reihe zu stehen, muss mir in diesem Bereich nichts mehr beweisen und freue mich viel mehr, dass Viktor im sportlichen Bereich einen guten Job macht.“

Storm hat losgelassen, war seit der Verpflichtung von Viktor Szilagyi nicht mehr sportlich verantwortlich, will jetzt den Umsatz steigern, um „regelmäßig wieder vorne in der Champions League anzugreifen“, will trotz Angeboten aus der Bundesliga im Norden bleiben („Ich liebe den Norden und bin Schleswig-Holsteiner“) und glaubt an den THW: „Ich stehe zu 100 Prozent hinter der sportlichen Führung. Ich glaube, Viktor und Filip (Trainer Filip Jicha, d. Red.) haben zusammen die nötige Erfahrung, um so ein großes Schiff zu fahren. Es wird auch auf diesem Weg Rückschläge geben, aber dann muss man wie immer wieder aufstehen.“

Lesen Sie hier mehr über den THW Kiel

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